Rezensionen

Marie Lu – Legend: Fallender Himmel {Buchrezension, Band 1}

18. September 2012

Liebe Freunde dystopischer Jugendbücher,

Marie Lus erster Band einer Dystopie-Trilogie mit dem Titel »Legend – Fallender Himmel« gehört zu den gehypten Büchern dieses Jahres. Es wurde großes Marketing betrieben, eine eigene Webseite mit dem Titel legendfans.de ins Leben gerufen, ein Widget auf den Buchblogs zählte die Tage, Stunden, Minuten, Sekunden bis das Buch endlich erscheinen würde. Dieser Hype ging eine ganze Weile vollständig an meiner Aufmerksamkeit vorbei, ich sah zwar die Countdowns auf dem einen oder anderen Blog, die ich in meiner Leseliste habe und auch fleißig lese, herunterzählen. Ich sah mir den Trailer an, fand ihn gar nicht so schlecht, aber ein klein wenig Neugier wurde erst geweckt, als ich die ersten Rezensionen las.

Als lovelybooks.de dann auch eine Leserunde mit Verlosung zu »Legend« startete, war die Begeisterung vor allem unter der jungen Leserschaft groß. Fast 500 Bewerbungen trafen innerhalb kürzester Zeit ein. Da musste man schon viel Glück haben, um einer der 30 Leser zu sein, die ausgelost wurden. Nachdem ich diesen Monat doch recht viel Lektüre auf einmal auf meinem Schreibtisch & Nachttisch liegen habe, hatte ich meine Bewerbung zurückgezogen. Deswegen war ich umso überraschter als ich zufällig in den Thread sah weil ich wissen wollte, wer nun mitlesen durfte und wem ich gratulieren konnte… meinen Namen unter den Gewinnern zu sehen! Huch! Ja, was mach ich denn jetzt? Ich freute mich natürlich sehr, klar wollte ich mitlesen! Egal wieviele Bücher da auf meinem Tisch lagen, ich freute mir ein Loch in den Bauch, dankte der Glücksfee die wohl offensichtlich wollte dass ich mitlas und schickte meine Adresse los. Ein paar Tage später hielt ich das weiße Buch mit dem goldenen Aufdruck in der Hand, toll sah es aus, doch leider war der Inhalt nicht der Pageturner, den ich mir erhofft hatte…

Fallender Himmel

Los Angeles, Kalifornien. Republik Amerika. 20.174.282 Einwohner. Einer davon ist Day, ein 15jähriger, der durch den Großen Test gefallen ist, ein Test der das Leben, die Zukunft eines jeden Bewohners der Republik bestimmt. Day entging nur knapp dem Tode und lebt seitdem auf der Straße, in einem der ärmeren Sektoren der Stadt. Als er eines Tages unter Mordverdacht gerät, wird aus dem ohnehin gesuchten Verbrecher der Staatsfeind Nr. 1. Auf seine Fersen heftet sich June, die Schwester des Opfers, erfüllt von Rachegefühlen, Wut & der Frage nach dem »Warum«, deren Antwort sich schwieriger gestaltet als gedacht, vor allem wenn aus Hass Liebe wird…

Zuviel versprochen?

Beleuchte ich zuerst den Schreibstil des Buches, dann muss ich ehrlich zugeben, er ist zwar einfach, aber sehr flüssig & locker zu lesen. Der Wechsel zwischen den beiden Charakteren Day und June, jeweils aus der Ich-Perspektive geschrieben, findet kapitelweise statt, so dass ich absolut keine Probleme hatte, der Handlung zu folgen und war mir jederzeit im Klaren darüber, aus wessen Sichtweise wir die Handlung gerade betrachten. Ich habe es schon mehrmals angesprochen, ich bin kein Fan der Ich-Perspektive, das Buch muss schon einen wirklich guten, schlüssigen Schreibstil haben, damit ich zufriedengestellt bin. Das hatte Legend, aber der Rest spricht leider eine andere Sprache.

Meine Mutter glaubt, dass ich tot bin.

Warum gefiel mir das Buch nicht? Ganz einfach. Die Charaktere wirkten blass, farblos, Emotionen blieben aus meiner Sicht zu sehr auf der Strecke und wenn dann doch sich etwas regte, kam mir das so aufgesetzt und unwirklich vor. Ich habe fast 200 Seiten warten müssen, bis die Spannungskurve endlich mal von einer langgezogenen horizontalen Linie in eine leichte Kurve nach oben abbog. Die Story plätscherte vor sich hin, mehr leise gurgelnd als laut tosend. Da wäre so viel mehr drin gewesen. Der Plot an sich ist vom Thema her nicht schlecht, typisch dystopisch eben. Ein Regime, dirigiert vom Militär, der Große Test als aussiebender Zukunftsweiser, zwei Fraktionen die im Clinch liegen.

