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Lesehighlight: John Green »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« {Buchrezension}

29. September 2012

Als ich die Inhaltsangabe zu John Greens Jugendbuch »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« zum ersten Mal bei lovelybooks.de durchlas, wusste ich sofort: DAS muss ich lesen! Ich habe auch Jenny Downhams »Bevor ich sterbe« aus dem Randomhouse Imprint cbt Verlag, das ebenfalls von einem krebskranken Mädchen handelt, in meinem Bücherregal bzw. auf dem Stapel ungelesener Bücher liegen. Das Thema interessierte mich also sehr, ich wollte wissen ob es einfach nur ein Buch war, das sich um die Leidensgeschichte eines jungen Menschen drehte oder ob mehr dahinter steckte. Ohja, und wieviel mehr dahinter steckte! Das Buch und der Autor landen hiermit auf der Top 50 meiner absoluten Lieblingsbücher. Ich hätte nicht gedacht, dass mich dieses Buch so gleichermaßen zum Lachen wie auch zum Weinen bringen konnte…

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

© Hanser Verlag

Hazel ist ein junges 16jähriges Mädchen und sie hat Krebs. Man trifft sie nie ohne ihre Sauerstoffflasche an, ihr „zweites, metallenes Ich“ wie ich es fast bezeichnen könnte, denn Hazels metastasierender Schilddrüsenkrebs lässt sie kaum noch selbstständig atmen. Ihre Mutter denkt daher, dass es wohl das Beste für ihre Tochter sei, zu einer Selbsthilfegruppe zu gehen, damit ihre vermeintlich depressive Verstimmung sich bessert und sie wieder unter Leute kommt. Doch Hazel hat darauf keine Lust, sie hört lieber Musik, liest Bücher – aber keine Krebsbücher! Nachdem sie sich doch überreden ließ, ihrer Mutter zuliebe zur Sitzung der Gruppe zu gehen, lernt sie Gus kennen, der sein Bein durch ein Osteosarkom verloren hat und verliebt sich in den smarten Jungen mit den klaren blauen Augen…

…mit einem lachenden & einem weinenden Auge!

Der erste Eindruck des Buches bot sich mir neben der Inhaltsangabe mit dem gelungenen Cover. Farbgebung, Fontauswahl und Gesamtkomposition wirken stimmig und gefielen mir sofort schon allein aufgrund seiner Schlichtheit. Habe ich schon die kleine Pusteblume erwähnt, die auf der rechten Seite des Titels zu sehen ist? Das Motiv setzt sich auf rotem Grund auf dem inneren Buchdeckel fort, leicht davon schwebend, wie ein Symbol für die Unbeschwertheit, die das Buch trotz seines dramatischen Themas transportiert. Ich liebe Pusteblumensamen, ich zeichne sie selbst gerne. Kleine aber feine Details, die das Cover zusätzlich zu einem Hingucker machen.

John Greens brilliantes von wunderbar trockenem teils ironischem Humor durchwirktes Jugendbuch über Hazel, ein Mädchen, das nicht beabsichtigt still und leise von der Welt zu verschwinden, ohne noch einmal richtig etwas erlebt zu haben, hat mich tief berührt und gleichzeitig zum Lachen gebracht. Ich habe geweint, gekichert, gelacht, mir auf die Knie gehauen, traurig langsam weitergeblättert, gehofft und gebetet dass alles ein gutes Ende nimmt. Kurz gesagt: Das Buch hat mich gepackt und nicht mehr losgelassen!

Schmerz verlangt, gespürt zu werden.

