Rezensionen

Jessica Martinez »Virtuosity« – Buchrezension

11. September 2012

Liebe Leser.

Zwischen geduldigem Warten auf mein Buchpaket und das Lesechallenge Buch »Geheime Tochter« habe ich mich mit Martinez’s Debütroman »Virtuosity« zurückgezogen und fand mich recht gut in der Welt rund um die Virtuosin Carmen zurecht. Ich bin ein glühender Fan klassischer Musik, daher war ich sofort Feuer und Flamme, als ich das schicke Cover sah.

Musik ist mein Leben

Virtuosity von Jessica Martinez (HC)Musik ist mein Leben, sagt Carmen, eine 17jährige amerikanische Geigenvirtuosin. Sie ist ein Star auf ihren Tourneen, die Zuhörer lauschen den Klängen ihrer Violine. Ihr Gesicht prangt auf Plakaten und Covern diverser aufgenommener Klassik-CDs. Doch die Welt hinter den Kulissen sieht anders aus: harter unerbittlicher Wettkampf, kaum Platz für Privatleben, schon gar nicht für die Liebe. Kurz vor einem sehr wichtigen Musik-Wettstreit, dem Guarneri-Wettbewerb, welcher wegweisend für ihre Karriere sein kann, lernt sie Jeremy kennen und muss sich entscheiden, was ihr wichtiger ist im Leben…

Coverjuwel mit Durchblick

Ich habe das Cover nicht umsonst auf meinem Blog als „Coverjuwel der Woche“ vorgestellt, denn genau das ist es. Es sticht mit seinen Farben, seiner zum Inhalt einfach hervorragend passenden Schriftwahl und dem markanten Bild einer jungen Frau hinter einer Violine aus den üblichen Coverfotos hervor. Das Cover hat etwas glamuröses, etwas geheimnisvolles, feminines. Hätte ich dieses Buch in einer Buchhandlung entdeckt, wäre es mir auf jeden Fall schon aufgrund der tollen Farben ins Auge gefallen, ich mag Kontraste denn das Auge liest mit.

Ich beginne mit den Punkten, die mir an Martinez Debütroman gefielen. Die Autorin schaffe es, mir einen emotionalen Einblick in die Verstrickungen der Musikindustrie, den harten manchmal ungerechten Wettkampf um die vorderen Plätze in den Klassik-Charts, das Gerangel um die beste Aufführung auf internationaler Bühne, die damit verbundenen Pflichten & Anstrengungen und die Schattenseite des Ruhms zu geben. Auch der doch recht überzeugende Einblick in die Problematik der Tablettensucht und die damit verbundenen Konsequenzen lasen sich aufschlussreich und nachvollziehbar. Martinez verstand es ebenfalls die Wege aus der Sucht zu veranschaulichen, hat sich aber meiner Ansicht nach ein wenig zu kurz gefasst.

Zwiespältige Gefühle

Mit Interesse und Stirnrunzeln verfolgte ich das kaum vorhandene Beziehungsgefüge von Mutter & Tochter, was sich unter anderem darin wiederspiegelt, dass die Protagonistin ihre Mutter nur beim Vornamen nennt, Umarmungen nicht an der Tagesordnung sind und einfach nur Professionalität anstatt Mutterliebe, Wettbewerb und Leistung im Vordergrund stehen. Der Kampf der Protagonistin um Zuneigung gefiel mir gut, ihre damit verbundenen geschilderten Gefühle erregten mein ehrliches Mitgefühl. Ich empfand es allerdings nervend, dass Carmen – ein Name der eigentlich für Feuer & Temperament steht – so lange brauchte, bis sie sich gegen ihre karrierefanatische Mutter durchzusetzen wusste. Erst nach zwei Dritteln des Buches überwindet sie endlich einmal diesen Käfig und beweist Rückgrat. Der Weg dorthin wurde allerdings häufig von Selbstzweifeln begleitet, der Charakter wirkte daher recht unreif und infantil.

Jessica Martinez unterstreicht die Emotionen Carmens durch einen auf mich impulsiv wirkenden Erzählstil aus der Ich-Perspektive, mit der ich bei vielen Büchern meine Probleme habe, in die Handlung einzufinden. Bei diesem Jugendbuch gelang es der Autorin auf den knapp 250 Seiten jedoch ganz gut, mir als Leser Gefühle und Beweggründe der Protagonistin näher zu bringen – zwar nicht von Anfang an, aber ich gewöhnte mich innerhalb der ersten 70 Seiten daran.

Interessant fand ich auch den Auftakt des Buches, beginnend mit einer Situation, bei der doch erst einmal die Gedanken rotierten und ich mich fragte, was da nun eigentlich genau passiert ist. Es war mir sofort klar, dass die Autorin einen Zeitsprung ans Ende der Handlung machte, vielleicht nicht mit endgültigem Ausgang, aber doch viele Fragen aufwerfend was dazu führt dass der Spannungsbogen recht früh ansteigt und man wissen möchte was die Protagonistin zu ihrem Handeln bewegt. Leider plätscherte die darauffolgende Handlung ein wenig zu still vor sich hin, erst nach der Hälfte des Buches wird es richtig spannend.

Hinter den Kulissen der Musikindustrie

Ich fand es toll in die Glamourwelt der Musikindustrie eintauchen zu können, habe das Buch auch zusammen mit Musik von Tschaikowsky und Debussy gelesen da ich ein großer Klassikfan bin, die Atmosphäre eines solchen Business brachte die Autorin durchaus überzeugend und kritisch rüber. Aber die Naivität der Protagonistin, das „am Rockzipfel hängen“ einer fast 18jährigen, die aufgrund der langjährigen Bühnenerfahrung wissen sollte, wie es im harten Musikgeschäft zugeht, störte dieses Bild doch ziemlich.


Jessica Martinez | Virtuosity
Boje Verlag | 14. Februar 2012 | ab 14 Jahren
Hardcover, 253 Seiten | 9783414823229 | 12,99€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Eine schlanke Lektüre für Musikliebende im allgemeinen und Klassikfans im speziellen, die einen kleinen Einblick hinter die Kulissen der hart umkämpften Musikindustrie im Rahmen einer Lovestory genießen möchten und dabei nicht zuviel Tiefgründigkeit erwarten!

Meine Wertung:
3of5

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1 Comment

  • Reply Christian 12. September 2012 at 09:44

    Wieder einmal eine überzeugende Rezension von Dir! :) und wieder einmal die Frage…in die Wunschliste?! Da Auch bei mir immer mal wieder Klassik im Player landet…nach den Last Night of The Proms im Moment Edward Elgar natürlich :D
    Danke und liebe Früße
    Christian

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