Doch es blieben soviele Fragen unbeantwortet, zuviele Fragen. Was ist das für eine Seuche, das bekamen wir nur am Rande mit. Warum sind Republik & die Kolonien verfeindet, was sind ihre maßgeblichen Vorstellungen? Was hat es mit dem Symbol auf dem Cover auf sich? Keine Antwort. Warum wurde das Land überschwemmt, was war da passiert, eine Naturkatastrophe? Keine Antwort auch auf diese Frage. Ich las immer nur Andeutungen zwischen den Zeilen, große Fragezeichen bildeten sich über meiner Stirn. Mir gefiel die Geschichte an sich gut, die Idee die dahinter steckt. Doch das Ende kam zu abrupt, die Spannung setzte viel zu spät ein. Was mich außerdem störte, war die Vorhersehbarkeit. Mit große Überraschungen wartete Legend nicht auf, vieles konnte man erahnen und man brauchte dafür nicht zwischen den Zeilen zu lesen. Es sprang gerade zu ins Auge.

Blasser Auftakt

Das ist der erste Band einer Trilogie, da muss man doch als Autor dem Leser mehr Informationen liefen, Hintergründe, nicht nur das Nötigste anschneiden, damit man gezwungen ist deswegen den zweiten Band zu kaufen. Ich habe schon öfter mehrbändige Reihen gelesen, ich hatte auch schon öfter den ersten Band eines Mehrteilers in der Hand, dessen Folgebände noch gar nicht erschienen sind. Ich möchte bei diesen Büchern den zweiten Band lesen, weil die Story mich fesselte, weil ich wissen will wohin die Reise geht. Bei Legend empfinde ich das als „Werden im zweiten Buch endlich die Informationen geliefert, die dem ersten Buch vollständig fehlten?“ Das ist wahrlich kein guter Start in eine Trilogie. Es reicht nicht aus, dem Leser einen einen Konflikt zu liefern ohne ihm zu sagen, worin sich dieser ergründet. Betrachtet man es aus dem Blickwinkel, dass das Buch ein Kinder- & Jugendbuch ist, mag es vielleicht sein, dass es den jüngeren Lesern ausreicht Appetit auf mehr gemacht zu bekommen indem man eine Liebesgeschichte zwischen zwei eigentlich verfeindeten Menschen zeichnet, doch mir reichte es nicht. Das ist keinesfalls so gemeint, dass ich jungen Lesern Anspruchslosigkeit unterstellen möchte, im Gegenteil. Gerade junge Leser sind da oft noch kritischer. Das Buch wirkt auf mich mehr wie eine Vorspeise, so als ob Buch II dann der Hauptgang und Band II das Dessert darstellt.

 Ich werde dich finden […] dein Leben gehört mir.

Ich werde mir den zweiten Band kaufen in der Hoffnung, dass ich ein paar Antworten auf meine Fragen bekomme, ich hoffe die Autorin schöpft für die Folgebände mehr aus dem Potential, das die Grundidee bietet. Sonst bleibt die Legende nur eine blasse Erinnerung. Ich gebe dem Buch drei Leseherzen, da ich es nicht grundsätzlich schlecht finde, aber mir einfach mehr erwartet habe, und das war keine überzogene Erwartungshaltung.


Marie Lu | Legend – Fallender Himmel
Loewe Verlag | 10. September 2012 | Band 1 / 3 | ab 14 Jahren
Hardcover · mit Leseband, 368 Seiten | 9783785573945 | 17,95€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Etwas mühsamer Auftakt eines gehypten Buches, das seinem Namen nur bedingt gerecht wird und in das ich die Hoffnung setze, dass es an Power gewinnt und Stärke in den Folgebänden beweisen kann!

9783785573945  9783785573952  9783785574928

Informationen zur Trilogie:
→ Band #1 Fallender Himmel
→ Band #2 Schwelender Sturm
→ Band #3 Berstende Sterne

Meine Wertung: 3of5

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9 Comments

  • Reply {Tagtime} 100 Jugendbücher, die man gelesen haben sollte: Büchernische’s Resumé { powered by Pusteblume } – Die Büchernische 14. Juni 2013 at 17:26

    […] »Breathe« zu meinen Lieblingsdystopien. Vom ersten Band der dystopischen Welt Marie Lus namens»Legend – Fallender Himmel« war ich nicht ganz so begeistert, werde aber dennoch den zweiten Band lesen, […]

  • Reply Cory 16. Dezember 2012 at 13:03

    Also ein Durchschnittsbuch, gut zu wissen. Dann mache ich mir mal nicht so große Hoffnungen :)

    Schade, dass viele Dystopien nur noch aus Einheitsbrei bestehen, grundsätzlich lese ich die nämlich supergerne.
    Falls du auch englische Bücher liest, kann ich dir „Wool“ von Hugh Howey ans Herz legen, das war mal eine Dystopie/Sci-Fi Story, die mich überzeugt hat :)

    Habe Legend auch schon seit Ewigkeiten auf meiner Leseliste, aber bin bisher nicht dazu gekommen – vielleicht schaffe ich es im Januar mal :)

    Danke für diese schöne Rezi!