John Greens leichter, humorvoller Erzählstil aus der Sicht des Mädchens in der Ich-Perspektive trägt gerade zu durch das Buch, ich musste immer weiter und weiter lesen, man wünscht sich richtig während des Lesens dass ein Wunder geschieht und die Krankheit sich in Luft auflöst. Wie naiv dieser Wunsch ist, merkt man spätestens, wenn man zwischen den Zeilen feststellt, wie schlecht es um das Mädchen steht. Doch John Green zeichnet eine starke Persönlichkeit, eine Kämpfernatur mit viel Witz und Humor, voller Lebensfreude ganz gleich wie lange dieses Leben noch dauern möge. Ich habe keine Beschwerden gelesen, im Gegenteil, Hazel hat ein klares Ziel vor Augen. Ich werde jetzt nicht verraten, ob sie dieses Ziel am Ende der 25 Kapiteln erreicht. Aber es sei verraten, dass Hazel ein ganz bestimmtes Buch sehr gut findet, doch der Ausgang der Geschichte befriedigt sie nicht, denn es hat ein offenes Ende, präzise ausgedrückt endet der letzte Satz einfach, ohne dass man wei….. ja genau so in etwa! Dieses Buch, ihr Lieblingsbuch, heißt »Ein herrschaftliches Leiden« und wurde von einem holländischen Autor namens Peter van Houten geschrieben. Hazels größter Wunsch ist es, den Autor persönlich zu fragen, wie sein Buch denn nun eigentlich endet, was mit den Charakteren passiert. Sie möchte Klarheit und diese Klarheit spiegelt sich auch in ihrem Charakterbild wieder.

Ich besiege die Zeit, die verhüllt und entschleiert, die Zeit, die uns mit den Toten vereint, die Zeit, die wie das Wasser zerstört, was sie nährt. – Peter van Houten, Schriftsteller

Geradezu beschwingt beschreibt der Autor die Gefühle der Protagonistin zu Gus. Charmant wie kein zweiter zeigt uns John Green, wie zart eine Liebe sein kann und mit welchen Problemen zwei krebskranke Teenager zu kämpfen haben, wenn sie einander wie jedes andere Liebespaar näher kommen wollen. Gus ist wie ein Seelenverwandter für die junge Frau, wie ein Lichtstrahl in ihrer Dunkelheit der Krankheit, wie ein Wirbelwind fegt er durch ihren Alltag zwischen Chemotherapie und Selbsthilfegruppe, zwischen Bibap-Atemmaske und Beinprothese. Augustus, so sein vollständiger Name, gibt ihr mehr Lebensfreude als jemand anderes es vermag. Nicht, dass sie sich aufgegeben hätte, aber sie erfährt nun das erste Mal in ihrem jungen Leben, was wahre Liebe bedeutet. Gemeinsam philosophieren die beiden über die Ungerechtigkeit des Krankseins, über die mangelnde Logik der Schöpfung, solche Mutationen wie Krebs zuzulassen und weigern sich überzeugend erfolgreich, dem Klischee eines krebskranken Dahinsiechenden gerecht zu werden.

Deswegen mag ich dich […] Du bist so vertieft darin, du zu sein, dass du keine Ahnung hast, wie absolut nie da gewesen du bist.

Der philosphische Part des Buches war sehr interessant zu lesen und ist spätestens aufgrund dieser Passagen nicht nur ein Buch für Jugendliche. Es spricht alle Altersklassen an, es macht Mut, es rüttelt wach denn wie oft vergisst man, wie kurz das Leben sein kann. Es vibriert voll Emotion zwischen den Seiten und ich wünschte, das Buch hätte nicht nur 285 Seiten gehabt, es hätte noch unendlich weitergehen können. Ich habe Greens Bestseller in zwei Tagen durchgelesen, am ersten Abend verschlang ich geradezu die erste Hälfte und einzig die Tatsache, dass mir die Augen vor Müdigkeit zufielen, hinderte mich daran Roman in einem Rutsch zu genießen.

Ein paar Worte zum Autor

John Greens Debütroman »Eine wie Alaska« aus dem Jahr 2007 stürmte geradezu durch die jugendlichen Herzen und in kürzester Zeit erlangte er regelrechten Kultstatus. Genährt wurde dies noch durch seinen gemeinsam mit dem kleinen Bruder gegründeten Videokanal auf Youtube. Als Green schließlich bekanntgab, dass jedes seiner vorbestellten Exemplare in den USA von ihm persönlich signiert werden würde, brach ein regelrechter Ansturm der Begeisterung los. Auch sein nun jüngstes Buch, dessen Titel im amerikanischen Original  »The Fault in our Stars« heißt, war und ist nach wie vor ein großer Erfolg sowohl in den USA als auch auf dem deutschen Buchmarkt, und das zurecht!


