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{Update} Christopher Morley »Das Haus der vergessenen Bücher« | Leserunde

15. September 2014

Einen lieben Gruß in die Nacht liebe Leser!

Es ist schon spät, leider kam ich heute auch nicht wirklich viel zum Lesen. Nein,streicht das „leider“. Dafür habe ich beim Kommentiertag Deutschland teilgenommen, viele neue Blogs kennengelernt, selbst viele Kommentare und auch das eine oder andere neue Gesicht in der Nische begrüßen dürfen – ein fröhliches Hallo in die Runde – und die Blogtour zu »Die Herrscher von Dhaleth« mit Priska Lo Cascio angekündigt. Achja, was ich noch erwähnen wollte: Die Autorin ist mit von der großen Blogtourparty, was ich große Klasse finde.

So, nun aber zum eigentlichen Grund dieses Artikels. Ich wollte ja Status-Updates zur Leserunde auf Facebook posten, damit diejenigen, welche eben nicht bei Facebook dabei sind, auch einen Einblick haben. Zudem ist es auch für mich eine schöne Sache, nochmal nachlesen zu können, wie ich mich Schrittchen für Schrittchen mit dem Buch beschäftigt habe. Wenn das für euch interessant ist, kann ich das gerne öfter machen (natürlich ohne zu spoilern!).

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Sonntag, 14. September, 23:00: Gelesen bis Seite 35 | 256

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Eingekuschelt mit Buch

Der erste Tag der Leserunde hat begonnen. Ich hatte mir irgendwann heute Nachmittag das Buch geschnappt und mich in meine Leseecke im Arbeitszimmer zurückgezogen. Schon nach den ersten Seiten habe ich gemerkt, dass ich für das Buch Ruhe brauche. Ruhe gab es heute nicht wirklich, die Kinder tobten von Raum A nach B, brüllten und zickten sich an – es lag wohl etwas in der Luft – und so habe ich nach 35 Seiten Christopher Morleys »Das Haus der vergessenen Bücher« erst einmal zur Seite gelegt. Die erste Aufgabe am heutigen Tag bestand übrigens darin, ein Foto vom Leseplatz mit Buch zu zeigen. Voilà, hier saß ich also, für etwa eine halbe Stunde. Dann war es mit der Ruhe vorbei. Was ich bis dahin allerdings gelesen habe, hat mich schon auf den ersten Seiten sehr beeindruckt und mit sich gezogen: die Beschreibung der Buchhandlung Parnassus, Mifflins Eigenarten und sein Besuch – ein toller Start in den Roman.

Leserundenfrage: Wärst Du gerne Buchhändlerin/Buchhändler? Wie stellst Du Dir den Arbeitstag eines Buchhändlers vor?

Ich könnte mir das sehr gut vorstellen, weil ich Bücher liebe. Am liebsten wäre mir eine Kombination aus Buchhandlung und Café, so wie im ocelot Bookstore in Berlin. Ich würde Kunden beraten, Buchtipps zu Büchern, die ich geliebt habe, geben und auch Bücher in meinem Laden verkaufen, die abseits der Bestsellerlisten zu finden sind. Eine kreative Ecke müsste es geben, in der man Bücher rund um Kreativität finden kann und vielleicht selbst Lesezeichen anfertigen kann. Eine Kinderbuchabteilung muss es natürlich auch geben, mit gemütlichen Sitzsäcken und Hängematten, die zum Probelesen einladen. Ein Ort voller Bücher, den man mit Freude immer wieder besucht. Im Café würde man Tassen mit literarischen Sprüchen und ausgesuchte Teesorten finden, aber sicher keinen kitschigen Klimmbimm, den man auch im Kaufhaus nebenan finden kann. Es soll eine gemütliche Buchhandlung sein, die zum Verweilen einlädt, fern von Hast und Stress des Alltags.

