Rezensionen

Buchtipp | Juli: Kerstin Gier – Silber: Das erste Buch der Träume { Buchrezension}

1. Juli 2013

Nirgendwo lernt man einen Menschen besser kennen als in seinen Träumen, und nirgendwo kann man über seine Schwächen und Geheimnisse erfahren. – Henry, Seite 356

„Welch ein schöner, klangvoller Titel für ein Jugendbuch!“, sagte ich mir, als ich das erste Mal von Kerstin Giers neuer Trilogie, erschienen am 20. Juni im Fischer FJB Verlag, erfuhr. Die Autorin selbst ist trotz ihres großen Erfolges mit ihren Büchern auf dem Teppich geblieben: Der erste Band der Edelsteintrilogie wurde bereits verfilmt und die visuelle Umsetzung eines ihrer weiteren Bücher ist bereits in Planung. Nun hat die Bestsellerautorin den Grundstein für eine neue Jugendbuchreihe gelegt, mit Erfolg, wie ich selbst festgestellt habe. Denn auch ich konnte mich dem Sog von der Träume nicht entziehen und verschlang die 400 und ein paar Seiten in der Nacht vom 22. Juni 2013 und am darauffolgenden Morgen, während der Silbernacht. Nicht nur dieses Event machte Spaß, auch Kerstin Giers Buch machte Spaß und so möchte ich euch heute meine Meinung zu »Silber, das erste Buch der Träume« – ein Buch, das gerade in (fast) aller Munde ist – mitteilen.

Lasst uns gemeinsam träumen…

u1_978-3-8414-2105-0Liv Silber, oder eigentlich Olivia, hat vielbeschäftigte Eltern. Ihre Mutter ist Literaturwissenschaftlerin und wechselt ehrgeizig Jahr um Jahr von Lehrstuhl zu Lehrstuhl, ihre entnervten Töchter Olivia und Mia mitsamt Kindermädchen Lottie rastlos mit sich schleppend. Livs Eltern sind getrennt, ihr Vater, von Beruf Ingenieur, war ähnlich ruhelos wie seine Exfrau. Dieses Mal führt der Weg für Mutter und die Geschwister nach Oxford, doch aus der anfänglichen Freude über ein niedliches Cottage außerhalb Londons wird jäh Unmut, als ihre Mutter bei dem Mann einzuziehen gedenkt, der ihr den Lehrauftrag an der Universität verschafft hat: Mr. Planänderung alias Ernest Spencer. Auch die Kinder des neuen Stiefvaters, Florence und Grayson zeigen sich nicht sonderlich begeistert von dieser Idee. Doch das ist nicht alles. Grayson scheint ein Geheimnis mit sich zu tragen und zu allem Überfluss taucht der junge Mann auf einmal in Livs Träumen auf. Seltsame Dinge gehen vor sich, ein unheimliches Ritual, Türen mit Eidechsenknauf und ein düsterer Friedhof bei Nacht wabern durch Livs Verstand. Träumt sie? Oder passiert das hier wirklich?

Düster-atmosphärisches Design

Ein großes Auge starrt mir aus dem Zentrum des Covers entgegen, darüber prangt der Titel in silbernen Buchstaben und auch die restlichen Illustrationen auf dem Cover von »Silber« Band #1 sind sehr hübsch anzusehen: florale Elemente, eine stilisierte Eidechse mit einem Schlüssel an der langen Zunge, eine rot akzentuierte Eule und der Schriftzug „dream a little dream“ vervollständigen den gelungenen Gesamteindruck der Umschlagillustration. Darunter verbirgt sich ein feuerroter Buchdeckel, auf welchem eine geheimnisvolle Tür zu sehen ist. Auf dem Vorsatzpapier findet sich neben einem schicken Muster auch noch ein Plätzchen für Ex Libris-Eintragungen. Die floralen Rankenverzierungen setzen sich auch im Buch selbst fort und zieren die Buchseiten – ein rundherum gelungenes grafisches Designkonzept, das mir sehr gut gefiel. Vom Stil her erinnerte mich die Aufmachung an die Edelsteintrilogie, die im Scherenschnittdesign daher kam und ebenfalls eine Augenweide ist.

