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Lesehighlight 2013: Kai Meyer – Asche & Phönix {Buchrezension}

3. Januar 2013

Liebe Fantasyfans,

Ruhm, Glamour, Blitzlichtgewitter, Medienrummel – bekannt zu sein, ein Star zu sein – das hat seinen Preis. Kai Meyer, Autor zahlreicher bekannter Fantasyreihen wie die Arkadientrilogie und Wolkenvolktrilogie, hat ein stand-alone geschrieben, das mich von den ersten Seiten an packen konnte. »Asche & Phönix« erschien am 26. November 2012 im Carlsen Verlag und ist zurecht ein sehr gefragtes Buch. Diesen fesselnden Pageturner rund um Parker Cale & Ash möchte ich euch heute vorstellen.

Ruhmesglanz

Kai Meyer - Asche und PhönixParker Cale ist ein gefeierter junger Star, die Mädchen liegen im zu Füßen, die Verfilmung der Trilogie „The Glamour“ ist ein voller Erfolg und öffnet ihm sämtliche Türen. Doch Parker hat die Nase voll vom goldenen Käfig, den sein Vater, Medienmogul Royden Cale um ihn herum aufgebaut hat. Auf seiner Flucht vor Ruhmesglanz und vermeintlich glücklichem Luxusleben trifft er auf Hoteldiebin Ash, ein unscheinbar wirkendes Mädchen, das einen Lebensstil pflegt, der gegensätzlicher nicht sein kann. Ash hilft dem Star und entdeckt dabei Seiten an ihm, die wohl kaum einer ahnen konnte. Ehe sie es sich versieht, befindet sie sich mitten in einem tiefen Strudel aus Angst, Lüge und dunklen Mächten…

Schmuckstück im Bücherregal

polaroidBevor ich auf die inhaltlichen Aspekte eingehe, möchte ich euch erst einmal ein wenig zu diesem wundervoll gestalteten Äußeren erzählen. Der Carlsen Verlag hat sich redlich Mühe gegeben, dem Roman eine ansprechende visuelle Gestaltung zu geben. Nicht nur das Umschlagbild mit seinem typografisch sehr eindrucksvoll gestaltetem Schriftbild – wie handgezeichnet mit einer Feder in weißer und schwarzer Tusche – sowie der Fotografie eines französischen Landstrichs ist ein Augenschmaus; der Genuss setzt sich auch nach dem Ablösen des Umschlags fort. Der Einband wurde farbig bedruckt, Polaroids, eilig mit Tesafilm auf einen im Grunge-Design gestalteten Untergrund geklebt, visualisieren eine wichtige Thematik des Buches, auf den ich nun nicht näher eingehen werde, da es sonst spoilern würde.Vervollständigt wird der gelungene Gesamteindruck durch ein Lesebändchen.

Ein weiteres Highlight ist das Feature »eBook inklusive«. In der ersten Auflage ist im Kaufpreis des Buches eine digitale eBook-Version wahlweise im epub- oder mobi-Format enthalten, so dass man auch bequem unterwegs oder abends im Bett im Buch schmökern kann. Das wünsche ich mir ehrlich gesagt öfter, da ich ja nun auch in den Genuss eines eReaders komme und somit öfter digital lesen werde.

Fesselnd bis zur letzten Seite!

Als ich den Roman das erste Mal im Netz sah, das Cover betrachtete und den Klappentext las, wusste ich sofort: Das muss ich lesen. Schon Wochen vorher fieberten alle dem neuen Buch aus Kai Mayers Schreibschmiede entgegen, dieses Mal sollte es keine Trilogie werden, ein in sich abgeschlossener Plot machte neugierig. Jetzt, da ich es zu Ende gelesen habe, in sehr kurzer Zeit, die Seiten flogen nur so dahin, würde ich behaupten: Da ist noch Potential für ein zweites Buch.

»Asche & Phönix« ist mein erstes Buch des sympatischen Autors; ich hatte schon einmal in den ersten Band der Arkadientrilogie »Arkadien brennt« hineingeschnuppert und auch die Comic-Adaptionen aus dem Splitter Verlag sind mir ein Begriff, welche selbst mich – die außer Asterix eigentlich keine Comics in die Hand nimmt – begeistern kann. Sein zeichnerisches Talent bewies Kai Meyer ja auch schon mehrfach, zuletzt als er uns seine aus den 80er Jahren stammende Tuschezeichnung eines über einem Buch gelehnten Dämons präsentierte. Sehr passend auch gerade im Zusammenhang zu diesem Buch.

Ash

Die Entwicklung beider Charaktere im Verlauf der Handlung ist bemerkenswert gut geschrieben. Vielschichtig und authentisch zeichnet der Autor das Bild einer schillernden Welt im goldenen Käfig, mitten darin sitzt Parker Cale und verkörpert die heiß begehrte  aber damit ganz und gar nicht glückliche magische Filmfigur Phönix Hawthorne. Als Kontrastprogramm wird uns Ash – zu deutsch Asche,  metaphorisch wie wortwörtlich zu betrachten – vorgestellt, fernab des Trubels lebt sie in der harten Realität einer Straßenvagabundin, schlägt sich mit Diebstahl und „spurlosen Wohnungseinbrüchen“ durch und kann mit der prachtvollen Prunkwelt eines Milliardärssohns so gar nichts anfangen.

