Rezensionen

Kirsty McKay – Untot. Lauf, solange du noch kannst { Buchrezension}

27. November 2012

Liebe Fans zomboiden Buchgenusses,

Gruselig-humorvolle Lektüre erreichte mich Mitte November vom Chickenhouse Deutschland (Carlsen Verlag) im Rahmen einer großen Buchaktion, danke an dieser Stelle an den Verlag für das Vorableseexemplar und die unterhaltsame Lesezeit, die ich mit diesem Jugendbuch ab 14 Jahren verbringen durfte. Kirsty McKays Auftakt einer Trilogie »Untot. Lauf, solange du noch kannst« ist wie der Titel auf dem Cover bereits andeutet, ein Jugendbuch, gespickt mit Zombies, blutunterlaufenen Augen und wankenden Schritten über schottische Hügellandschaften, das mit seinem Schreibstil aus dem Genre Horror ganz klar hervorsticht – denn es ist kein gewöhnlicher Vertreter des Genres. Warum, werde ich euch nun erzählen.

Worum geht es?

Kirsty McKay - UntotBobby befindet sich zusammen mit ihrer Schulklasse auf der Rückreise von einem gemeinsamen Skiausflug. Sie ist einfach nur froh, bald wieder zuhause sein zu können, denn dieses Erlebnis kann man getrost in die Akte „danke mir reicht’s“ abheften und die Klassenkameraden mitsamt ihren pinken Fingernägelchen und angeberischen Launen hinter sich lassen. „Ein letzter Zwischenstopp noch, dann ist es vorbei“, wird sie gedacht haben, doch es kommt ganz anders. Irgendetwas geht vor sich, fast ihre ganze Klasse – bis auf einige wenige verbliebene Mitschüler, die ihr nicht sonderlich sympatisch sind -, hat sich in Luft aufgelöst, Stille vor den Bustüren, nur der Schnee rieselt weiter stetig auf die Motorhaube. Licht brennt im Rasthaus, mehr kann man nicht erkennen. Eine Mitschülerin rennt völlig aufgelöst zurück zum Bus, trommelt gegen die Scheibe der Tür, die Augen angstvoll weit aufgerissen, berichtet sie, was sie soeben in der Raststätte erlebt hat… das kann doch alles nicht wahr sein!

Witzig, humorvoll, das etwas andere Gruselbuch!

Kirsty McKays Jugendbuch, welches im englischen Original »Undead« heißt, hat mich nicht von der ersten Seite an mitgerissen. Als ich begann zu lesen, dachte ich im ersten Moment zugegebenermaßen mit ein wenig Stirnrunzeln, dass das Buch doch schon sehr zielgruppenorientiert geschrieben wurde. Die Ausdrucksweise der Protagonistin, Dialogführung und sprachliche Eigenheiten inbegriffen ließen darauf schließen, dass das Buch dann doch mehr etwas für den jüngeren Leser als für Erwachsene sei. Doch im Laufe der Handlung wurde zunehmend klar, dass »Untot. Lauf, solange du noch kannst« sich selbst nicht so ernst nimmt, wie man nun wohl erwarten würde. Im Gegenteil, es ist witzig, mit einer Prise Ironie gewürzt und strotzt dann und wann nur so vor Sarkasmus. Je weiter ich las, desto besser gefiel mir das, was ich in den Händen hielt.

Zau-Aktion zum Buch "Untot" Band 1 © Carlsen VerlagDer Spannungsbogen des auf insgesamt 432 Seiten langen Plots beginnt erst bei ungefähr der Hälfte anzusteigen, allerdings muss ich wirklich sagen, dass ich zuweilen Gänsehaut hatte und nur darauf wartete, dass irgendetwas links oder rechts aus dem Gebüsch und Gebälk gekrochen kam, um mir in die Extremitäten zu beißen. Es wird auch erst später klar, wie die Zusammenhänge sich gestalten, die Autorin lässt uns Leser bis ins letzte Drittel im Unklaren, warum nun auf einmal Zombies durch die verschneite Winterlandschaft Englands torkeln. Die Auflösung gefiel mir sehr gut, ebenso wie die Art Kristy McKays, den Handlungsverlauf zu gestalten. Zu Beginn der Story befinden wir uns im obligatorischen Bus, welcher natürlich die Zombies draußen und diejenigen, welche verschont wurden, wohlbehalten in sich barg. Doch das geht natürlich nicht lange gut, denn irgendwann bietet auch der beste englische Bus keinen sicheren Unterschlupf mehr, weswegen sich die verbliebenen Schüler, unter ihnen auch Bobby, die Protagonistin, durch die Landschaft hetzen, um den bedrohlichen Horden der Untoten und ihren kehligen Lauten entkommen zu können. Die Außenseiterrolle Robertas stellt die Autorin sehr gelungen dar, ich fühlte mit dem Mädchen, denn wer kennt das nicht: Man ist anders, man kleidet sich nicht wie die anderen Zicken aus der Klasse, man lackiert sich nicht den ganzen Tag die Nägel oder tritt irgendwelchen Girlie-Clubs bei, um ja nicht gemobbt zu werden und irgendwie dem Mainstream-Brei zu folgen. Typisches Highschoolfeeling inmitten britischem Schlechtwetter-Schneegestöber, perfectly Miss McKay. Sehr bildlich sprang das Kopfkino an, so bildhaft zeitweise, dass ich mich wirklich dabei ertappte, wie ich Seite um Seite um Seite blätterte und gar nicht mehr auf die Uhr sah.