Meine Lieblingszitate heute

Die Welt litt an geistigen Fieberzuständen […] Nun aber sind unsere seelischen Qualen allzu offensichtlich. Und so lesen wir alle, lesen gierig und gehetzt, jetzt, da wir wissen, was unseren Seelen fehlte. – Seite 12

Das sogenannte gute Buch gibt es nicht:. Ein Buch ist nur dann »gut«, wenn es menschlichen Hunger stillt oder einen menschlichen Irrtum widerlegt. – Seite 13

„Das Leben in einer Buchhandlung ist wie das Leben in einem Munitionslager. Diese Regale sind angefüllt mit dem gefährlichsten Sprengstoff der Welt – dem menschlichen Geist.“ – Seite 21

Ich habe das Gefühl, dieses Buch wird voller wunderbarer Zitate stecken, welche ich dann in meine Quoted-Sammlung aufnehmen werde! Für heute ist Schluss, das Bett ruft. Morgen ist ja auch noch ein Tag, ich werde wohl gegen Abend weiterlesen. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Samstag, 20. September, 17:43: Gelesen bis Seite 155 | 256

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„Meist sind die Bücher, die gestohlen werden, Schund, […]. Den Diebstahl eines guten Buches verüble ich niemandem“ – Seite 76

Nach einer längeren Pause, da ich einfach keine Ruhe zum Lesen fand, steige ich nun in die letzten Kapitel des ersten Leseabschnitts ein. Ich muss immer wieder schmunzeln, denn dieses Buch ist so erfüllt von schönen, wohlgeformten Sätzen und wohldurchdachten Dialogen, man möchte es einfach nur umarmen und nie wieder loslassen. Beispielsweise Morleys Art, das Mustern einer jungen Frau aus Sicht eines Mannes zu beschreiben ist einfach nur zum Niederknien schön! Die Schreibe ist dem Alter des Buches entsprechend ein wenig altmodisch, doch sehr schön zu lesen, wenn man die nötige Ruhe hat. So geht es mir jedenfalls, ich möchte mich auf das Buch einlassen und konzentrieren können. Daher bin ich heute ganz dankbar, dass die Kinder bei Schwiegereltern übernachten. Manchmal braucht Mama einfach ein wenig Stille für sich. Manchmal ist der Alltag so laut und geräuscherfüllt, dass der Geist gar nicht recht zur Ruhe kommen will, rastlos und gehetzt durch die Stunden eilt und dabei kaum Pausen einlegt. Dieses Wochenende also heißt es: Lesen. Bloggen. Genießen.

Mir gehen gleich die Buchdarts aus….

Ein wenig noch zum Buch: Ich habe gerade das fünfte Kapitel beendet und bin erstaunt, wie deutlich gerade das Handlungstempo ansteigt. Dinge geschehen, die sich im Vorfeld nur vage bis gar nicht angedeutet haben und nun doch für eine kleine Überraschung gesorgt haben. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht, denn mit dem Ende des ersten Leseabschnitts entdecke ich Elemente eines Krimis. Spannend! Bisher war das Buch von einer ruhigen Geschichte bestimmt, sehr wohlformuliert, durchzogen von Literaturtipps und Gedichten, Dialogen und Zwiegesprächen. Man merkt einfach deutlich, dass es eine Geschichte ist, die bereits vor beinahe 100 Jahren aufgeschrieben wurde und dennoch hat sie einen zeitlosen Reiz und Elemente, die bis heute nichts von ihrem Charme verloren haben. Einfach ein Genussbuch durch und durch

Leserundenfrage: Wie gehst Du mit Deinen Büchern um ? Verleihst Du sie gerne oder gar nicht?

Bücher verleihen kommt für mich nicht (mehr) in Frage, es sei denn ich kenne die Person, welcher ich mein Buch anvertraue sehr gut und weiß, dass sie selbst sehr behütet mit Büchern umgeht. Ich kann es nicht leiden, wenn Bücher dreckig werden, Eselsohren, Risse oder Leserillen wie der Mariannengraben haben. Ich achte da sehr drauf und nehme auch den Umschlag zum Lesen ab. Manchmal sieht man es einem Buch ein klein bisschen an, dass ich es gerne gelesen habe und das stört mich dann auch nicht so sehr, doch absichtlich Seiten knicken oder anstreichen würde ich nicht. Viele meiner Bücher, etwa 20-30 sind sogar signiert und allein schon deswegen möchte ich das einfach nicht. Wie handhabt ihr das?