John Green | Das Schicksal ist ein mieser Verräter
Original: The Fault in our Stars, Januar 2012 | 
Übersetzung: Sophie Zeitz
Hanser Verlag | 30. Juli 2012
Hardcover, 256 Seiten | 9783446240094 | 16,90€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Ein »must-read«, für Jung und Alt, für Menschen die emotionale Bücher lieben! Ein Buch für Jugendliche, die das Erlebnis »erste große Liebe« aus der Sicht eines Mädchens erfahren wollen, das nicht weiß, ob es morgen noch unter uns weilen wird. Top Leseempfehlung! 

Meine Wertung:
5of5

PrädikatLesehighlight 2012, Kategorie Jugendbuch

Prädikat Buechernische Lesehighlight

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16 Comments

  • Reply Wunschlistenexplosion: Hanser Verlage '15 | Büchernische 6. Mai 2015 at 20:40

    […] vom Design her passend zu meinem ebenfalls bei Hanser erschienenen Lieblingsbuch »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. Calpurnia forscht und entdeckt nun schon zum zweiten Mal. Bei »Glück ist eine Gleichung von […]

  • Reply {Kino-Review} Das Schicksal ist ein mieser Verräter | Juni 2014 | Büchernische 20. Juni 2014 at 09:19

    […] in dieser Buchverfilmung nach dem Bestseller von John Green geht, dem sei diese kurze Inhaltsangabe aus meiner Rezension zum Buch aus den Hanser Literaturverlagen hier noch einmal mit auf den Weg […]

  • Reply {SuB am Samstag #3} Zeigt her eure Stapel! | Büchernische 2. März 2014 at 14:44

    […] lügen nicht« von Jay Asher, »Für Akkie!« von Jacques Vriens und natürlich John Greens »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« beschäftigen sich mit dem Tod, Liebe, Hoffnung. Kennt ihr noch mehr Bücher dieser Art? Ich […]

  • Reply {Kinonews} The Fault In Our Stars | Okay? Okay. | Büchernische 21. Februar 2014 at 16:01

    […] müsst ihr das jetzt sofort tun. Lesebefehl! Absolut wunderbarer Lesestoff, zu dem ich übrigens hier auch eine Rezension verfasst habe und den man einfach gelesen haben und im Bücherregal stehen haben muss. Lasst euch […]

  • Reply { Nischenpost #23 } Buchpost zum Monatsende #dieletzte – Die Büchernische 29. Juni 2013 at 21:33

    […] John Green habe ich mit großer Begeisterung bisher »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« aus dem Hanser Verlag gelesen, nun zieht sein »Tage wie diese« in der Nische ein und ich konnte […]

  • Reply {Tagtime} 100 Jugendbücher, die man gelesen haben sollte: Büchernische’s Resumé { powered by Pusteblume } – Die Büchernische 14. Juni 2013 at 17:26

    […] »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« und »Der Hobbit« gehört zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. »Seelen« möchte ich dieses Wochenende gerne lesen, weil ich eigentlich vor hatte, nächste Woche ins Kino zu gehen – sofern ich meinen Mann mitnehmen kann. Einige der Bücher liegen noch auf dem SuB, darunter »Delirium« und »Die Bücherdiebin«, beides Bücher, die mir schon mehrfach wärmstens empfohlen wurden. »Anne Franks Tagebuch« habe ich bereits als junges Mädchen gelesen. Diese Lektüre sorgte dafür, dass ich etwa zwei Jahre lang Tagebuch schrieb, Zettelchen dort hineinklebte und Fotos sammelte. Ich besitze die beiden Tagebücher sogar noch, nur eines davon ist jedoch vollgeschrieben. Das ist schon seltsam, wenn du nach 15 Jahren deine Gedanken von damals liest. Interessant soll übrigens auch die Comic-Ausgabe von Anne Franks Tagebuch sein. Ja ganz richtig gelesen: Comic! Ich war zunächst auch überrascht, ob man den Holocaust in gezeichneter Form darstellen kann & sollte, aber das Buch scheint wirklich gut zu sein. […]

