Rezensionen

{In memoriam} 102 Minuten: Der Kampf um’s Überleben | Gedanken zu 9/11 {Rezensionsspecial}

11. September 2014

Liebe Nischenbesucher,

11. September 2001 – ein Datum, das wohl für immer im Gedächtnis der Menschheit verankert sein wird, nicht nur in den Köpfen derer, welche an diesem Tag vor Ort waren, auf den Straßen Manhattens, in Cafés und Büros. Mit diesem Tag begann ein Zeitalter des Krieges gegen den Terrorismus, doch auch eine Zeit der Vorurteile gegen Religionszugehörigkeiten, des Bangens um Sicherheit und Frieden inmitten einer Welt, in der leider ohnehin zahlreiche Konfliktherde glühen. Heute ist ein nachdenklicher Tag. Heute vor genau 13 Jahren geschah etwas, das unsere Welt in seinen Grundfesten erschütterte und viele Menschenleben kostete. Und dennoch erscheint es uns, als ob dies gestern geschehen wäre.

Am 11. September 2001 flogen zwei entführte Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers, welche kurz darauf in sich zusammenbrachen und abertausende Menschen mit sich in den Tod rissen. Zahllose Bücher wurden seitdem über das Thema geschrieben, Verschwörungstheorien aufgestellt und wieder verworfen. Es ist nicht einfach, aus dem Überangebot an Literatur rund um 9/11 gut recherchierte Bücher zu finden. welche nicht nur die Sensationsgier anheizen oder wilde Theorien verbreiten wollen. Auch zahlreiche teilweise fiktive Romane entstanden rund um diesen tragischen Tag in der Geschichte der USA. In diesen Zusammenhang empfehle ich euch einen Blick auf Sophies Litblog zu werfen, sie präsentiert auf Literatourismus.net eine sehr interessante und manigfaltige Auswahl an Literatur rund um 9/11.

Heute vor 13 Jahren..

Mich persönlich hat der schreckliche Anschlag damals sehr schockiert. Ich erinnere mich noch daran, dass ich vor dem Fernseher saß und ungläubig auf den Rauch starrte, welcher aus dem ersten der beiden Twintower aufstieg. Als die zweite Maschine in den Nordturm flog, verfolgte ich das Geschehen in der Liveübertragung aus New York und konnte kaum fassen, was ich dort sah. Körper stürzten aus den Fenstern, Menschen rannten um ihr Leben, als die Türme in einer Wolke aus Staub, Schutt und Papier in sich zusammenfielen wie ein Kartenhaus. Das Telefon klingelte. Ob der dritte Weltkrieg nun ausbrechen würde, war die Sorge. Die Antwort auf das »Warum« schwebt bis heute wie ein großes Fragezeichen über Manhattan und dem Rest der Welt. An der Stelle, an der sich beiden Türme  des World Trade Centers befanden, Ground Zero genannt, wurde eine Gedenkstätte namens 9/11 Memorial errichtet, während einige Meter weiter ein neuer Turm neu errichtet wird: One World Trade Center, kurz  1 WTC. Die Namen all derer, die heute vor 13 Jahren starben, sind in die Tafeln der Gedenkstätte gemeißelt. Noch heute kämpfen Überlebende mit den Folgen dieses Tages. Viele Ersthelfer sind vermutlich durch das Einatmen der mit schädlichen Substanzen durchsetzten Staubwolke, welche nach dem Zusammensturz durch die Stadt zog, an Krebs und Atemwegserkrankungen erkrankt. Viele leiden auch heute noch an psychischen Traumata.