    • Reply Buechernische 18. Dezember 2012 at 15:22

      Liebe Cory,

      im nachhinein muss ich sagen, dass ich wohl 3,5 Sterne geben würde, denn es war meine erste Dystopie. Aber mir fehlten einfach zuviele Infos. Es ist schon lesenswert, daher bin ich gespannt auf das 2. Buch, müsste ja 2013 soweit sein :-)

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Ursula Poznanski – Die Verratenen { Band 1 | 3 } – Buchrezension – Die Büchernische 17. November 2012 at 15:42

    […] bislang. Daher ging ich also sozusagen jungfräulich an meine nun zweite Dystopie nach Marie Lus »Legend« heran und freute mich sehr darauf, weil ich sehr viel Gutes über das Buch gehört habe. Ich […]

  • Reply Laura 23. September 2012 at 18:30

    Mich hat im Gegenteil der Hype sofort mitgezogen und ich MUSSTE das Buch einfach nur haben *_* Wie sich herausgestellt hat, ist „Legend“ einfach nur ein weiteres Buch, dass meinen Erwartungen nicht entsprochen hat. Außerdem, finde ich, dass du mit deinem endgültigem Fazit vollkommen Recht hast :)

    Liebe Grüße!

  • Reply Filo 18. September 2012 at 20:56

    Ich wurde zwar nicht wirklich durch den Hype angesteckt, aber den Klappentext finde ich schon sehr interessant ;) Vor allem, da ich Dystopien insgesamt sehr gerne lesen. Deine Rezension ist mittlerweile aber nicht mehr die Einzige, die ich gelesen habe und nicht himmelhoch jauchzend ist :D und daher ist das Buch bis jetzt auch noch nicht bei mir gelandet. Ich möchte es irgendwann mal lesen, da ich mir gerne selbst eine Meinung dazu machen möchte, aber oberste Priorität hat das Buch sicher nicht…

    Liebe Grüße,
    Filo ;)

    • Reply Buechernische 18. September 2012 at 21:38

      Huhu liebe Filo :)

      ganz richtig, lass dich dadurch nur nicht verunsichern, es ist eben meine Meinung, es gibt immer positive und negative Meinungen zum Buch. Meine fiel dieses Mal recht kritisch aus. Wenn du es mal lesen wirst irgendwann, bin ich gespannt was du von Legend hälst ;)

      Liebe Grüße!

  • Reply Anne 18. September 2012 at 11:23

    Hallo Sandra,

    danke für deine Rezension. Denn ich muss zugeben, ich war ein wenig enttäuscht, dass ich da nicht gewonnen hatte – wahrscheinlich hatte ich mich ein wenig von dem Hype anstecken lassen. Mhhh, nach deiner Beurteilung bin ich allerdings skeptisch geworden. Aber es ist gut mal eine kritische Stimme zu hören, denn sonst habe ich nur fünf-Sterne Rezis gesehen.
    Deswegen habe ich normalerweise immer einige Probleme mit Jugendbüchern. Die Tiefe fehlt mir einfach, allerdings haben Jugendbücher immer viele richtig gute Ideen und Potential, nur die Umsetzung ist halt so lala. Ich finde es schwer, da etwas gutes zu finden. Mittlerweile bin ich wieder mehr bereit solche zu probieren. Naja. Mal schauen.
    Wegen der Ich-Perspektive. Ich war auch lange überhaupt kein Fan davon, mittlerweile gibt es aber so viele Bücher, die sich dieser Perspektive angenommen haben, dass es mich nicht mehr stört. Nur wenn es zwischen Erster und Dritter Perspektive wechselt innerhalb eines Buches, dann finde ich es störend.

    LG Anne

    • Reply Buechernische 18. September 2012 at 12:40

      Liebe Anne,

      so ähnlich ging es mir auch. Ich wollte wissen, ob das Buch dem Hype gerecht wird, es war zudem meine erste Dystopie. Ich scheue mich nicht davor, auch wenn alle das Buch loben, meine nicht ganz so positive Meinung zu äußern, ich finde das wichtig. Jugendbücher oder auch das Genre Young Adult ist ja mittlerweile gut im Kommen, Bücher wie „Spiel des Lebens“ von Veit Etzold zeigen, dass YA richtig gut sein kann. Legend versprach mir viel, aber hielt leider wenig. Daher nur drei Sterne..

      Den Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven finde ich auch nicht unbedingt glücklich, da kommt man schnell aus der Handlung raus.

      Danke für deinen ausführlichen Kommentar und ich hoffe, dass ich dir »Legend« nun nicht verdorben habe. Lies es einfach mal und dann bin ich gespannt, wie du das empfindest! ;-)

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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