Interessante Grundidee!

Kerstin Gier hat sich ein spannendes Thema für ihre neue Trilogie ausgesucht: Sie lässt ihre Protagonisten träumen. Das klingt nun nicht ungewöhnlich, doch sie träumen nicht allein. Die Charaktere in »Silber« sind fähig, bewusst einander im Traum zu begegnen und das eröffnet spannende Voraussetzungen für ein düsteres und auch sehr geheimnisvolles Buch. Meine anfänglichen Bedenken, ob mir der Schreibstil eventuell zu jugendlich pubertär wäre, zerstreuten sich bereits auf den ersten Seiten. Kerstin Gier schreibt locker und frech, doch sie übertreibt nicht mit sogenanntem coolen Slang und trägt bei weitem nicht so dick auf wie viele ihrer amerikanischen Autorenkolleginnen. In der Vergangenheit war ich oft genervt, nicht weil mir Charaktere zu naiv vorkamen – das gehört zur Pubertät einfach dazu – sondern weil der Schreibstil gekünstelt, aufgesetzt und unecht wirkte.

Ich hatte einen wirren Traum gehabt, der auf dem Highgate-Friedhof spielte und eine Art Geisterbeschwörung beinhaltete, in deren Verlauf ich unglücklicherweise auf einem Altar in der Mitte eines brennenden Drudenfußes gelandet war. So weit, so verrückt. Aber keineswegs ungewöhnlich. – Seite 130

Wie froh war ich, dass Kerstin Gier mit witzigem und schwarzem Humor zu unterhalten wusste, eine eloquente Wortwahl in den Mund ihrer jungen Figuren legte und mich ein ums andere Mal zum schmunzeln brachte. Sehr oft griff ich zu meinen Buchdarts und markierte Textstellen, die mit dem einen oder anderen Zitat sicherlich auch den Weg in diese Rezension finden werden, aber auch in meiner Zitatesammlung ein Plätzchen bekommen.

Humorvoll, witzig, gut durchdacht – tolle Mischung!

Kerstin Gier wählt die Ich-Perspektive, um uns aus Liv Silbers Sicht eine rundherum spannende Story zu liefern und mir gleichzeitig eine Protagonistin vorzustellen, deren Wesen und Charakterentwicklung mir recht gut gefiel. Liv Silber ist ein sympatisches, junges Mädchen, besticht durch intelligentes, logisches Handeln und hat mich in ihrer unkomplizierten Art sofort für sich begeistern können. Schön zu sehen, wie sie sich im Laufe der Handlung entwickelt, mitdenkt und mich mit ihrem flapsigen, jugendlichen Charme durch ihre Träume führt. Es wurde nie langweilig, noch eine weitere Traumtür zu öffnen und zu sehen, was sich dahinter verbirgt. Gerade das machte den Spannungsverlauf in »Silber« aus: Der Plot wechselt zwischen der realen Welt des Schulalltages, dem damit verbundenen familiären Umfeld und der nächtlichen Traumwelt hin und her. Befanden wir uns eben noch beim Abendessen, so wechselt der Handlungsort im nächsten Kapitel schon in die Traumwelt. Die Autorin beschreibt die Welt der Träume mit viel Liebe zum Detail und lässt dennoch ausreichend Raum für die Phantasie und Spekulationsbereitschaft des Lesers.

Und sagen sie, das Leben sei ein Traum: das nicht;
nicht Traum allein. Traum ist ein Stück vom Leben.
Ein wirres Stück, in welchem sich Gesicht
und Sein verbeißt und ineinanderflicht (…) – Seite 132

Spannungseinbrüche? Keine Spur! Kerstin Giers Einsteig in Livs Traumwelt birgt Suchtpotential und ihre Idee ließ mich federleicht durch die Seiten schweben. Ehe ich mich versah, war das letzte Wort gelesen und ich schloss mit Wehmut den Buchdeckel, denn es hat wirklich Spaß gemacht, diesen Trilogieauftakt zu lesen. Ich hätte am liebsten noch weiter gelesen, immer weiter geträumt, mich in den Träumen verloren und mich in der zarten und wirklich romantischen Liebesgeschichte verloren. Ja, auch Romantikfans kommen auf ihre Kosten und das, obwohl die Protagonistin Miss Silber doch immun gegen Jungs ist? Wie schnell man seine Vorsätze über Bord werfen kann. Es war wirklich für alle Sinne etwas dabei: eine leichte, junge Romanze, Spannung und Mystik um einen Dämon, den Herrscher der Träume – eine gelungene, spannende Mischung!

