Rezensionen

Margit Ruile – Mira und das Buch der Drachen {Kinderbuch-Rezension}

19. Oktober 2013

Liebe Kinderbuchfreunde,

es ist soweit: Die Trilogie rund um das sympathische Mädchen Mira und ihre zauberhaften Freunde Miranda, Rabeus, Thaddäus und Co. findet ein Ende. Es ist ein Abschied, der schwer fällt, denn ich liebe diese dreibändige Reihe sehr. Deswegen habe ich mir für das Finale auch ein wenig mehr Zeit gelassen. Seit das erste Buch im Januar 2012 erschienen ist, haben mein Lesenachwuchs und ich mit Mira mitgefiebert, gebangt und gelacht. Wir haben das junge Mädchen und die vielen, unterschiedlichen Nebenfiguren tief ins Herz geschlossen und so haben wir das Ende dieser Reihe mit großer Vorfreude und Ungeduld erwartet.

Das Buch der Drachen

9783760780771bDie Weihnachtszeit steht vor der Tür, es schneit und die Welt versinkt unter glitzernden, weißen Schneepolstern. Mira ist auf dem Weg nach Hause, als sie dort von Mitgliedern der Schwarzen Zauberer überrascht wird. Da die schwarze Hexe weiter ihr düsteres Unwesen treibt, macht sich Mira große Sorgen um ihre Freunde. Doch nun schwebt auch sie selbst in Gefahr, denn sie trägt das Wissen um etwas in sich, das die schwarze Hexe unbedingt in ihre Finger bekommen möchte. Wird es Mira gelingen, ihre Freunde zu finden und die weiße Zaubererschaft zu retten?

Eine Augenweide!

arsEdition ist ein Verlag, welcher sich immer sehr viel Mühe mit der Gestaltung von Cover und Innenleben seiner Bücher gibt. Auch der dritte Teil der Mira-Trilogie ist wieder einmal ein Augenschmaus, passt farblich und vom Gestaltungskonzept hervorragend zu den anderen beiden Büchern. Haptisch tastbare Spotlackeffekte harmonieren mit holografischen Akzenten und der wieder einmal wunderschönen, farbenfrohen Illustration Laurence Sartins, welcher auch schon für die beiden ersten Bücher die Zeichenfeder schwang. Wie auch bei den beiden Vorgängern finden wir wieder zahlreiche, fein gezeichnete Illustrationen zu verschiedenen Szenen im Buch und auch die Kapitel sind wieder durch kleine monochrome Zeichnungen in Szene gesetzt worden.

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Innen wie außen eine Augenweide © Foto Büchernische 2013

Als der letzte Band der Trilogie hier eintrudelte und ich mit erwartungsvollen Augen über das Cover streichelte, war die Freude groß. Ich hätte das Buch am liebsten in einem Zug durchgelesen, aber ich bremste meine Ungeduld. Immerhin ist dies das Ende der Geschichte um Mira und ihrer zauberhaften Freunde. Diese letzte Zusammenkunft wollte ich in all ihrer Vielfalt genießen und würdig ausklingen lassen. Ein Lesegenuss war es in der Tat, wie auch schon bei den beiden Vorgängerbänden. Es war wie das Betreten eines wohlig warmen Wohnzimmers, erleuchtet mit Kerzen und dem einladenden Duft von warmer Schokolade – wie nach Hause kommen und sich zu freuen, wieder mitten in Miras magischer Erlebniswelt eintauchen zu dürfen. Ich kuschelte mich in eine Decke gewickelt und einem heißen Kakao in meinen roten Sessel und begann zu lesen.

Ein Muss für’s Kinderzimmerregal!

