Rezensionen

Mia Morgowski – Dicke Hose {Buchrezension}

31. Dezember 2012

Meine lieben Leser,

zum vorletzten Tag des Jahres möchte ich euch ein Buch vorstellen, das die trüben Gedanken aus dem Herzen pustete und mit seinem schrillen Cover meine Aufmerksamkeit erregte. Im letzten Monat im Jahr 2012 wurde es fröhlich bei der Lesechallenge Dezember. Mia Morgowski, Autorin von mittlerweile vier humorvollen Romanen, darunter „Kein Sex ist auch keine Lösung“ welches auch verfilmt wurde, begleitete die Leserunde rund um ihr Buch »Dicke Hose«, das im Dezember im Rowohlt Verlag erschien. Das Buch fällt eigentlich so gar nicht in mein Beuteschema, umso überraschter war ich, als ich die Leseprobe durchlas und durchaus begeistert war. Spritziger Humor zog mir da aus den ersten Seiten entgegen und ich beschloss es zu wagen, mal einen Ausflug ins humorvolle Chicklit-Genre zu unternehmen. Ich habe es nicht bereut. Aber nicht nur das Buch war toll…

Lachmuskelstrapazierung

Mia Morgowski - Dicke Hose © Rowohlt VerlagAlexander Held ist Makler und arbeitet für ein renommiertes Maklerbüro. Dort geht es streng zu, sein Chef hat ein Punktesystem eingeführt und Alex gehört zu den Mitarbeitern, die auf der Abschussliste stehen. Als ob das nicht genug wäre, wird sein Kumpel Florian krank und Alex muss für ihn im Luxusladen Miucci einspringen. Was er dort erlebt, hätte er sich wohl auch nicht träumen lassen, er hat doch so gar keine Ahnung von Chloé, Versace und den neuesten Trendfarben des Frühjahrs. Das kann ‚was werden! Irgendwie geht hier auch so manches nicht mit rechten Dingen zu…

Mia Morgowski gehört zu den Größen ihres Genres, wie oben schon erwähnt, wurde eines ihrer Bücher bereits mit namenhaften deutschen Schauspielern verfilmt. Umso schöner, dass die Autorin sich die Zeit nahm und die Lesechallenge sowie unsere Leserunde begleitete. Als das Buch nach einer ziemlich langen Wartezeit hier eintraf, musste ich dann doch erst einmal schmunzeln. Ein grellpinkes Cover leuchtete mir entgegen, darauf blickt ein Küken in blauer Jeans keck zwischen zwei Eierschalenresten hervor. Das Coverbild an sich ist eher sinnbildlich zu verstehen, denn um gelbe niedliche Küken geht es in »Dicke Hose« eher weniger; vielmehr musste sich der Protagonist mit so mancher zickigen Pute oder Henne auseinandersetzen. Im Buch selbst befindet sich ein weiteres witziges Gimmick in Form eines kleinen Daumenkinos, aber lasst euch selbst überraschen, was euch da erwartet.

Zwischen Glastresen und Regalmonster steht Mr. Spock und schaut mich fragend an. Bis auf seine Haare, die exakt der Regalfarbe entsprechen und die offenbar auch mit demselben Lack versiegelt wurden, ist alles an dem Kerl… beige. Hellbeige, um genau zu sein. […] Wie ein gepelltes Ei mit Bart sieht er aus und verstärkt so auf wundersame Weise den außerirdischen Eindruck dieses Ladens. – Seite 65

Anders war manch Weibsbild in diesem Roman nicht zu bezeichnen, vor allem auf den ersten Seiten fuhr die Autorin gleich mal dicke Geschütze auf und präsentierte uns den wahrgewordenen Albtraum eines jeden Immobilienmaklers: hochnäsig, konsum- und luxusfixiert, am Geldbeutel eines reichen Mannes hängend, kopfüber in einen Farbtopf geplumpst und äußerst besitzergreifend sowie rücksichtslos. Wie ich solche Frauen verabscheue… brrr. Identifikation: Fehlanzeige! Um Himmels Willen, genauso möchte doch niemand sein… oder? Also ich jedenfalls nicht. Doch diese etwas durchgeknallte Barbiepuppe namens Britney – Namensähnlichkeiten mit real existierenden Personen sind rein zufällig und von der Autorin nicht beabsichtigt – brachte mich dann doch zum Lachen, allein schon aufgrund ihrer eigenen Skurilität.

Unterhaltung pur

Skuril, das ist das Stichwort. Diese Eigenschaft trägt der Roman wie eine Fahne vor sich her, gepaart mit einer deftigen Prise Humor, der ein ums andere Mal auch in etwas seichtere Regionen abdriftet. Aber das ist ok, hey wir haben hier ein humorvolles Buch vor der Nase, keine ernste Lektüre. Kritisch kommt das Buch dann aber doch zwischen den Zeilen daher, wie ich immer wieder festgestellt habe. Trotz aller Flapsigkeit und lockerem Schreibstil – das Buch las sich sehr flüssig – steckt doch ein Fünkchen Ernsthaftigkeit und Wahrheit hinter den Buchstaben des Quietsche-Covers. Wer auf dicke Hose macht, hat meistens etwas zu verbergen und macht sich selbst größer, als er ist oder es nötig hat. So manches Lügengebilde wurde aufgebaut und in sich zusammengefaltet wie eine traurige, kaputte Ziehharmonika. »Lügen haben kurze Beine« heißt es so schön. Wie wahr, wie wahr.

