Rezensionen

Sebastian Fitzek & Michael Tsokos – Abgeschnitten {Buchrezension}

8. Oktober 2012

Liebe Thrillerfans,

ein spannender Thriller eines Autorenduos ist Gegenstand meiner heutigen Rezension. Sebastian Fitzek & Michael Tsokos haben erstmalig für ein Buch zusammengearbeitet, beide sind in ihrem Genre sehr erfolgreich, der eine zählt zu den bekanntesten und besten Thrillerautoren Deutschlands, der andere ist der bekannteste Rechtsmediziner Deutschlands und ebenfalls bereits Autor mehrerer Bücher. Beide schwimmen auf einer Wellenlänge, weswegen das »Fitzkos«-Duo, wie Sebastian Fitzek die Zusammenarbeit während des Livestreams auf lovelybooks.de so treffend betitelte, dafür prädestiniert war, einen richtig guten, blutigen Thriller zu liefern. Das ist ihnen auch durchaus gelungen, durchaus.. bis das Ende von »Abgeschnitten« seine ein wenig enttäuschend-kalten Finger nach mir ausstreckte…

Kurz zusammengefasst: Worum geht es?

Fitzek & Tsokos - AbgeschnittenPaul Herzfeld, seines Zeichens Rechtsmediziner, findet im Kopf einer übel zugerichteten Leiche eine Telefonnummer. Es ist die Telefonnummer seiner Tochter Hannah! Sie wurde entführt und Herzfeld begibt sich auf eine Hetzjagd nach dem psychopatischen Entführer, der nach und nach immer mehr Hinweise verstreut, als ob er eine Schnitzeljagd veranstalten wollte. Eine weitere Leiche befindet sich auf Helgoland, doch dort wütet gerade ein Orkan, so dass die Nordseeinsel evakuiert werden musste. Nur wenige Menschen sind geblieben, darunter Comiczeichnerin Linda. Sie findet eine Leiche am Strand. Ob das die Leiche ist, die der Täter präpariert hat? Herzfeld muss es wissen und bittet die junge Frau über das Telefon, die Leiche zu obduzieren…

Explosiver Start…

Dieser Thriller hat eigentlich alles, was ein Buch dieses Genres haben muss, um mich zu fesseln. Er ist im typischen Fitzekstyle geschrieben, temporeich – spannend – kurze Kapitel – hohe, gleichbleibend starke Spannungskurve. Die Cliffhänger am Ende der Kapitel, welche mir unbändige Lust aufs Weiterlesen machten, sind gekonnt plaziert und ich wollte das Buch kaum aus der Hand legen. Ich habe es auch in recht schnellem Tempo gelesen, aber nicht an einem Abend beendet wie »Der Augenjäger« oder »Der Augensammler«.

Der Schreibstil ist fesselnd und atemraubend. Die Autopsieszenen waren grauenvoll – ich musste wirklich schlucken – und man merkte sofort, dass hier ein Experte mit seinem Fachwissen den Autor beim Schreiben unterstützt hat. Tsokos Erfahrung als Rechtsmediziner spürt man auf vielen Seiten und viele Szenen sind teilweise so widerwärtig und bildgewaltig blutig beschrieben, dass mir der Atem stockte und ich das Buch für kurze Zeit sinken ließ.

Man ahnt förmlich, wie sich die Puzzleteilchen zusammenfügen, wird dann aber doch wieder nach gewohnter Fitzekmanier aufs Glatteis geführt und sitzt mit offen stehendem Mund da.. „Hoppla, damit hätte ich jetzt aber wirklich nicht gerechnet!“ dachte ich mir desöfteren. Ich wünschte, das wäre bis zur allerletzten Seite geblieben, denn das Team »Fitzkos« hat gute Arbeit geleistet und ein spannungsgeladenes Stück Thriller-Geschichte geschrieben… bis zu einem gewissen Punkt: dem Ende. Der mich persönlich doch enttäuschende und für ein Buch so wichtige Schluss hat mich wenig überrascht, dafür umso mehr Fragezeichen in meinem Kopf verursacht. Wie jetzt, so lapidar hört das auf? So gespannt sich der blutige, teilweise großes Entsetzen hervorrufende Spannungsfaden durch die Handlung zog, so abrupt riss er dann ab und hing lose herum. Es tut mir wirklich leid Herr Fitzek, aber das Ende gefiel mir nicht, und das sage ich als Fan dieses Autors, dem die bereits erwähnten Bücher sowie der mittlerweile verfilmte Psychothriller »Das Kind« unglaublich gut gefallen haben. Diese Bücher waren genauso rasant, spannend geschrieben und wiesen eine sehr überzeugende Charakterzeichnung auf, aber sie veranlassten mich dazu, am Ende das Buch lautstark zu zu klappen, zufrieden fünf Sterne zu vergeben und sich unbändig auf das nächste Werk zu freuen. Dieses Mal aber sieht es anders aus, natürlich freue ich mich auf viele, weitere Bücher meines Lieblingsautors, an diesem Status hat sich auch nichts geändert. Aber ich blicke nun doch mit Enttäuschung auf das zugeklappte Buch mit seinem wirklich gelungenen Cover, der Rasierklinge, die selbst den Titel des Buches durchtrennt. So zwiegespalten sieht es auch gerade in meiner Leserseele aus, denn ich schwanke hin und her, wie ich »Abgeschnitten« nun bewerten soll.

