Rezensionen

{Klassiker} Patrick Süßkind – Das Parfum {Buchrezension}

29. Juli 2012

Liebe Leser,

heute möchte ich mit euch über einen Klassiker sprechen, der mich sehr fasziniert hat. »Das Parfum« war mir schon lange bevor der Film in die Kinos kam, ein Begriff. Ich bekam es in meiner Schulzeit als Schullektüre in die Hand gedrückt und – wie es ja meistens so ist – denkt man erst einmal „Uff, wieder eine Lektüre, die man mit Ach und Krach durchgelesen bekommt„. Nein, nicht bei diesem Roman.

Ich hatte das Buch beendet, lange bevor wir im Unterricht gemeinsam Textpassagen markiert, analysiert und wieder und wieder durchdiskutiert hatten. Das ist nun etwa rund 20 Jahre her und ich möchte versuchen, meine Eindrücke zu diesem Roman zu digitalem Papier zu bringen.

Das Parfüm, Patrick Süßkind, Diogenes Verlag

Mord in der Provence

Patrick Süßkinds Roman spielt in Frankreich, beginnend inmitten der stinkenden Großstadt Paris. Der Protagonist, Jean Baptiste Grenouille wird dort geboren. Er ist ein außergewöhnliches Kind mit einer außergewöhnlichen Begabung: Er saugt Gerüche förmlich in sich ein, speichert sie und kann sie jedem nur erdenklichen Gegenstand zuordnen. Er kann den feinen Geruch von Dingen unterscheiden, die für normale Menschen gar keinen Geruch besitzen. Als Mensch ohne eigenen Geruch ist er ein Außenseiter seiner Umwelt und wird als solcher selbst von seiner Mutter verstoßen, welche versucht ihn zu ermorden. Nach einer harten Kindheit, lebensgefährliche Arbeit verrichtend, beschließt Grenouille sein Potential zu nutzen und der größte Parfumeur aller Zeiten zu werden. Dieses Vorhaben lässt ihn zum Mörder werden…

Patrick Süßkind – dieser Name war mir nicht geläufig, bis wir eines Tages im Deutschunterricht unsere aktuelle Schullektüre vorgestellt bekamen. Dem ersten genervten Seufzen folgte nach den ersten Seiten ein überraschend gutes Gefühl, denn was ich las, gefiel mir. Süßkinds Roman vereint verschiedene Erzählstile in sich, beschreibt Farben und Düfte, deren Welt wir in diesem Ausmaß gar nicht ermessen können. Doch nicht nur seine farbige Schreibe, auch das Wesen des Protagonisten fesselte mich von Anfang an.

Süßkind hat eine zerstörerische, gefährliche Außenseiterfigur erschaffen. Jean Baptiste Grenouille wird inmitten der dreckigen Straßen im Paris des Jahres 1738 geboren, doch er wird niemals die Liebe seiner Mutter spüren. Sie bringt ihn auf einem Schlachttisch zur Welt und lässt ihn schließlich einfach liegen. Lieblos zurückgestoßen, solch ein Erlebnis grub sich höchstwahrscheinlich tief in seinem Unterbewusstsein hinein. Im Laufe seines Lebens wird aus dem eigenartigen, unscheinbaren Jungen, der um sein nacktes Überleben kämpfen musste, ein obsessives Monster. Ein Monster, das Frauen kaltblütig ermordet, weil er von deren Geruch fasziniert ist.

Anfangs empfand ich sogar Mitleid für das ausgestoßene Kind in ihm, doch später erschauderte ich nur noch ob der Gefühllosigkeit des Mörders, der nur nach dem Geruch der Menschen trachtet, um das eine perfekte Parfum zu erschaffen. Stunde um Stunde verging, ich vergaß die Zeit um mich herum, während meine Finger Seite um Seite umblätterten. Selbst so manche langatmige Passage konnte meine Faszination für Süßkinds Werk, das immer tiefer in menschlichen Abgründen wühlte, nicht bremsen.


