Rezensionen

Melisse J. Rose – Das Haus der verlorenen Düfte {Buchrezension}

31. Juli 2012

Liebe Leser,

wer liebt Duftlampen auch so sehr wie ich? Heute brennt bei mir Pinks Sands von Yankee Candles™, ein wunderbarer Duft. Genau die richtige Kulisse zu meiner aktuellen Buchvorstellung diesen Monat.

…Der Zauber eines Dufts, der sanfte Hauch von frischer Zitrusfrucht, sanfter Vanille und leichten Blüten durchströmt den Raum…

Das Haus der verlorenen Düfte – das ist ein Titel wie für mich gemacht. Als ich damals Patrick Süßkinds Roman „Das Parfum“ als Schullektüre gelesen habe, war ich fortan fasziniert von der Welt der Düfte & Essenzen. Duftkerzen anzünden, einen schönen Tee eingießen, ein gutes Buch dazu, was gibt es Schöneres an einem gemütlichen Abend zuhause, auf dem Balkon oder im gemütlichen Sessel. Als ich den Titel bei lovelybooks.de auf meiner Startseite auftauchen sah, bewarb ich mich sofort für die Leserunde und hatte Glück, eines der Leseexemplare vom Aufbau Verlag zu gewinnen. Kaum war das Buch am 15. Juli bei mir angekommen, habe ich meine Nase zwischen die Seiten gesteckt und versank ganz in der Geschichte.

Die Macht eines legendären Parfums

Das Haus der verlorenen DüfteRobbie L’Étoile und seine Schwester Jac müssen die angesehene und über 200 Jahre alte Parfummanufaktur ihrer Familie vor dem Ruin bewahren. Als Robbie eine zerbrochene Phiole mit ägyptischen Inschriften zwischen den Unterlagen seines Vaters findet, sieht er einen Hoffnungsschimmer am Horizont, denn diese Phiole war Ende des 18. Jahrhunderts Teil des Fundes, den sein Vorfahr Giles L’Étoile unter der Herrschaft Napoleons im ägyptischen Alexandria machte. Dieser mysteriöse Duft soll denjenigen, der ihn einatmet, in eine andere Zeit, an einen anderen Ort in ein früheres Leben versetzen können. Doch nicht nur Familie L’Étoile ist dem Geheimnis des Duftes der Kleopatra auf der Spur…

Erst einmal von außen betrachtet…

Das Erste was mir auffiel, als ich das Buch endlich in Händen halten durfte, war das Cover. Bei allen mir bekannten Romanen, die sich um Familiengeschichte drehen – unter anderem Lucinda Rileys „Das Orchideenhaus“ oder Kate Mortons Roman „Der verborgene Garten“ –  die ich in den letzten Monaten in der Hand hielt, befand sich eine Treppe auf dem Cover. Das ist nun keine negative Kritik, ich finde das Cover schön, doch ehrlich gesagt habe ich mir bei diesem Buchtitel mehr Blau- und Grüntöne und weniger Rot gewünscht. Die Erstausgabe dieses Romans ist eine Broschur, welche gut in der Hand liegt.

Die ersten Kapitel beleuchten sehr ausführlich und detailliert die Hauptcharaktere Jac & Robbie L’Étoile, geben einen Einblick ins Familienleben, in die Unternehmensgeschichte mit Startpunkt in Alexandria zur Zeit Napoleons, als Giles L’Étoile das geheimnisvolle Parfumartefakt in einer Grabkammer Ägyptens entdeckt. Am besten gefiel mir Jac, die Protagonistin des Romans, ihre Gedanken und Gefühle kamen für mich nachvollziehbar und authentisch rüber. Ihr Bruder Robbie hingegen konnte mich nicht so recht überzeugen, zu farblos war seine Präsenz im Buch. Xie Ping gehört ebenfalls zu den Personen, die mich nachdrücklich beeindruckt haben, seine Herkunft, seine Geschichte, sein Geheimnis das sich schon recht früh offenbart, faszinierte mich.

Recherchereisen

Die Anfangskapitel führen den Leser sprunghaft von Paris nach New York bis nach  Nanjing / China, später werden noch weitere Stationen hinzugefügt. Der Leser erhält gleich zu Beginn der ersten Kapitel eine Fülle an Informationen zu den verschiedenen Charakteren und Schauplätzen, was bisweilen ein wenig Überhand nimmt und dafür sorgt, dass ich ein wenig Zeit benötigt habe, um in die Handlung hineinzufinden und den Überblick über das Geschehen zu bewahren. Doch die Handlungsstränge finden nach einer Weile zusammen und man merkt, dass gerade diese Sprünge von Kapitel zu Kapitel, von Schauplatz zu Schauplatz den Spannungsbogen aufrechterhalten und den Leser an das Buch fesseln. Getragen wird die Handlung durch einen sehr angenehmen Schreibstil der Autorin, welche mit viel Liebe zum Detail für ihr Buch recherchiert hat. Sie unternahm unter anderem eine Reise zu den Ursprüngen des Parfums nach Grasse und unterhielt sich mit den Meistern der Essenzen vor Ort. Auch mit Hintergrundinformationen hat Melisse J. Rose nicht gespart, denn am Ende des Buches befindet sich ein Glossar für diejenigen, die nun endgültig „auf den Duft gekommen sind“ und ein wenig mehr Backgroundinfos aufnehmen wollen. Teilweise braucht man diese als Leser auch, denn einige der Begriffe sind für die Handlung von Melisse‘ Buch wichtig.

Reinkarnation?

Das zweite große Thema, welches sich hinter diesem Titel verbirgt, ist der Buddhismus im Allgemeinen und Reinkarnation sowie der chinesisch-tibetische Konflikt im Speziellen. „Glaubt ihr an ein Leben nach dem Tod?“ war auch die Frage der Leserunde auf lovelybooks.de. Ein weiterer Punkt, der mein Interesse an diesem Buch weckte. Die Autorin schafft es überzeugend, die Thematik rund um Buddhismus, Dalai Lama, Panchen Lama & Tibets Unabhängigkeitsbestreben gekonnt und gut recherchiert zwischen die Seiten zu bannen und den Leser in die politische sowie religiöse Situation Tibets eintauchen zu lassen.


Melisse J. Rose | Das Haus der verlorenen Düfte | Originaltitel: The Book of Lost Fragrances
Aufbau Verlag | 23. Juli 2012 | Gegenwartsliteratur
Klappenbroschur, 512 Seiten | 978-3-352-00840-5 | 16,99€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Ein gelungenes Buch, man taucht ein in die Welt der Essenzen & des Wohlgeruchs, begleitet von der Frage, was nach dem Tode folgt und möchte dem Geheimnis zusammen mit Familie L’Étoile auf den Grund gehen – ein kurzweiliger, spannender Roman über die Welt der Düfte.

Meine Wertung:
4of5

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