Wirklich gut gefällt mir der Schauplatz des Buches: Große Teile spielen neben Berlin auch in Helgoland, ein düsteres vom Orkan gepeitschtes Helgoland, abgeschnitten von der Außenwelt. Fitzek & Tsokos schaffen es vortrefflich, die Atmosphäre der Insel rüberzubringen, mitsamt der Beklemmung die einen überfällt, wenn man bedenkt, dass die Charaktere nicht von der Insel herunterkommen können, dort sozusagen „eingesperrt“ sind. Was mir ebenfalls gut gefiel, war die Charakterzeichnung Lindas, einer mutigen Comiczeichnerin, die sich auf Horrorcomics anstatt Mädchenheftchen spezialisiert hat. Eine tolle Idee, wie ich finde, zumal auf diese Person bereits sehr imposant in den Motioncomics, die der Verlag vor Veröffentlichung des Buches eindrucksvoll präsentierte, vorgestellt wurde. Eine etwas andere Marketingstrategie, verbunden mit viel Kreativität, so etwas gefällt mir.

Ein paar kleinere Logikfehler im Charakterbild sind mir ebenfalls aufgefallen, darunter zum Beispiel eine Szene, bei der ich mich fragte, warum sich die Protagonistin denn nicht im Raum umsah, obwohl es für mich als Leser ziemlich offensichtlich war, dass dort Gefahr lauern könnte. Dieses leichtsinnige Verhalten Lindas, der Comiczeichnerin war einer der Kritikpunkte, der mir aufgefallen waren. Aber was war das für ein Ende? Keine nennenswerte Überraschung, keine Wendung, die mich „Ohhhh!“ oder „Wie bitte?!“ rufen ließ, wie es sonst der Fall war. Da wäre mehr drin gewesen. Alles in allem muss ich aber resümieren, dass der Thriller mir dennoch auf weitester Strecke so gut gefiel, dass drei Sterne einfach zu wenig gewesen wären. Trotz des auf mich banal wirkenden Endes hat »Abgeschnitten« vier Leseherzen verdient! Ich bin vielleicht schon ein wenig zu abgehärtet und erwarte den Showdown der Zeitalter *lach*

Ich möchte auch noch ein wenig zur Message des Buches schreiben, denn diese übt ziemlich harsche Kritik am Rechtssystem, welches Mördern & Kinderschändern nach kurzem Gefängnisaufenthalt in die unverdiente Freiheit entlässt und somit neue Opfer fordert während Steuerhinterzug mit horrenden Strafen hinter schwedischen Gardinen geahndet werden. Das entbehrt jeder Grundlage meines Gerechtigkeitssinns, das macht wütend, lässt protestieren und mahnt, dass dies nicht der Grundgedanke eines Justizsystems sein kann. Gerade mich als Mutter macht dieses Thema unglaublich wütend, es schreit gerade zu nach Reform, Verbesserung, nach Nachdenken und Umstrukturierung von Gesetzen. Ein Gedanke sollte in dieser Zeit in unseren Köpfen schwelen:

Unsere Kinder sind unsere Zukunft, und sie sollten geschützt werden, um jeden Preis!


Sebastian Fitzek & Michael Tsokos | Abgeschnitten
Droemer Verlag | 26.09.2012
Hardcover, 400 Seiten | 9783426199268 | 19,99€
zum Taschenbuchausgabe beim Verlag


Mein Fazit: Ein guter, blutiger Thriller, der mehr Potential für einen besseres Ende gehabt hätte, mich aber dennoch fesselte und mich nicht davon abhält, das Buch weiterzuempfehlen! 

Meine Wertung:

4of5

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9 Comments

  • Reply Nelly 28. April 2015 at 18:27

    Huhu, ich hoffe, du hast nichts dagegen, dass ich deine Rezi auf meinem Blog verlinkt habe :)

    Viele liebe Grüße und genieß deine verkürzte Woche
    Nelly von Nellys Leseecke

  • Reply Tamara 5. Februar 2013 at 14:53

    Hey Sandra,

    eine wirklich GANZ TOLLE Rezension hast du da geschrieben! Ich habe dir jedes Wort geglaubt. Du hast die Rezension so detailliert geschrieben, ohne jedoch zuviel zu verraten.