Patrick Süßkind | Das Parfum
Diogenes Verlag | Juni 1994 | historischer Roman
Taschenbuch, 336 Seiten | 978-3-257-22800-7 | 10,90€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Ein Klassiker der Literatur, der mir ausgesprochen gut gefallen hat. Wirklich empfehlenswert. Bestenfalls sollte man das Buch vor der Verfilmung lesen, die, wie ich finde, ebenfalls sehr gelungen ist, wenngleich der Film nicht vollständig in die Tiefe von Grenouilles Welt abtauchen kann. 

Meine Wertung:
5of5

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10 Comments

  • Reply Beatrix Petrikowski 31. August 2015 at 20:33

    Eines der wenigen Bücher, mit dem ich nicht klar kam. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich es an einem schlechten Tag gelesen habe. Jedenfalls hatte ich nie Lust, es noch einmal zu lesen. Es fehlte mir der Zugang zum Geschehen.

    • Reply Sandra 18. Januar 2016 at 13:45

      Liebe Beatrix,

      manchmal hat man einfach keinen Draht zum Thema, kann sich nicht in Charaktere hineinversetzen. Solche Bücher begegnen auch mir immer wieder. Ich hatte das Buch damals als Schullektüre gelesen, müsste ein Re-Read machen, um zu sehen, wie es mir heute gefallen würde. Die Filmadaption gefiel mir auf jeden Fall schon mal sehr gut.

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Lana 6. Juni 2015 at 16:41

    Hi,

    Das Buch war eeeeecht gut! Ich hab es eigentlich gelesen, weil Kurt Cobain in einem Interview darüber geredet hat … Naja, auf jeden Fall wollte ich sagen, dass ich deine Seite bewundere. Vor allem das Anfangstitelbild!!! :o Wie hast du das so hingekriegt ^^?

    by :)

    • Reply Sandra 6. Juni 2015 at 16:45

      Huhu liebe Lana,

      ja, das war es wirklich. Ich habe es damals in der Schule gelesen; die erste Unterrichtslektüre, die ich wirklich mochte.

      Danke für das liebe Kompliment, freut mich sehr, dass dir das Logo gefällt ♥ das habe ich mit der Hand gezeichnet und am PC als Vektor weiterverarbeitet. :)

      Bis bald ;)
      Sandra

  • Reply Evy 21. September 2014 at 20:49

    Der Film war cool. DAs Buch soll nich für jedermann geeignet sein, weil die beschriebenen Düfte überfordern können :-)

    • Reply Sandra 6. Juni 2015 at 16:49

      Huhu liebe Evy,

      sorry für die späte Antwort, dein Kommentar kam wohl in meiner Pause. Der Film war sehr gut, eine gelungene Umsetzung des Buchs. Ich habe mich nicht überfordert gefühlt, fand es sehr intensiv und beeindruckend.

      Liebe Grüße und schönes Wochenende
      Sandra

  • Reply Kora 8. Februar 2013 at 19:57

    Ich stimme dir vollkommen zu, ein Buch, das einen einfängt – in jeder Hinsicht. Die Kontraste zwischen Hauchzartem und Eiskaltem fand ich beides: fesselnd und erschreckend.

    Dein Foto zur Rezension ist doch wahrlich fabelhaft. Ebenjene liebevollen Details sind es, die deine ohnehin schon griffigen Rezensionen, nochmals aufwerten. Du hast das Gespür, den Riecher dafür!

    Herzige Grüße,
    Kora

    • Reply Buechernische 9. Februar 2013 at 10:54

      Ich LIEBE dieses Buch, ich könnte es immer und immer wieder lesen. Den Film finde ich auch nicht schlecht, er gehört zu den Buchverfilmungen, die sich meiner Meinung nach durchaus sehen lassen können :-)

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Cory 16. Dezember 2012 at 13:06

    Das Parfüm ist für mich auch eins der Bücher, die man gelesen haben muss. Da tun sich Abgründe auf, die mich schockiert zurückgelassen haben. Vor allem das Ende, da läufts mir heute noch kalt den Rücken runter :S

    Den Film fand ich auch sehr gelungen, aber klar, das Buch ist wie immer um Längen besser :)

    • Reply Buechernische 18. Dezember 2012 at 15:22

      Liebe Cory,

      ein traumhaftes Buch, ich liebe es! Ich könnte es immer und immer wieder lesen ♥

      Liebe Lesegrüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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