»Ich zeige dir meine Tür, wenn du mir deine zeigst«, sagte er dann. – Seite 157

tittletattleblogDas I- Tüpfelchen bildete der im Buch auch grafisch und in anderer Schriftart dargestellte Tittle-Tattle-Blog, den ihr übrigens wirklich besuchen könnt – ein netter, kleiner Marketing-Gag des Fischer Verlags. Bis zum letzten Wort spekuliert der Leser, wer sich hinter dem geheimnisvollen Schreiberling namens Secrecy verbirgt. Ganz ehrlich? Ich habe da ja so meine Vermutungen angestellt, wer es sein könnte, aber Kerstin Gier verrät es uns (noch) nicht. Habt ihr eine Vermutung wer hinter der geheimnisvollen Person stecken könnte?

Mein Fazit: Ein gelungenes, erfrischend humorvolles Jugendbuch, voller spannender Momente und interessanten Charakteren, das man so schnell nicht mehr aus der Hand legen kann. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen, um mit Liv hinter geheimnisvolle Türen zu blicken und freue mich schon auf die Fortsetzung! Eines ist gewiss: Ich muss nun die Edelsteintrilogie lesen, denn »Silber« macht Lust auf mehr Kerstin Gier!


Kerstin Gier | Silber, das erste Buch der Träume
Fischer KJB | 20. Juni 2013 | Reihe: Trilogie, Band 1 von 3 | Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Hardcover, 416 Seiten | 978-3-8414-2105-0 | 18,99€
zum Buch beim Verlag


Informationen zur Reihe:
Silber: Das erste Buch der Träume
Silber: Das zweite Buch der Träume
Silber: Das dritte Buch der Träume8. Oktober 2015

Meine Wertung

5of5

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14 Comments

  • Reply {Blogparade} Der beliebteste Blogartikel | Büchernische 16. Juni 2015 at 11:31

    […] Kerstin Gier – Silber: Das erste Buch der Träume | Band 1, Trilogieauftakt – Rezension […]

  • Reply {Nischenpost #31} Die Buchcover-WM & meine Glücksfee | Büchernische 16. August 2014 at 13:49

    […] erwarte ich mit Spannung, denn der erste Band der Silbertrilogie aus dem Fischer FJB Verlag gefiel mir sehr gut. Das Cover ist aber auch wirklich eine Augenweide. Ich erinnere mich noch gut an die Silbernacht […]

  • Reply Jolie 8. Juli 2013 at 23:26

    Guten Abend, Sandra!

    Das Layout ist wirklich toll und passend zum Inhalt des Blogs. :) Hast du mit Photoshop gearbeitet?

    Und „Silber“ ist bereits auf meiner Wunschliste, gelesen habe ich es bisher aber noch nicht.

    • Reply Buechernische 9. Juli 2013 at 08:34

      Huhu liebe Jolie,

      ♥ freut mich sehr, dass es dir gefällt! Ja, ich arbeite nur mit Photoshop, sowohl privat als auch beruflich ;-)

      Liebe Guten-Morgen-Grüße
      Sandra

  • Reply Jolie 7. Juli 2013 at 21:57

    Wirklich tolle Rezension, du gibst dir wirklich immer sehr viel Mühe. :)

    Und das neue Layout ist auch toll geworden. :)

    • Reply Buechernische 8. Juli 2013 at 10:34

      Guten Morgen liebe Jolie,

      dankeschööön! ♥ du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich darüber freue, dass das neue Layout gut angekommen ist :-)
      Hast du Silber auch schon gelesen?

