Rezensionen

Roland Smith – Jagd in der Tiefsee {Kinderbuch-Rezension}

4. August 2013

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Liebe Freunde spannender Abenteuer,

ich erinnere mich noch gut an meine Grundschulzeit. Ich war Feuer & Flamme für alles, was mit dem Meer und seiner Erforschung zu tun hatte: die Vielfalt der Ozeane, Tiefseegräben, Forscher wie Vertikalprofessor August Piccards und sein Tiefseeboot »Triest«, mit welchem er den Mariannengraben erforschte. Geheimnisvolle Wesen, die in völliger Dunkelheit ihren Weg zum Überleben gefunden hatten – fasziniert sah ich mir jeden Film an, der sich mit dem nassen Element und seiner Flora und Fauna beschäftigte; schnell war ein Berufswunsch gefunden: Meeresbiologin. Heute, knapp 30 Jahre später, tauche ich zwar nicht nach unentdeckten Fischarten oder jage einen Riesenkalmar, doch meine Freude am Meer und der damit verbundene Wissensdurst sind nach wie vor uneingeschränkt vorhanden. Als ich dann den Klappentext von Roland Smiths »Jagd in die Tiefsee« aus dem Chickenhouse Deutschland Verlag (Carlsen Imprint) las, wusste ich sofort: „Das musst du unbedingt lesen!“

Gefahr über & unter der Wasseroberfläche!

jagd in der tiefseeMarty, sein Freund Luther und seine Cousine Grace können es kaum erwarten, als Travis Wolfe Pläne für eine neue Forschungsexpedition in den Südpazifik offenbart. Nachdem sie schon im Kongo gemeinsame Abenteuer bestanden haben, geht es nun von der Insel Cryptos aus in die Tiefen des Ozeans, auf der Suche nach einem Riesenkalmar. Eben jener soll dem angeschlagenen eWolfe Konzern wieder auf die Beine helfen, doch irgendjemand scheint alles daran zu setzen, jeglichen Erfolg dieser Expedition zu vereiteln. Die Gefahr lauert nicht nur unter Wasser…

Ein Blick in den Abgrund

Während wir uns im ersten Band durch den grünen Dschungel des Kongo durchschlugen, tauchen wir im zweiten Band der Reihe in die blauen Tiefen des Meeres ein – unergründliche Tiefen mit rätselhaften Wesen. Nur ein Bruchteil aller Weltmeere wurde bisher erforscht. Welche Kreaturen verbergen sich dort unten auf dem Meeresgrund? Welche Riesen durchpflügen die dunklen Tiefen? Auf dem Cover bekommen wir schon einmal einen kleinen Vorgeschmack, auf welche Reise uns das Buch führen wird: die Tentakel eines Kraken schlängelt sich zwischen den Steinen hervor, Sonnenlicht fällt aus den lichtdurchfluteten Wasserschichten auf die riesigen Saugnäpfe. Es spielt dabei keine Rolle, ob in den Lebensraum eines Riesenkalmars Tageslicht dringt oder nicht. Mich zog der Anblick der Unterwasserwelt jedenfalls sofort magisch an und machte Appetit auf ein spannendes Abenteuer im Ozean.

Alle großen Erfindungen sind eine Synthese von Dingen, die bereits seit Ewigkeiten in der Natur existieren. – Seite 223

Dieses Buch ist Abenteuer pur, auf jeder einzelnen Seite. Nach einer kurzen Einführung zum Thema Kryptozoologie – dem Leitthema des Plots -, tauchte ich augenblicklich in die Geschichte ein. Ich ließ mich von den Strömungen der mitreißenden Story treiben, obgleich ich den Vorgängerband der Serie »Cryptos« – welcher übrigens im Dschungel des Kongo spielt -, (noch) nicht vollständig durchgelesen habe. Das fehlende Vorwissen zum ersten Band glich Roland Smith mit ausreichend Informationen rund um die Charaktere und deren Vorgeschichte aus, welche geschickt in den Plot gestreut wurden. So erfahren wir nach und nach ausführliche Details über die Beziehungen der Protagonisten zueinander, bekommen einen Einblick in die Familiengeschichte und werden zudem auf einen weiteren Handlungsstrang vorbereitet, welcher dann wohl im dritten Band weiter thematisiert werden könnte. Smith schaffte es, dass ich mich den Figuren wirklich verbunden fühlte, mit ihnen bangte und höchst aufmerksam ihre Reise verfolgte. Nachdem mich die Jagd nach dem Riesenkranken so fasziniert hat, habe ich mir umgehend den Ausflug in den heißen Dschungel namens »Jagd nach den Schattenwesen« {Carlsen, Februar 2012} gekauft und bin bisher sehr angetan von Martys & Grace‘ beschwerlichen Weg durch die grüne Hölle.