    Meine Neugier ist auf dieses Buch schon lange geweckt und schlummert auch schon einige Zeit auf der Wunschliste! Ich hoffe, es wird demnächst bei mir eintreffen!

    Ich konnte mich übrigens noch nie richtig zu Fitzek durchschlagen, trotz der vielen guten Bewertungen. Ich weiß auch nicht woran das liegt. Ich habe „der Augensammler“, „der Augenjäger“ und „Spitter“ hier liegen, aber irgendwie greife ich nie dazu. Schon einige Jahre her, da habe ich mal in „Die Therapie“ reingelesen und es hat mir gar nicht gefallen. Vielleicht liegt es daran. Aber überwiegend positive Meinungen, da muss es doch auch mir gefallen ?!?!

    Naja, vielleicht werden Fitzek und ich irgendwann noch miteinander warm.

    Herzliche Grüße
    Tamara

    • Reply Buechernische 5. Februar 2013 at 15:02

      Huhu liebe Tamara,

      das ist klasse, dass dich die Rezension so anspricht! Ich denke, der neue Fitzek oder vielmehr Fitzkos ist ein Buch, das sich ein wenig von den anderen Fitzek-Büchern abhebt. Es ist auch etwas anders geschrieben, klar. Die Einflüsse zweier Autoren bestimmten die Handlung, anders als bei Fitzeks „Augensammler“ oder „Das Kind“, beides hervorragende Bücher übrigens :) ich denke, einfach mal einen Fitzek lesen, er beißt nicht g* und gehört zu meinen Lieblingsautoren.

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Abgeschnitten von Fitzek und Tsokos [Rezension] | kapri_ziös 8. November 2012 at 21:39

    […] etwas kürzertreten, aber das war es definitiv wert. Zu guter Letzt hat Sandra von der Büchernische auch noch vom Buch berichtet. Da konnte ich nicht anders und war so dreist, dass ich beim Verlag […]

  • Reply Gelesen, genossen & zugeklappt – Resumé Oktober 2012 – Die Büchernische 3. November 2012 at 07:39

    […] Highlight des Monats sollte der neue Thriller von Sebastian Fitzek & Michael Tsokos »Abgeschnitten« werden, der nur haarscharf an einer Drei-Herzen-Bewertung vorbeischrammte. Das Ende des […]

  • Reply adina 9. Oktober 2012 at 19:59

    halli hallo! =]

    habe mich rieesig über deinen kommentar & deine anfrage auf goodrieds gefreut! hat mir den tag versüßt! =)

    es freut mich sehr, dass dir mein blog gefällt. er ist ja noch recht klein, doch ich hoffe er wächst mit der zeit! (der to-read – stapel auf meinem nachttisch tut es auf jeden fall.. da hab ich noch was vor mir^^)

    dein blog gefällt mir wirklich gut (direkt mal in bloglovin gepackt!) er ist so umfangreich ich werd jetzt erst mal weiter stöbern! =]

    auf bald!

    liebe grüße,
    adina

    • Reply Buechernische 10. Oktober 2012 at 16:14

      Hallo liebe Adina!

      das habe ich gern gemacht und war absolut und rundherum ehrlich gemeint ;-) dafür, dass der Blog noch recht klein ist, hat er aber schon einiges zu bieten! Mach weiter so!

      Liebe Lesegrüße
      Sandra

  • Reply Antje 9. Oktober 2012 at 12:51

    Ich habe bisher einen Fitzek-Krimi gelesen und war wahnsinnig enttäuscht davon. Man muss ja zum Glück nicht alles mögen. :) Aber deine Rezension lässt mir schon ein wenig Zweifel aufkommen, ob ich nicht einfach auch zu viel erwartet hatte. Probiere ich vielleicht doch mal den neuen Thriller? Deine Meinung ist ja auf jeden Fall eine sehr positive (bis auf das Ende). :)
    Liebe Grüße!

    • Reply Buechernische 10. Oktober 2012 at 16:15

      Ich bin eigentlich ein überzeugter Fitzekfan, das was ich bisher gelesen habe gefiel mir ausgesprochen gut, daher überraschte mich meine Enttäuschung auch ein wenig. Nichts destotrotz denke ich einfach, je länger und öfter man liest, desto höher legt man nach einer Weile die Messlatte für „ein richtig gutes Buch“ beziehungsweise die volle Wertungspunktzahl. Schnapp dir den neuen Fitzek einfach mal und mal sehen, wie du das empfindest ;-)

      Liebe Grüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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