Der Roman ist eine sehr gelungene Mischung aus realitätsnahem Fankult rund um einen Superstar, dämonisch-dunklen Energien, die wie schwarzer Rauch durch die Seiten wabern und einer leichten, romantischen Liebesgeschichte, nicht aufdringlich sondern so zart, dass sie sich perfekt in die Geschichte einfügt. Kai Meyer verstand es, mich eine ganze Weile darüber im Ungewissen zu lassen, mit welchen Wesen wir es hier zu tun haben. Das Element Fantasy kam erst später im Buch zu Tragen, der erste Akt – so lautet auch die Bezeichnung der Buchabschnitte – war bestimmt von Blitzlichtgewitter auf der einen und der konträren Geschichte rund um das geheimnisvolle Mädchen Ash, das von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung zieht, rastlos, heimatlos, elternlos. Ich finde diese Idee, den Fluch des Ruhms wortwörtlich als Ursprung dunkler Mächte zu sehen, fantastisch. In Verbindung mit einem weiblichen Wesen, das den von Dämonen gejagten Protagonisten mit wahrem Interesse für seine Person, nicht für das was er darstellen soll, begegnet, hat Kai Meyer eine Story geschaffen, die mich völlig mit sich gerissen hat.

Das hört sich im ersten Moment an, als würden hier die typischen Klischees bedient werden, doch Kai Meyer gelingt es, diese beiden konträren Welten so plastisch, kontrastreich und farbenfroh zu umschreiben – mit seinem ganz eigenen, eloquent-intelligenten Schreibstil – dass es gerade zu eine Freude ist, sein Kopfkino zu aktivieren und die bunten Bilder, welche auf der Leinwand der Vorstellungskraft zu sehen sind, auf sich wirken zu lassen.

Mittendrin statt nur dabei…

Ich fieberte mit den beiden Gejagten, hetzte durch die eindrucksvoll geschilderte Landschaft Frankreichs und sog förmlich das Bild ein, was sich mir zwischen den Zeilen bot. Man spürt die ausführliche Recherchearbeit welche Kai Meyer an den Tag gelegt hat, es deutete zudem vieles darauf hin, dass er selbst sehr begeistert von Landschaft, Lebensart und der Küche Frankreichs ist. So lebendig und farbenfroh die Umgebung und Gefühle beschrieben waren, so eindrucksvoll und intensiv wirkten sie auf mich als Leser. Am nachdrücklichsten ist mir da die Szene in Lyon im Gedächtnis geblieben, ich konnte die Atmosphäre förmlich spüren, den Wein schmecken, den Innenhof mit seiner Beleuchtung und der Lyrik rezitierenden Nebenfigur. Das ist mit Abstand eine meiner Lieblingsstellen in diesem Fantasyroman.

Kai Meyer - Asche & Phönix, Seite 253

Selten hatte ich so ein intensives Gefühl, mittendrin im Geschehen zu sein. Das Herz pochte, als die beiden durch die Straßen Londons rasten und ich wischte eine Träne weg, als sympatische Charaktere ihren letzten Atemzug aushauchten. Merkt man die Begeisterung für dieses Buch? Ich glaube, der Meyer’sche Schreibstil beflügelt zu Lobeshymnen. Mal ganz ehrlich: Ich bin froh, es nicht mit der typischen 0815-Story zu tun gehabt zu haben, ich war erleichtert nicht noch einen Vampir durch die Lüfte flattern zu sehen und schimmernd im Mondlicht bewundern zu müssen. Kai Meyer sticht aus der Masse hervor, er ist für mich ein ganz besonders überzeugender Autor und ich bin mir sicher, auch seine anderen Bücher unbedingt lesen zu wollen.


Kai Meyer | Asche & Phönix
Carlsen Verlag | 27.11.2012 | ab 14 Jahren
Hardcover, 464 Seiten | 9783551582911 | 19,90€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Unbedingte und uneingeschränkte Leseempfehlung für alle, die tief in eine Geschichte eintauchen wollen & Plots mit einer Mischung aus Realität, Horrorelementen und vielschichtiger Fantasystory lieben! Eines der besten Bücher Kai Meyers!

Meine Wertung5of5

PrädikatLesehighlight 2012

Prädikat Buechernische Lesehighlight

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17 Comments

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  • Reply Andrea 6. Februar 2013 at 14:20

    Die Rezension ist richtig schön. Jetzt bin ich umso gespannter auf das Buch. Bei mir subt es noch, muss auch leider noch einige Zeit warten, da ich erstmal an ein paar Leserunden teilnehme.

    LG Andrea

    • Reply Buechernische 6. Februar 2013 at 14:39

      Asche & Phönix war eines meiner Highlights im vergangenen Jahr, ein absolut klasse Buch!