Junge Helden

Roland Smith schreibt intensiv, geizt dabei nicht mit Details rund um die Meeresbiologie und begeisterte mich dabei mit viel Hintergrundinformationen zu diesem absolut faszinierendem Lebensraum. Das mag manchem Leser zuviel Informationsinput sein, ich empfand es als gelungene Mischung aus Wissenschaft und abenteuerlicher Unterhaltung. Stellenweise verspürte ich wirklich den Wunsch, mich sogleich in eine Tauchausrüstung zu werfen und selbst ins Meer zu springen. Der Autor nimmt den Leser mit auf eine rundherum spannende Reise, langweilt dabei zu keiner Sekunde und punktet mit hervorragend ausgearbeiteten Protagonisten. Die Hauptfiguren sind zwischen 12- und 13 Jahren alt. Des Öfteren haben sie mich mit ihrer humorvollen Art zum schmunzeln gebracht. Mit ihren pfiffigen und intelligenten Einfällen bieten sie ausreichend Identifikationspotential für die Zielgruppe der 11 bis 14jährigen Leser, konnten aber auch mich als erwachsenen Leser für sich begeistern. Die jungen Helden ließen Erwachsene oft mit Staunen und heruntergeklapptem Unterkiefer ungläubig und stellenweise recht trottelig dastehen. Mit cleveren Ideen im Gepäck vermittelt Roland Smith so gerade dem jungen Leser das Gefühl, dass die Welt, die sich vor ihren Augen eröffnet, unendlich viele Möglichkeiten bietet. Einzig der Wille, seine Träume verwirklichen und seinen eigenen Weg finden zu wollen, muss im Geiste vorhanden sein, dann stehen die Tore zur Selbstverwirklichung weit offen. Marty und seine Cousine Grace leben ein Leben, das abenteuerlicher und spannender nicht sein könnte. Wer hat denn schon die Gelegenheit, an Bord eines Forschungsschiffs über den Ozean zu kreuzen und Jagd auf einen Mythos zu machen? Mit »Jagd in der Tiefsee« dürfen auch du und ich in das Abenteuer Ozean eintauchen und die rätselhaftenTiefen erforschen.

Wenn die Leute mich so, wie ich bin, nicht ernst nehmen, dann werden sie mich so, wie ich nicht bin, erst recht nicht ernst nehmen, war seine [Anm. der R.: Luthers] Begründung. – Seite 76

Die Natur als Vorbild

Von der Natur abgeguckt: Der Lotuseffekt – Foto by © William Thielicke Website via Wikimedia Commons

Die Plotidee ist hervorragend! Wenngleich nicht neu, schafft der Autor es durch eine wirklich gelungene Aufarbeitung des Themas neue Impulse zu setzen, welche insbesondere bei jüngeren Lesern Interesse an der Wissenschaft wecken wird. Die Existenz von Riesenkalmaren stellt die Forscher auf der ganzen Welt nach wie vor auf die Probe, denn bisher konnten nur wenige angeschwemmte Kadaver und einige kleinere gefangene Exemplare die Existenz dieser furchteinflößender Wesen mehr oder weniger beweisen. Auch die Tatsache, dass sich Pottwale und Riesenkalmare offenbar erbitterte Kämpfe um Revier und Nahrung leisten, konnte anhand von Saugnapfabdrücken auf den Walen vermutet werden. Roland Smith hat wirklich umfassend recherchiert und konstruiert aus diesem Wissen eine abenteuerliche Jagd mitten ins Revier der Riesen.

Zudem hat er sich intensive Gedanken darüber gemacht, wie das Einfangen dieses Tiefseebewohners in die Tat umgesetzt werden könnte und lässt sich dafür interessante, etwas futuristisch und nach Science-Fiction klingende  Lösungsansätze einfallen. Diese entspringen zwar der Phantasie des Autors, könnten jedoch in Zukunft durchaus im Rahmen des Möglichen liegen. Von neuartigen Materialien, Molekül-Disruptoren und Hightech-Tauchanzügen ist da die Rede, inspiriert von in der Natur bereits vorhandenen Konstrukten. Es ist kein Geheimnis, dass sich insbesondere die Bionik die Natur als Vorbild nimmt, man denke dabei an den Lotuseffekt, den Klettverschluss oder die von der Haifischhaut nachgeahmte Oberflächenstruktur von Folien. Aus dieser Grundidee ließ Roland Smith seine Buchcharaktere eigene Ideen verwirklichen und eröffnet dem Leser damit den spannenden Weg in diesen Forschungszweig. Auch die Kybernetik macht sich der Autor zu Nutze und lässt beispielsweise Maschinen in zarter Libellengestalt von den Händen der jungen Nachwuchsforscher steuern.

