Rezensionen

Tom Llewellyn – Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt {Kinderbuch-Rezension}

16. April 2014

Kindernische, März 2016

Eine schöne Wochenmitte liebe Lesefreunde,

Das Kinderbuch, das ich euch heute vorstellen möchte, birgt eine wirklich schräge (Wortwitz), spannend erzählte Geschichte hinter einem Cover, das mich buchstäblich aus den Socken gehauen hat. Ich liebe dieses Cover, ganz ehrlich! Ich könnte es stundenlang betrachten, weil es die Grundidee des Buches so farbenprächtig und innovativ wiedergibt. Hach, einfach toll. Doch nun möchte ich euch erst einmal berichten, worum es in »Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt« geht. Dieser Titel ist doch wohl der absolute Knaller, oder?

Haus 1418 ist schräg, in mehrfacher Hinsicht!

9783522183390Jacob und Charlie ziehen gemeinsam mit ihrem Großvater und ihren Eltern in Haus Nummer 1418 in der Stechpalmenstraße, einer etwas merkwürdigen Wohngegend. Haus Tilton, wie das Schild am Eingang verlauten lässt, ist ein – wie soll ich sagen – im wahrsten Sinne des Wortes schräges Zuhause: Alle Böden im Haus sind um 3° Grad geneigt und sämtliche Wände, Decken, sogar die Treppengeländer sind mit seltsamen Formeln, Gleichungen und Diagrammen übersät. Der Besitzer, ist vor kurzem verstorben, lebte sehr zurückgezogen und hat sich zuletzt nicht mehr aus seinen vier Wänden bewegt. Familie Hensley kann sich das Haus mit dem Gehalt von Vaters Museumsjob und Mutters Halbtagsjob im Schulsekretariat gerade so leisten und versucht mit ein wenig Farbe an der Außenfassade Gemütlichkeit in ihr neues Zuhause zu bringen. Doch sie sind nicht alleine. Eine Rattenfamilie beansprucht das Domizil des 70jährigen Vorbesitzers  ebenfalls für sich. Das sind jedoch keine gewöhnlichen Ratten, Papa Ratte, der auf den Namen Mr. Daga hört, kann nämlich sprechen und ist sehr erbost, als das jüngste Familienmitglied versehentlich umgebracht wird. Was erlauben sich diese Menschen, einfach in ihr Haus einzuziehen! Doch das ist nicht das einzige Unglück, welches die frisch in Haus Nr. 1418 gezogene Familie miterleben muss. Seltsame Dinge gehen vor sich, die etwas mit zwei rabenschwarzen Geiern, Unsichtbarkeit, Nachbarsmädchen Lola, Wachstumspulver und einem Schatz zu tun haben…

Traumhafter Anblick!

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Ist das nicht ein wundervoller Anblick? Ich finde dieses Cover grandios schön ♥

Seht euch dieses Cover an, das ist doch ein klarer Kandidat für meine Coverjuwelen, findet ihr nicht auch? Eine erfrischend kreative Farbkombination sowie eine sehr gelungene Kombination aus Illustration und typographischen Spielereien machen dieses Titelbild einfach perfekt. Das ist ein richtiges Schmuckstück in meinem Bücherregal und wird dort nicht nur mit seinem Buchrücken zu sehen sein. Auch die schwarz-weißen Illustrationen, welche sich oberhalb der Kapitelüberschriften befinden, sind sehr gelungen und runden den Look ab. Interessant finde ich, wie die kreativen Köpfe hinter den Verlagskulissen die zahlreichen Formeln und Phrasen auf den Wänden des Hauses typographisch hervorhoben. Beim Lesen entdeckte ich sehr oft Sätze, die durch eine feine, wie Handschrift wirkender Schriftart betont wurden und so einen zusätzlichen Blickfang bilden. Da merkt man, wieviel Liebe zum Detail in diesem Buch steckt!

Das Titelbild der englischen Hardcoverausgabe gefällt mir nicht ganz so gut. Die Farbgebung ist deutlich wärmer; die Illustrationen des englischen Covers sind schön, der Stil eher scherenschnittartig. Die kühlen Farbtöne passen meiner Meinung nach jedoch besser zum schaurigen Thema, aber das ist wie immer natürlich Geschmackssache.