  • Reply Lovelybooks Lesemarathon zum Welttag des Buches 27. bis 28. April 2013 { Tag 1 } – Die Büchernische 27. April 2013 at 13:12

    […] ist zum Beispiel Raquel J. Palacios »Wunder« aus den Hanser Literaturverlagen, oder John Greens »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«, letzteres verlose ich aus gutem Grund bei der Bloggeraktion zum Welttag des Buches. Ebenfalls […]

  • Reply { Verlosung zum »Welttag des Buches« } Die Büchernische schenkt Lesefreude – Die Büchernische 23. April 2013 at 00:19

    […] gerührt, aber auch mit sarkastischem Humor zum Lachen gebracht, wer es genau wissen will, kann hier meine Rezension lesen. Ich kann euch nur eines […]

  • Reply Kora 14. März 2013 at 21:30

    Eine Rezension, die deine Euphorie für ein Werk bestens ausdrückt, das auf vielseitigste und kontrastreichste Weise berührt. Besser könntest du kaum auf dieses Buch aufmerksam machen und zum Lesen desselbigen animieren. Danke!

    Das Original wartet hier übrigens DRINGENDST darauf von mir gelesen zu werden … Das kann im Grunde nur perfekt werden.

    Liebe Grüße von mir

  • Reply Favola 6. November 2012 at 01:09

    Hallo :-)

    Oh, „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ hat sich sofort in mein Herz geschlichen. Ich liebe das Buch und musste auf meinem Blog dafür sogar die goldene Leseente einführen :-)
    Deine Rezi hat mir wirklich sehr gut gefallen. Ich habe sie sehr gerne gelesen und habe mich gleich wieder zurückgesetzt gefühlt, als ich mit Hazel udn Gus mitlitt und mitlachte.

    lG Favola

    • Reply Buechernische 6. November 2012 at 07:29

      Guten Morgen liebe Favola :)

      jaaaaaa das Buch ist so schön ♥ ich habe es geliebt! Dankeschön, das finde ich toll, dass dir die Rezension gefallen hat. Ich habe mich bemüht, wiederzugeben wie sehr ich mit Hazel und Gus *Zigarette in den Mundwinkel hängt* mitgelitten und gelacht habe!

      Liebe Grüße in die Schweiz!

  • Reply Antje 2. Oktober 2012 at 17:43

    Erst am Wochenende habe ich von dem Buch das erste Mal über eine Freundin gehört, die sich sehr lobend über die Erzählung ausgelassen hat. Auch deine Rezension macht sehr viel Lust darauf, das Buch zu lesen. Es wandert jetzt erst einmal auf meine Wunschliste und ist mit dem nächsten Amazon-Gutschein dann sicher auch in meinem Bücherregal zu finden.

    • Reply Buechernische 2. Oktober 2012 at 20:18

      Ich bin gespannt, wie du es finden wirst :))

  • Reply Neues & Neuentdecktes im Nischenregal – Die Büchernische 1. Oktober 2012 at 17:35

    […] eines von meinem hohen Stapel zu schnappen und meine Nase darin zu versenken. Einzig John Greens »Das Schicksal ist ein mieser Verräter« und Jay Ashers »Tote Mädchen lügen nicht« verkleinerten für kurze Zeit den recht hohen Stapel. […]

  • Reply Filo 30. September 2012 at 00:15

    Das Buch hat mir auch richtig gut gefallen und ist im August auch zu meinem liebsten Buch geworden ;) Man kann mit Hazel mitlachen, mitweinen und mitfühlen. Das Buch ist einfach wunderschön *.* Und deine Rezi ist auc toll ;)

    • Reply Buechernische 30. September 2012 at 00:48

      Ohja, das ist es… ich danke dir! Das Buch wandert sofort auf meine Liste der Lieblingsbücher 2012 ♥

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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