Kalmare waren Jäger, die es verstanden, quasi aus dem Nichts zuzuschlagen, überraschend und erbarmungslos, genauso wie er selbst. – Seite 182

Informationen zur Reihe:

→ #1 Jagd nach den Schattenwesen
→ #2 Jagd in der Tiefsee


Roland Smith | Jagd in der Tiefsee
Chickenhouse Deutschland | 25. Juni 2013 | ab 11 Jahren
Reihe: Cryptos, Buch II
Hardcover, 416 Seiten | 978-3551520265 | 19,99€
zum Buch beim Verlag


Mein FazitEin rundherum gelungenes Abenteuer über und unter der Wasseroberfläche, das einen mitreißt und von der ersten bis zur letzten Seite mit interessanten, gewitzten jungen Helden und einer gut recherchierten Geschichte für spannende Unterhaltung sorgt. Die hervorragend konzipierten Technologien, die der Autor seinen Charakteren in die Hand gibt, sind außerordentlich stimmig und werden die Zielgruppe der 11 bis 14jährigen Leser begeistern, ohne sie zu überfordern. Ein Muss für jeden Fan der Meeresforschung, ein Buch für Jungen und Mädchen gleichermaßen, ein Abenteuer für Jung‘ und Junggebliebene!

Meine Wertung:
lesemonster_5punkte

 

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5 Comments

  • Reply {Montagsfrage} Euer liebstes Sommerbuch @libromanie | Büchernische 17. Juni 2014 at 13:03

    […] »Jagd in der Tiefsee« von Roland Smith hat uns letztes Jahr in den Sommerferien begleitet, und nicht nur die Mama begeistert. »Linnéa im Garten des Malers« ist mein liebstes Buch aus meiner Kindheit. Noch heute denke ich gerne daran zurück, als ich mit Linnéa im Garten auf der Wiese lag und literarisch durch Monets Seerosengarten lief. Thomas Thiemeyers »Die Stadt der Regenfresser« ist der abenteuerliche Auftakt seiner Weltensucherchroniken und auch dieses Buch ist uns das perfekte Ferienbuch. Im Moment liest sie aber auch sehr gerne Mädchenromane à la Kerstin Gier. Alexander Rothes »Die Wunschmaschine« liegt derzeit auf dem Nachttisch neben den Weltensucherchroniken und begeistert Tochterkind mit seinen tollen Zeichnungen und witziger Story. […]

  • Reply {Nischenpost #27} Querbeet durch die Genres | Büchernische 25. Februar 2014 at 17:02

    […] nach den Schattenwesen« zu, dem Vorgänger der abenteuerlichen Reise in die Tiefsee namens »Jagd in der Tiefsee«, welche ich in der Kindernische bereits letztes Jahr besprochen hatte: Die Reihe aus dem […]

  • Reply Ruby 5. September 2013 at 20:03

    Hey,

    auch hier wieder eine bezaubernde Rezension. Da bekommt man einfach Lust auf das Buch, wobei ich glaube das ist jetzt nicht ganz so meins. Aber dennoch, man ist irgendwie durch deine Schreibweise im Buch drinnen auch wenn man nichts über den genauen Inhalt erfährt.
    Ich bin begeistert. :)

    Lieben Gruß,
    Ruby

  • Reply Kora 7. August 2013 at 15:48

    Mit deiner reichlich ausgeschmückten Rezension lädst du uns Leser auf jeden Fall zu einer Expedition in die unergründlichen Tiefen des Ozeans ein. Obgleich ich das Buch (noch) nicht kenne, setzt du hervorragend Akzente, die erahnen lassen, mit welcher Stärke jene Geschichte daherkommt.

    Herzige Sommergrüße,
    Kora

  • Reply {Behind the Scenes} Grüße aus dem Off! | Büchernische 7. August 2013 at 11:26

    […] immer noch den ersten Band der Cryptos-Reihe, da mir der zweite bereits rezensierte Band »Jagd in der Tiefsee« so gut gefallen hat! Ein richtig toller Schmöker für Abenteuerfans! Die nächste Leserunde bei […]

  • Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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