      *zwinker* jaaa, das kenne ich :) ich habe sooo viele tolle Bücher hier, aber eben auch Fristen für Rezensionsbücher, über die ich mich natürlich genauso freue, darunter das aktuelle von Boris Koch „Vier Beutel Asche“ oder ein im März erscheinendes Buch sowie R.J. Palacios „Wunder“. Liest du auch bei Lovelybooks.de mit?

      Liebe Grüße

      • Reply Andrea 6. Februar 2013 at 15:15

        „Wunder“ steht auch auf meine WL. Ja ich bin bei Lovelybooks, mach aber auch bei Leserunden auf Leserunden.de mit. Da startet die nächste, wo ich mitlesen will Anfang März „Der Sarg“ von Arno Strobel. Auf LB starten die Tage mehrere LR, wo ich dabei bin, ich warte schon sehnsüchtig auf die Bücher ;)

        LG Andrea

        • Reply Buechernische 6. Februar 2013 at 15:18

          Ouhi bei der Lesechallenge geht es auch um Arno Strobels „Der Sarg“, machst du mit? :) ich passe diesen Monat, ich habe sooo viel anderes zu lesen.

          • Andrea 6. Februar 2013 at 15:31

            Nein die Lesechallenge mach ich diesen Monat auch nicht mit, das pack ich zeitlich nicht, deswegen mach ich die andere LR dann im März dazu mit, bis dahin hab ich hoffentlich die anderen Bücher gelesen, wenn sie denn endlich mal eintrudeln und nicht alle auf einen Schlag ankommen ;) Sonst muss ich Nachtschichten einlegen.

          • Buechernische 6. Februar 2013 at 15:33

            Nachtschichten sind wohl hier auch angesagt, wenn ich nicht fertig werde mit den vielen Büchern :-) aber ich mach’s gerne ♥ was liest du denn in den nächsten Wochen so?

          • Andrea 6. Februar 2013 at 16:05

            Auf dem Plan stehen : „The Weepers“ von Susanne Winnacker, „Kirschroter Sommer“ von Carina Bartsch, „Tote essen kein Fastfood“ und „Jägermond 2“ Ich bin gespannt auf die Bücher.
            Welche hast du denn auf deinem Leseplan?

          • Buechernische 6. Februar 2013 at 16:35

            Nur so ein paar… :-)

            ·· Boris Koch – Vier Beutel Asche (lese ich gerade)
            ·· Timur Vermes – Er ist wieder da (höre ich gerade)
            ·· R.J. Palacio – Wunder
            ·· Ivonne Keller – Hirngespenster
            ·· Tahereh Mafi – Ich fürchte mich nicht
            ·· Richard Ungar – Die Time Catcher
            ·· Camilla Läckberg – Der Leuchtturmwärter
            ·· Corina Bomann – Und morgen am Meer
            ·· Alex Morel – Survive – Wenn der Schnee mein Herz berührt habe ich vergessen g*

          • Andrea 6. Februar 2013 at 16:45

            Na da hast du ja ordentlich was vor. Viel Spaß dabei.
            Survive hab ich auch ganz weit oben auf meiner WL, zur Zeit darf ich keine Buchhandlung betreten, es sei denn ich Gewinn vorher im Lotto und Fahr mit LKW vor *g*

          • Buechernische 6. Februar 2013 at 16:47

            *lach* mhjaaaa, ich hab erstmal keine Lese-Langeweile :-) ein LKW voller Bücher.. ich brauche eine neue Wohnung, nur für Bücher g*

  • Reply Charlousie 4. Januar 2013 at 18:10

    Boah, ist das eine tolle Rezension!!
    Diese tolle OPTIK und das DESIGN alleine *_* Da sind beim Lesen meine Augen ganz glasig geworden… !

    Und indem, was du schreibst, kann ich dir auch nur zustimmen.
    Da habe ich mit dem Hörbuch aussehensmäßig echt Pech gehabt! ;-) Denn alles unterm Schutzumschlag ist im Hörbuch natürlich NICHT abgedruckt/zu sehen…
    Naja, die Geschichte ist ja das Wichtigste.
    Liebe Grüße und weiter so,
    Charlousie

    • Reply Buechernische 4. Januar 2013 at 19:10

      Liebe Charlouise,

      oh dankeschööööön ♥ nun bin ich aber ein wenig gerührt :-) freut mich sehr, dass dich meine Worte so verzaubern konnten! Ich habe mir redlich Mühe gegeben, meine Begeisterung für das Buch in Worte zu fassen. Umso schöner, dass es mir gelungen ist :-)

      Ich bin grade ein richtiger Kai Meyer Fan geworden!

      Liebe Lesegrüße
      Sandra

      • Reply Charlousie 4. Januar 2013 at 23:49

        Und wie dir das gelungen ist!!! :)
        Du solltest wirklich mal „Arkadien“, seine „Fließende Königin-Trilogie“ und oder noch „Wellenläufer-Trilogie“ lesen. Übrigens ist „Arkadien brennt“ der zweite Band der Trilogie! ;-) „Arkadien erwacht“ ist der erste. Habe ich vorhin doch glatt überlesen…

        Schönen Abend noch!!

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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