      Viele liebe Grüße und einen guten Wochenstart!
      Sandra

  • Reply Lilienlicht 3. Juli 2013 at 07:53

    Hallo Sandra,

    das kann mal wieder mal nur WOW sagen. Deine Rezensionen hauen mich immer wieder vom Hocker und lassen meine Wunschliste wachsen! Silber hat es sich da schon gemütlich gemacht, aber wenn ich deine Rezension hier so lese, bekomme ich wirklich Lust direkt in den nächsten Laden zu gehen und es zu kaufen. Zufällig bin ich heute im Thalia, wer weiß *g*

    Ich bin generell sehr gespannt auf Kerstin Gier. Die Edelstein-Trilogie wartet schon sehnsüchtig auf meinem SuB und möchte gelesen werden und zusätzlich habe ich mir auch noch etwas aus ihrem Chick-Lit Repertior bestellt. Ich denke, Kerstin Gier hat Potiental „Lieblingsautorin“ zu werden und ich muss wirklich in naher Zukunft mal etwas von ihr lesen.

    Danke für deine wunderbare Einschätzung <3

    Liebe Grüße aus der "Nachbarschaft",
    Lilienlicht =(^-^)=
    aka Diana

    • Reply Buechernische 3. Juli 2013 at 09:29

      Guten Morgen liebe Diana ♥

      Grüße in die Nachbarschaft und einen schönen Tag wünsche ich dir! Du hast die Edelsteintrilogie also auch noch nicht gelesen, puh. Dann bin ich nicht alleine :-) ich glaube, ein Chicklitbuch habe ich sogar von ihr, habe ich mal geschenkt bekommen, ein rosa Buch mit einem Esel drauf, glaube ich. Aber Chicklit ist nicht so mein Ding…

      Na los, kauf‘ dir Silber :-) husch, husch gg*

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Kora 2. Juli 2013 at 10:36

    Wenn deine Worte nicht einer fahnenwehenden Empfehlung entsprechen, dann weiß ich auch nicht. Traumhaft!

    Versilberte Grüße,
    Kora

    • Reply Buechernische 2. Juli 2013 at 10:45

      Danke liebe Kora ♥ hast du Silber auch schon gelesen?

      Ich habe gerade gesehen, dass du mir ebenfalls den Lovely Book Award verliehen hast, das ist nunmehr das dritte Mal ♥ ich freue mich so, fühl dich einfach mal gedrückt! Ich hoffe, wir sehen uns bald mal wieder, auf der LBM kamen wir ja nicht mehr richtig zum Unterhalten ;-)

      Viele liebe träumerische Grüße
      Sandra

  • Reply Philip 1. Juli 2013 at 20:32

    Wenn man deine Rezension liest fängt man gleich an zu träumen und zu schwärmen ohne das man das Buch auch nur gelesen hat. Eine tolle Rezension die mich unglaublich neidisch macht, da ich das Boch (noch) nicht habe :/
    Auf jeden Fall ist deine Rezi super überzeugend und macht Lust auf mehr, weiter so liebe Sandra :)

  • Reply Charlyne Semrau 1. Juli 2013 at 20:27

    Hey…
    Was für eine tolle Rezi du doch wieder geschrieben hast! Ich habe mir das Buch noch nicht gekauft, aber es juckt in den Fingern! Nach dieser wunderschönen Rezi noch viel mehr!

    Liebe Grüße
    Charly

  • Reply Steffi von his-and-her-books 1. Juli 2013 at 18:41

    Das Zitat von Seite 130 habe ich auch <3

    Freut mich, dass es dich ebenso begeistern konnte wie mich. Und ich kann dir in allen Punkten zustimmen. Insbesondere war ich froh, dass es nicht auf ZU JUGENDLICH getrimmt war :-)

    glg
    Steffi

    • Reply Buechernische 1. Juli 2013 at 18:46

      Huhu Steffi ♥

      jaaa, ich habe ehrlich gesagt ein bisschen Bammel diesbezüglich gehabt, wenn ich da an Elizabeth Miles denke, ohje. Aber Kerstin Gier schreibt ganz anders, da war ich richtig mit Freude dabei!

      Mir gefällt das Gedicht von Seite 132 auch so gut, es ist so romantisch…

      Liebe Grüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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