Margit Ruile weiß, wie man seine Leser in den Bann zieht, ob sie nun zur Zielgruppe gehören oder schon dem Kinderschuhen entwachsen sind. Meine Tochter wuselte jeden Tag um das Buch herum, fragte mich, wann ich denn endlich fertig sei und konnte es kaum erwarten, ebenfalls in die Geschichte einzutauchen und zu erfahren, ob Mira die Welt der weißen Zauberer retten kann. Was wird passieren? Das darf ich und werde ich euch nun natürlich nicht verraten, denn ihr sollt dieses magische Leseerlebnis selbst erfahren können.

Vorstellung – der Gedanken – Halt,
aus luft’gem – Nichts – nimm an Gestalt. – Seite 226

Doch für diejenigen unter euch, die die ersten beiden Bände bereits gelesen haben, darf ich guten Gewissens sagen: Das Finale ist sehr spannend, überraschend, magisch und in all seinen Aspekten ein wirklich sehr gelungener Höhepunkt und Abschluss der Trilogie. Ein Ende, das Fragen offen lässt, Raum für Spekulationen bietet und dennoch das Gefühl vermittelt, das alles so wie es passiert ist, seine Richtigkeit hat. Wir treffen bekannte Gesichter aus den ersten beiden Büchern wieder, wer genau das ist, werde ich an dieser Stelle nicht verraten. Ich möchte euch ja nicht die Spannung nehmen!

Wiedersehensfreude

Wer nun ganz neu in Miras Welt eintauchen möchte, dem seien natürlich zunächst die ersten beiden Bücher ans Herz gelegt: »Mira und der weiße Drache« {Rezension} und die gelungene Fortsetzung namens »Mira und die verwunschenen Kugeln« {Rezension} – ebenfalls im arsEdition Verlag erschienen – sind wahre Schätze der Kinderliteratur und sollten wirklich in jedem Bücherregal eines Kinderzimmers stehen.

Mira ist ein cleveres Mädchen. Sie entwickelt sich im Laufe der Geschichte zu einer kleinen Heldin, wächst dabei über sich selbst und ihre Ängste hinaus und hat einfach einen guten, liebenswerten Charakter mit ehrlichen und aufgeweckten Wesenszügen. Sprich: Sie ist ein ganz normales 8jähriges Mädchen, das wie alle Kinder in diesem Alter zur Schule geht, mit Freunden etwas unternimmt und die Welt entdeckt. Mira bietet somit viel Identifikationspotential für die junge Leserschaft, sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Margit Ruile legte viel Wert darauf, interessante, vielschichtige Figuren zu erschaffen, die gleichzeitig wichtige moralische Werte vermitteln. Sie zeichnet dabei keine reine Friede-Freude-Eierkuchen-Story, sondern führt ihre jungen Leser auch behutsam an Themen wie Misstrauen heran; sie zeigt ihnen auf einfühlsame Weise, welche Konsequenzen negatives Verhalten mit sich zieht.

Interessante Inspiration

In der Leserunde, welche von der Autorin zum erneuten Male mit viel Enthusiasmus begleitet wurde, stillte sie auch unseren Wissensdurst rund um Miras Welt und so kamen kleine feine Details ans Licht, die ich beim Lesen mehrfach im Buch wieder erkannte. Zum Beispiel holte sich Margit Ruile die Inspiration für ihre Trilogie von einem holländischen Künstler: M. C. Escher, einem abstrakten Künstler, der für seine Holzschnitte und Linoldrucke bekannt geworden war. Mit diesem Wissen im Hinterkopf entdeckte ich die eine oder andere Parallele zu Kunstwerken im Buch, was auch mir ein Schmunzeln auf die Lippen zauberte und für Aha-Effekte sorgte. So betrachtet kann also auch ein Erwachsener viel Spannendes in diesen Kinderbüchern für sich entdecken – so manch einer hat ja leider das Kind in sich verlernt.