Meine Lieblingszitate heute

Bücher sind die Reservoirs des menschlichen Geistes, und der ist das einzig Bleibende auf der Welt. Wie hat Shakespeare gesagt?
„Kein Marmorbild, kein fürstlich Monument,
soll diese mächt’gen Reime überleben.“ – Seite 49

Eine weitere Textstelle, die ich gerne zitieren würde, ist so lang, dass ich wohl Probleme mit dem Zitatrecht bekommen würde. Eigentlich umfasst das Zitat eine halbe Seite, doch ich picke mir nun einmal die Hauptaussage heraus:

Dummerweise sind Wahrheit und Lüge nicht in Schwarzweiß angelegt. Manchmal habe ich gedacht, die Wahrhaftigkeit wäre ganz von der Erde verschwunden, sagte Roger bitter. – Seite 112

Warum mir diese Textstelle so ins Auge fiel? Nun, die darauffolgende Passage drückt die Empfindungen eines Schriftstellers aus, der ein Jahr nach dem ersten Weltkrieg dieses Buch schrieb. Und was er schreibt, über unangenehme Wahrheit oder Regierungen, die selbige unterdrückten, erinnert mich in manchen Aspekten gerade sehr an aktuelle Konfliktsituationen des Jahres 2014.

Druckerschwärze und Schießpulver liefern sich seit vielen, vielen Jahren einen Wettkampf. Die Druckerschwärze ist in gewisser Weise im Nachteil, denn mit Schießpulver kann man einen Menschen in einer halben Sekunde in die Luft jagen, während man mit einem Buch manchmal zwanzig Jahre dafür braucht. Aber das Schießpulver zerstört sich zusammen mit seinem Opfer selbst, während ein Buch über Jahrhunderte hochexplosiv sein kann. – Seite 117

Samstag, 20. September, 21:30 Uhr: Gelesen bis Seite 205 | 256

Ich liebe dieses Buch schlicht und ergreifend. Ich kann es gerade nicht aus der Hand legen und genieße einen Abend einfach nur mit Buch, leiser Klaviermusik und heißem Kakao. Gerade ist mir ein herrliches Wort begegnet. Alle, die das Buch schon gelesen haben, werden jetzt genau wissen, was ich meine, wenn ich sage: Ja, auch ich bin eine Libricubicularistin. Ich bekomme gerade unbändige Lust, meinen Füller herauszukramen und einen schönen langen Brief zu schreiben. Das Buch beflügelt! :-)

Sonntag, 21. September, 09:47 Uhr: Gelesen bis Seite 256 | 256

Guten Morgen liebe Lesefreunde. Der Lesesonntag hat begonnen, draußen regnet es. Die Regentropfen plätschern leise gegen das Fenster, aus dem Kopfhörer dringt leise Klaviermusik von einem meiner liebsten Soundtracks: Hachiko. Kennt jemand von euch diesen berührenden Film mit Richard Geere? Hach… ♥

Heute beende ich das Buch und ich bin sehr gespannt auf die Auflösung. Mit meinem Guten-Morgen-Kaffee und Kapitel 13 geht es nun in den Endspurt.

Leserundenfrage: Welche Figur im Roman mögt ihr am meisten? Sticht für euch besonders heraus oder wird auch im Gedächtnis bleiben? Oder gibt es vielleicht jemanden, den ihr richtig schrecklich findet?

Achtung Spoiler!

Gerade eben habe ich das Buch zugeklappt, kurz bevor ich diese letzten Sätze im aktualisierten Leserunden-Artikel tippe. Ich bin hingerissen! Dieses Buch hat mir gezeigt, wie schön unsere Sprache sein kann, wie wohl formuliert. Literarischer Hochgenuss, von dem ich noch lange zehren werde. Ich versuche mich gleich an der Rezension, solange die Eindrücke noch frisch sind.

Bibliophile Grüße aus der Buchhandlung Parnassus sendet euch

sandra_signed

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1 Comment

  • Reply {Lesehighlight} Christopher Morley – Das Haus der vergessenen Bücher {Buchrezension} | Büchernische 21. September 2014 at 13:23

    […] ich während der Leserunde mit diesem außergewöhnlichen Buch gesammelt habe, darf sich gerne meinen aktualisierten Artikel durchlesen. Dort findet ihr auch viele schöne Zitate aus dem […]

  • Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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