Fantastische Elemente versus Wissenschaft

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Zum Vergleich: das englische Cover

Ein Sonnenstrahl schien kraftvoll durch die offene Tür und ließ die umherwirbelnden Staubteilchen aufleuchten. Als meine Augen sich an das Halbdunkel gewöhnt hatten, fiel mir etwas auf. Mit Füller und Bleistift gekritzelte Worte, Ziffern, Diagramme und Zeichnungen bedeckten die Wände, die Geländer und fast den ganzen Boden. – Seite 8

Die Hensleys müssen sich an ihr neues, ungewöhnliches Zuhause erst einmal gewöhnen. Eigentlich ist das eine ganz normale Familie, die fünf könnten deine Nachbarn sein.  Wir sprechen hier nicht von Zauberern oder Hexen. Das sind Menschen wie du und ich, mitten aus dem Leben gegriffen. Der einzige Unterschied: Sie leben eben in einem sehr seltsamen Haus, das von außen betrachtet noch nicht so auffällig erscheint, doch hinter Wänden, unter Teppichen, in engen Nischen und selbst auf dem Dachboden für einige Überraschungen sorgen wird. Und sprechende Ratten sind da noch das harmloseste Phänomen! ;-)

Eine ganz normale Familie in einem ungewöhnlichen Zuhause

Vater Hensley ist der kreative und kunstverliebte Kopf der Familie, liebt seinen Job in einem Museum, während Mama Hensley mit ihrem Halbtagsjob im Schulsekretariat ein wenig Geld zum nicht ganz so prall gefüllten Portemonnaie beisteuert. Auch die Kinder Charlie und Jacob, aus dessen Ich-Perspektive die Geschichte geschildert wird, bietet reichlich Identifikationspotential für die junge Leserschaft. Man möchte schnell Jacobs bester Freund sein, und mit ihm gemeinsam die Geheimnisse des schiefen Hauses erkunden, durch den engen Trau-dich-ganz-nach-oben-Raum im Dachgeschoss kriechen und verborgene Schätze entdecken. Oder dem Geheimnis all dieser Kritzeleien auf der Tapete auf die Spur kommen! Dabei bringt der Autor den jungen Leser auf spannende und kindgerechte Weise mit der Welt der Zeitreisen, physikalischen Gesetzmäßigkeiten und mathematischen Gleichungen ein.  Wissenschaft vermischt mit Fiktion sorgt hier für spannende Aha-Erlebnisse, die verblüffen und dafür sorgen, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Tom Llewellyn verblüfft mit seinem Ideenreichtum und ich bin wirklich gespannt, was er in Zukunft noch so aus seinem schrifstellerischen Hut zaubern wird.

Biologische akustische
Informationsübertragung.
Klang und Bedeutung.
Zungenschnalzen versus Quieken. – Seite 20

Was den Namen des Autors betrifft, musste ich meine Neugier befriedigen und habe ein wenig im Internet nachgeforscht. Dabei fand ich heraus, dass Tom einen Namensvetter namens Thomas Llewellyn hat; ein theoretischer Physiker und angewandter Mathematiker, welcher Anfang des 20. Jahrhunderts geboren wurde. Ob das ein spannender Zufall ist? Vielleicht holte sich der Autor ja hier ein wenig Inspiration für die wissenschaftlich angehauchten Aspekte des Buches?

Packend bis zur letzten Seite!

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Über jeder Kapitelüberschrift findet ihr diese fetzigen Illustrationen!

Der erfrischende, packende Erzählton nimmt junge wie erwachsene Leser einfach an die Hand und zieht sie mitten hinein in ein spannendes, gruseliges und oft sehr lustiges Abenteuer. Sympathiepunkte sammelt Familie Hensley bei mir allein schon durch den Umstand, dass sie erst einmal Buchstapel unter die Möbel legten, um die Schräge der Räume auszugleichen. Keine Sorge, den Büchern passiert dabei bestimmt nichts. Doch auch der emotionale und ernstere Teil des Plots wusste mich zu begeistern. Die Auflösung rund um Haus Tilton auf den letzten etwa 50 Seiten des Buches überrascht, bewegt und schließt die Geschichte mit einem sehr zufrieden stellenden Ende ab.