Zwischen den Zweigen der Bäume leuchtete der Vollmond. Er war klein, eine zusammengeballte Kugel, die kaltes blaues Licht aussandte. Schneekristalle blitzten darin auf, sodass es aussah, als wäre der schmale Weg vor ihr mit Silber gepflastert. Mira atmete aus. Ihr entwich ein weißer Lufthauch in der kalten Nacht. – Seite 183

Ich möchte mich ganz herzlich bei der Autorin für die liebevolle Signatur und beim arsEdition Verlag für die Bereitstellung des Leseexemplars bedanken, ich hatte sehr viel Freude mit diesem Buch! Nun werde ich es an meine Tochter weiterreichen, welche die ersten beiden Bände ebenfalls mit viel Begeisterung verschlungen hat. Ich bin nun sehr gespannt, wie sie den Abschluss dieser zauberhaften Trilogie bewerten wird. Wir erwarten nun mit wachsender Neugier neue Projekte von Margit Ruile! Vielleicht wird es ja doch noch ein Wiedersehen mit dem einen oder anderen Charakter geben? Wer das ein bisschen genauer nachlesen möchte, sollte einen Blick in die Leserunde zum Buch auf lovelybooks.de werfen, denn dort plaudert die sympathische Autorin ein wenig aus dem Schriftstellernähkästchen.


Margit Ruile | Mira und das Buch der Drachen | Illustrator: Laurence Sartin
arsEdition | 27.09.2013 | ab 8 Jahren
Hardcover, 272 Seiten | 978-3760780771 | 12,99€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Die Mira-Trilogie findet im dritten Band ihren absoluten, wirklich gelungenen Höhepunkt. Das Gefühl, nach der Lesepause zwischen Band 2 und 3 wieder nach Hause in diese magieumhauchte Welt zu kommen, war einfach wundervoll. Mira verzaubert, ist wie das kleine Mädchen von nebenan, das auch du sein könntest und hat mich erneut völlig für sich vereinnahmen können. Wer diese Bücher noch nicht gelesen hat, dem kann ich dies nur wärmstens ans Herz legen, denn es lohnt sich! Spannung, Magie, Herzlichkeit, Vielseitigkeit, Liebe, Freundschaft  – ein rundherum zufriedenstellendes Paket für junge und junggebliebene Leser, die eine kleine Heldin bei ihrem Streifzug durch die Welt der Zauberei begleiten wollen!

Meine Wertung: 

lesemonster_5punkte

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4 Comments

  • Reply {Blogparade} Der beliebteste Blogartikel | Büchernische 16. Juni 2015 at 13:40

    […] doch dem ist nicht so. Der beliebteste Artikel ist meine Rezension zu Margit Ruiles Kinderbuch »Mira und das Buch der Drachen«, dem Finale der Mira-Kinderbuchtrilogie, welches bereits 2013 bei arsEdition erschienen ist. […]

  • Reply Chrissi 10. November 2013 at 15:19

    Guten Abend Sandra,

    Den Titel habe ich mir auf jeden Fall schon mal notiert.
    Meine Schwester ist zwar erst 6 Jahre alt, aber ich denke auch mit dem Vorlesen kann man mit solchen Büchern nie zu früh anfangen :)

    Liebe Grüße
    Chrissi

  • Reply Kora 20. Oktober 2013 at 18:58

    Ich komme wohl nicht umhin, dir zu sagen, was für eine herrlich ansprechende Rezension du verfasst hast, liebe Sandra. Abermals! Mit welch gestochen scharfen Auge und mit welch präzisen Worten du für uns die illustrative Ausgestaltung der Geschichte eingefangen hast, sagt mir besonders zu. Hach …

    Magische Stöbergrüße in die Büchernische,
    Kora

  • Reply Margit Ruile – Mira und der weiße Drache { Kinderbuch-Rezension, Band 1 | 3 } | Büchernische 19. Oktober 2013 at 17:45

    […] Informationen zur Trilogie: → #1 Mira und der weiße Drache → #2 Mira und die verwunschenen Kugeln → #3 Mira und das Buch der Drachen […]

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