Ich schlüpfe in den Gang hinaus und husche nach hinten zu Reihe 20, wo wir die Skiausrüstung verstaut haben. Vorsichtig ziehe ich einen Skistock hervor. Keine ideale Waffe, aber besser als gar keine. Meine Maschinenpistole habe ich in den Staaten gelassen. Ha ha. – Seite 96

Kirsty McKay spielt mit typischen Klischees, die wir auch aus Horrorfilmen kennen, sie nimmt selbige aufs Korn und flocht sie geschickt in die leicht skuril wirkende Handlung ein. Sie scheut sich nicht, unterschwellige Kritik an so manchem Missstand wie stupiden Fernsehsendungen oder amerikanischer Gesetzeslage zu üben und trägt dies mit viel Humor vor, was ich sehr gelungen fand und mich fortwährend zum Schmunzeln, ja zum Lachen brachte. Den locker leichten Erzählstil sowie die jugendlich eloquente Ausdrucksweise des Pageturners haben wir Frank Böhmert zu verdanken, welcher mit viel Einfühlungsvermögen für die junge lesende Zielgruppe der 14- bis 18jährigen eine sehr überzeugende Übersetzung geliefert hat, die auch den erwachsenen Leser anspricht und begeistern kann. Wir haben hier mal wieder einen Vertreter im Jugendbuchgenre, den man gut und gerne auch einem erwachsenen Leser mit einem gewissen Hang für ironisch-witzig-skurille Horrorlektüre auf den Nachttisch legen kann.

Als es Nacht wird, schrillt immer noch der Alarm der Tankstelle, brennt immer noch das Feuer und braut sich der nächste Streit zusammen. […] Von der Schufterei und dem Adrenalin ist uns warm geworden, aber jetzt ist es Nacht und die wird kalt werden – unerträglich kalt vielleicht sogar. Uns steht eine selbst erlebte Version dieser Schocker-Dokus im Fernsehen bevor, die so hübsche Titel tragen wie ›Wäre ich bloß auch gestorben‹ oder ›Die Überlebende – ich habe meine beste Freundin verspeist‹. – Seite 76

Ich hatte in den drei Tagen, die ich mit diesem Buch verbracht habe, viel Spaß gehabt und mich sehr gut unterhalten gefühlt. Dass ich ein wenig holprig durch die ersten Kapitel stolperte, ist neben der Tatsache, dass das Buch dann doch sehr jugendlich-syntaktische Züge hat, das einzige Kriterium, welches zum Abzug eines Leseherzchens führt. Als ich mich „eingelesen“ hatte und das Buch nicht länger bierernst nahm, konnte mich der spöttische Horrorroman durchweg für sich gewinnen.


Kirsty McKay | Untot. Lauf, solange du noch kannst
Chickenhouse Deutschland | Band 1 / 3 | Dezember 2012 | ab 14 Jahren
Klappenbroschur, 432 Seiten | 978-3551520418 | 14,95€
zum Buch beim Verlag


Informationen zur Trilogie:
→ #1 Untot – Lauf, solange du noch kannst!
→ #2 Untot – Sie sind zurück und hungrig
→ #3 Untot – ?

Mein Fazit: Spannende jugendliche Lektüre mit humorvoll-ironisch-kritischem Unterhaltungswert für alle, die gerne Bücher lesen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen und dabei noch Zombies jagen wollen!

Meine Wertung: 4of5

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7 Comments

  • Reply Gelesen, genossen & zugeklappt – Resumé November 2012 | Büchernische 1. Oktober 2014 at 13:03

    […] der Chickenhouse Verlag Deutschland eine tolle Aktion rund um Kirsty McKays Zombie-Pageturner »Untot. Lauf, solange du noch kannst«, dem ersten Band einer Trilogie rund um eine apokalytische Zombieinvasion im winterlichen […]

  • Reply Karina 10. März 2014 at 18:25

    Hey ich liebe die Bücher !! Gibt es inzwischen einen dritten Teil ?:)

    • Reply Sandra 10. März 2014 at 19:42

      Letztes Jahr im Herbst erschien der zweite Band, der dritte Band kommt demnach mit Sicherheit dieses Jahr, vielleicht schon im Sommer? Müsste ich mal in der Verlagsvorschau nachsehen oder den Übersetzer mal wieder stalken :-))

      Band II muss ich noch lesen, pssst! Nichts verraten g* Band 1 fand ich aber auch echt klasse, sehr witzig!

      Liebe Grüße!

  • Reply Frank Böhmert 18. Januar 2013 at 11:57

    Hey, Sandra!

    Es gibt rätselhafte Neuigkeiten ;-)

    http://frankboehmert.blogspot.de/2013/01/abgeliefert-meine-ubersetzung-einer.html

    Besten Gruß vom UNTOT-Übersetzer,
    Frank

    • Reply Buechernische 18. Januar 2013 at 18:06

      Ohhhh das hört sich gut an lieber Frank! Ich bin so gespannt, wie es weitergeht!

      Liebe Grüße von der UNTOT-Leserin ;-)
      Sandra

  • Reply Favola 2. Dezember 2012 at 12:29

    Hm, vielleicht sollte ich es doch einmal mit einer Zombie-Lektüre versuchen :-)

    Ich wollte dir übrigens noch kurz mitteilen, dass du auch aus Deutschland an meinem Gewinnspiel teilnehmen kannst. Ich wohne direkt an der Grenze und bringe Päckchen so in Deutschland zur Post :-)

    lG Favola

    • Reply Buechernische 2. Dezember 2012 at 12:43

      Liebe Favola,

      ohja, das Buch ist toll, ich mochte es :))

      Hey, das ist klasse, ich flitze sofort wieder zurück auf deine Seite ♥ die übrigens immer noch so schön winterlich aussieht *freu*

      Liebe Lesegrüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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