»Guten Tag.« Angelockt von meinem Paradiesvogeloutfit , steuert sie zielstrebig auf mich zu. Leider fehlt ein Mann an ihrer Seite, mit dem ich das Verkaufsgespräch mal eben schnell abwickeln könnte. Sie ist allein, und sie sieht anstrengend aus. »Führen Sie auch Mulberry?«, will sie als Erstes von mir wissen. Ich sag ja: Ihr fehlt der Mann. Sie will ein Blackberry und hat sich im Laden geirrt. Kann ja mal passieren. – Seite 105

Wer sich in der Modewelt nicht so recht auskennt, der wird mit diesem Buch evtl. ein paar Probleme haben – zunächst. Wenn man aber einen geflissentlichen Blick ans Ende des Buches wirft, wird man mit Freude feststellen, dass sich dort ein recht ausführliches modisches Glossar befindet, welches so manche Unwissenheit rund um Prada, Kleidungsstil und Begriffen eines wahren Modeenthusiasten aus dem Weg räumt, natürlich nicht ohne die passende humorvolle Würze. Der Roman spielt zum größten Teil in einer Modeboutique für Luxusartikel und lässt auch die Gelegenheit nicht aus, die typischen Klischees dieser Branche aufzuzählen. Dies bringt die Autorin mit so einer direkten Art von Humor rüber, das man gar nicht anders kann, als sich zu amüsieren.

Kaum dass ich allein im Keller bin, hetze ich in die Haremskabine und schäle mich aus der pinkfarbenen Gefängniskleidung. Offenbar sind Freizeitklamotten nach Ladenschluss erlaubt. Endlich! Meine Rückverwandlung vom Zebra zum Menschen! – Seite 155

Kurzum: »Dicke Hose« ist mehr als nur heiße Luft zwischen Glamour & Handtäschchen, in diesem Roman steckt richtig Power. Er macht Freude, er unterhält für einige Stunden und strapaziert auch ein wenig die Lachmuskeln, sofern man mit dem Humor auf einer Welle reitet und nicht alles für bare Münze nimmt. Das Buch war mein erster Ausflug in diese Art der Unterhaltungsliteratur, welchen ich nicht bereut habe und mir durchaus vorstellen kann, in einem weiteren Buch der Autorin zu schmökern.

Ein paar Worte zur Lesechallenge

Interessante Aufgaben...

Das war ein wirklich gelungener Abschluss der Lesechallenge 2012 bei lovelybooks.de. Wir mussten innenarchitektonisch kreativ werden, unser eigenes Outfit basteln und ein richtig kniffliges Quiz lösen. Sehr hilfreich dabei waren u.a. stylefruits.de und mydeco.com. Dankeschön auch an die Autorin, Mia Morgowski für das aktive Mitwirken an der Leserunde und ein ebenso großes Dankeschön an den Rowohlt Verlag für das Bereitstellen der Leseexemplare!

Ich möchte mich an dieser Stelle bei euch, dem Team von Lovelybooks ganz herzlich für diese tolle Challenge bedanken, für eure Mühe & euren Einsatz, für viele gezählten Punkte, Arbeit am Wochenende, kreative Rätsel und wirklich tolle Preise. Danke an Verlage und Autoren für ein tolles Lesejahr! Wir hatten alle großen Spaß und freuen uns alle auf eine Fortsetzung im kommenden Jahr 2013. Guten Rutsch euch allen! ♥


Mia Morgowski | Dicke Hose
Rowohlt Verlag | 1.12.2012
Taschenbuch, 352 Seiten | 9783499259234 | 9,99€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Gute Unterhaltung für zwischendurch, auch für Leser die normalerweise kein Fan des Chicklits sind. Humorvoll, ironisch und ein tolles Lesevergnügen für das Wochenende! 

Meine Wertung: 4of5

Surftipp: Die Webseite der Autorin ist übrigens sehr hübsch anzusehen und bietet viele weitere Hintergrundinformationen rund um ihre Bücher und Verfilmungen: www.miamorgowski.de

 

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4 Comments

  • Reply { Bloggeburtstag } 365 Tage Büchernische | Büchernische 13. Juli 2013 at 20:18

    […] und mich in bunte Welten katapultierten. 365 mit Lesehighlights, mit Büchern, die mich zum Lachen brachten und Tränen in die Augen schießen […]

  • Reply Gelesen, genossen & zugeklappt – Resumé Dezember 2012 & Januar 2013 – Die Büchernische 2. Februar 2013 at 16:54

    […] dem letzten Challenge-Monat nochmal ein ordentliches Grinsen auf’s Gesicht. Mia Morgowskis »Dicke Hose« fällt eigentlich so gar nicht in mein Beuteschema, das Cover sah schon höchst kitschig aus, […]

  • Reply Jani 31. Dezember 2012 at 09:44

    Danke für die tolle Rezension. Wieder einmal köstlich geschrieben, sodass ich mich in das Buch verliebt habe, auch wenn ich es noch überhaupt nicht kenne. Ich glaube aber, das könnte genau der Humor sein, der mich anspricht :)

    Liebe Grüße und ein Frohes neues Jahr schon einmal von mir. Jani

    • Reply Sandra 30. März 2015 at 17:13

      Liebe Jani,

      ich sehe jetzt, 2 Jahre später erst – weil ich gerade alte Artikel reformatiere – dass ich deinen Kommentar gar nicht beantwortet habe. Ohjeee, das wird sicher am Jahreswechsel gelegen haben :)

      Die Challenge damals war schon richtig gut. Ich lese ja wirklich seltenst Chicklit, aber das war witzig.

      Alles Liebe für dich
      Sandra ♥

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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