Dieses Kinderbuch ist wirklich pures Vergnügen und versetzt mich zurück in meine eigene Kindheit, als ich noch Höhlen aus Stühlen und Wolldecken baute oder Schatzkarten zeichnete. Tom Llewellyn schrieb »Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt« zwar als Standalone, doch ich könnte mir durchaus vorstellen, in weiteren spannenden Geschichten rund um Haus Nummer 1418 in der Stechpalmengasse zu schmökern. Das wollte ich genauer wissen und darum habe ich Tom Llewellyn einfach mit ein paar Fragen gelöchert. Da die Antwort noch ein wenig auf sich warten lässt, veröffentliche ich das kleine Interview etwas später separat. Ich hoffe, das klappt so wie ich es mir wünsche.


Tom Llewellyn | Das Haus, in dem es schräge Böden, sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt
Thienemann | Original: The Tilting House, Tricycle Press 2010 | 19. März 2014 | ab 10 Jahren
Hardcover, 192 Seiten | 978-3522183390 | 9,99€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Ein spannendes, schaurig-schönes Abenteuer, welches ich kurz nach dem Beenden zunächst mit vier Monsterpunkten bewerten wollte. Einen Tag später, nachdem ich es etwas sacken ließ, betrachtete ich das Cover, ließ das Gelesene noch einmal Revue passieren, erinnerte mich mit einem Schmunzeln an so manche witzige Situation und dachte an die gefühlvollen Momente, die Auflösung und das Ende, das dieses Kinderbuch einfach rundherum gelungen abschließt. Nein, dieses Buch mit seinem außergewöhnlichen Titel hat die volle Punktzahl verdient. Darum hebt das gelbe Lesemonster nun fröhlich sein Schildchen hoch und verkündet lautstark: 5 Monsterpunkte für ein tolles, ein wenig – im wahrsten Sinne des Wortes – schräges Kinderbuch, das ich euch allen wärmstens ans Herz legen möchte, großen wie kleinen Schatzsuchern!

lesemonster_5punkte

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11 Comments

  • Reply Christiane 5. November 2016 at 16:49

    Hallo Sandra. Meine Tochter ist total begeistert vom Buch“ Das Haus in dem es schräge Böden,sprechende Tiere und Wachstumspulver gibt „.
    Sie möchte das Buch gern in der Schule vorstellen. Dafür benötigt sie aber noch einige Informationen über der der Autor Tom Llewellyn. Leider gibt es im Internet nicht so viele davon.
    Entweder hält sich der Autor sehr bedeckt oder die angebotenen Seiten sind auf Englisch, welches bei mir nicht besonders gut ist.
    Wir benötigen z.B. das Geburtsdatum, den Geburtsort und evtl Preise bzw Auszeichnung die er bekommen hat.
    Falls Sie uns helfen könnten,wären wir Ihnen sehr dankbar.
    LG Sieger

    • Reply Sandra 19. November 2016 at 19:41

      Liebe Christiane,

      wenn ich mir das Datum deines Kommentars ansehe, denke ich mal, dass meine Antwort zu spät kommt. Ich war eine ganze Weile in einer Pause, seit heute blogge ich wieder und beantworte Kommetare. Über Tom Llewellyn findet man tatsächlich nicht ganz so leicht Informationen. Derlei Daten kann ich dir leider auch nicht sagen, da ich sie ebenfalls nicht im Netz finde. Ich kenne seinen Blog, doch dort wird man auch nicht viel schlauer werden. Auf den Verlagswebseiten findet man eine kurz angerissene Biografie, das ist aber auch schon alles. Er hat offenbar in Seattle studiert, hat als Journalist und Ghostwriter gearbeitet und lebt nun in Tacoma, Washington.

      Das Buch ist übrigens wirklich toll, da hat das Töchterlein ganz recht :-)

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Tom Llewellyn 7. Juli 2014 at 02:08

    Hello Sandra –

    I apologize that I do not speak (or write) much Deutsch. But I would like to thank you personally for your blog post. I also bery much like the Deutsch cover, although I am also a big fan of my English version illustrator, Sarah Watts, as well.

    I would be happy to answer any questions you may have, if you are willing to translate them for your readers.

    Ciao,

    Tom Llewellyn

    • Reply Sandra 7. Juli 2014 at 11:55

      Dear Tom,

      soooo pleased to read your words! I found your comment in my spam, I’m so sorry. Sure, it would be awesome to ask you some questions about your book and your work. I will publish your english answers and the german translation as well. I’ll write you my mail once again. I really, really enjoyed the story ♥ how exciting! :-)

      Many greetings!
      Sandra

  • Reply Sandra 7. Juni 2014 at 02:20

    Wow, das Buch sieht ja richtig toll aus!
    Und deine Rezension hat mich jetzt echt neugierig gemacht – das wandert gleich mal auf meine Wunschliste :)

    Liebe Grüße
    Sandra

    • Reply Sandra 7. Juni 2014 at 11:55

      Wie schön, das freut mich sehr! ♥ ich kann es auch wirklich empfehlen, nicht nur aufgrund seines schicken Covers. Der Inhalt hat ebenfalls überzeugt :-)

      Liebe sonnige Grüße
      Sandra

  • Reply das A&O 19. April 2014 at 18:20

    Meiner Meinung nach, hält das kinderlos sein ja nicht vom Lesen und Bestaunen von Kinder- und Jugendliteratur ab. Mich bestimmt nie ;) Würde dann aber wahrscheinlich zur englischen Ausgabe greifen (das deutsche Cover habe ich allerdings auch schon ausgiebig in einer Buchhandlung bewundert. Das sticht mal heraus und sucht seinesgleichen!). Nicht, weil man den Titel in einem Atemzug sagen kann, statt in dreien ;) Originalausgaben haben die größere Anziehungskraft. Also drücke ich die Daumen, dass der Autor die deine Fragen bald beantworten wird!

    Buchstabenbunte Grüße
    von das A&O

    P.S.: Deine Lesemonsterpunkte sind übrigens entzückend! Mein Kommentar auf der Buchmesse bezieht sich vielmehr auf Wölkchen- und Sternchen-Blogs, die ihre Meinung first and foremost durch diese Bewertung ausdrücken. Eben -chen ;)

  • Reply Heike 17. April 2014 at 13:49

    Und ab auf die Wunschliste damit. Ich finde das deutsche Cover tatsächlich auch schöner als das englische, kommt ja selten vor. (:

    • Reply Sandra 17. April 2014 at 21:15

      Ich hatte bisher sehr oft Bücher, deren deutsches Cover mit dem Original ganz gut mithalten konnte, aber es gab auch schon Ausnahmen. Die deutschen Verlage haben oft ihren ganz eigenen Stil, der nicht immer überall gut ankommt. Wenn ich dan z.B. an Tahereh Mafis Bücher denke, das hätte der deutsche Verlag ruhig so übernehnen können, sah wunderschön aus. Aber vielleicht wäre das für deutsche Leser zu kitschig, zu grell, zu bunt gewesen. Vielleicht dachte man, die Zielgruppe hätte das dann nicht zuordnen können.

      Hier gefiel mir das deutsche Cover wirklich um Längen besser ;-)

      Viel Freude mit dem schrägen Haus, sobald du es liest!

      Liebe Lesegrüße und frohe Ostern ♥
      Sandra

  • Reply Deborah 16. April 2014 at 16:25

    Wow – zu diesem Kinderbuch würde ich sicher, wenn ich schon Kinder hätte, greifen. Allein schon wegen den tollen Illustrationen! Da merkt man richtig, dass viel Liebe reingesteckt und nicht nur ein schnelles Bildchen hingeklatscht wurde. Da fühlt man sich als Erwachsener doch geradezu hingezogen es zu kaufen. Auch die Geschichte klingt wirklich süß und interessant. Übrigens, super goldig, deine Monsterpunkte ♥
    Liebste Grüße,
    Deborah

    • Reply Sandra 16. April 2014 at 19:00

      Liebe Deborah :-)

      ohja, das dachte ich mir auch sofort, als ich das Buch zum ersten Mal sah. Die Monsterpunkte werden demnächst noch einmal überarbeitet, bisher gibt es ja nur drei aber ich brauche eigentlich 5 :-)

      Liebe Lesegrüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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