102 Minuten: Ein ganz besonderer Zeitzeugenbericht

102 MinutesDer Zeitzeugenbericht, den ich euch heute empfehlen möchte, stammt aus der Feder von Jim Dwyer und Kevin Flynn und erschien fünf Jahre nach der Katastrophe. Im Gegensatz zu vielen anderen Berichten wird dieser Tag aus der Perspektive der Menschen geschildert, die sich in den Gebäuden auf Ground Zero befanden. 102 quälend lange Minuten lagen zwischen dem Einschlag des ersten Flugzeugs in den Südturm und dem darauffolgenden Zusammenbruch. 102 Minuten, in welchen die Menschen in den Türmen eines der bekanntesten Wahrzeichen New Yorks um ihr nacktes Überleben kämpfen. »102 Minuten – Die nie erzählte Geschichte vom Kampf ums Überleben in den Türmen des World Trade Center« ist ein chronologischer Augenzeugenbericht, der mich sehr bedrückt zurückließ.

Dwyer+102-MinutenDie beiden Autoren des Buches, Journalist Jim Dwyer und Kevin Flynn, leitender Polizeireporter der »New York Times« haben die Erlebnisse dieser Menschen nun in Wort und Bild festgehalten. Dialoge zwischen den eingeschlossenen Menschen, Funksprüche, Diagramme und Fotografien ergänzen diese einzigartige Dokumentation des Geschehens auf sehr einfühlsame, ungeschminkte und bewegende Art und Weise.

„Niemals zuvor ist so eindringlich geschrieben worden über das, was im Inneren des World Trade Center wirklich geschah: Kevin Flynn, am 11. September 2001 leitender Polizeireporter der »New York Times«, und sein Kollege, der zweifache Pulitzer-Preisträger Jim Dwyer, geben den Überlebenden eine Stimme. Aus unzähligen Gesprächen und Interviews haben sie ein ebenso per­sönliches wie erschütterndes Buch geschaffen, das wochenlang die amerikanischen Bestsellerlisten anführte. Es erzählt aus der Sicht der Frauen und Männer, die dabei gewesen sind, vom Wunder des Überlebens und führt uns so die dramatischen 102 Minuten zwischen dem Einschlag des ersten Flugzeugs und dem Einsturz des ersten Turms unmittelbar vor Augen.“

Das englische Original wurde ein Jahr vor Erscheinen der deutschen Ausgabe mit dem National Book Award Finalist for Nonfiction ausgezeichnet.


Jim Dwyer & Kevin Flynn | 102 Minuten – Die nie erzählte Geschichte vom Kampf ums Überleben in den Türmen des World Trade Center | Piper Verlag | Hardcover, 368 Seiten | HC ISBN 978-3492048897 | gebraucht erhältlich


Meine Wertung:
5of5

Habt ihr schon fiktive oder biografische Literatur zum Thema 9/11 gelesen und könnt sie mir empfehlen?

† in stillem Gedenken an die Opfer †

sandra_signed

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7 Comments

  • Reply NiWa 15. September 2014 at 12:42

    Hallo!
    Danke für diesen Beitrag, es ist wichtig, dass man 9/11 nicht vergisst und bewusst daran denkt.
    Bisher habe ich noch nichts über 9/11 gelesen, dabei wäre es langsam mal an der Zeit!
    Vielen Dank, dass du dieses Buch vorgestellt hast. Es klingt sehr interessant und ich werde es mir mal näher anschauen.
    Liebe Grüße,
    Nicole

  • Reply Steffi K. 12. September 2014 at 17:35

    Ah ich glaube genau dieses Buch habe ich auch schon gelesen.

    Ich fand damals die vielen Verschwörungstheorien ganz spannend, weil ich es nicht verstehen konnte, wie man aufgrund eines solchen Ereignisses in ein fremdes Land einmarschiert…

    • Reply Sandra 12. September 2014 at 18:22

      Das konnte ich auch nicht nachvollziehen, zumal mir ehrlich gesagt der Gedanke kam bzw. ich mir die Frage stellte, ob ein Land dazu bereit wäre, so viele Menschen zu opfern, um einen Grund für Krieg zu haben. Doch das ist Spekulation und würde nun zu weit führen.

      Gerade das mag ich an diesem Buch, es spekuliert nicht. Es erzählt aus der emotionalen Sicht der Betroffenen. Wie hat es dir denn gefallen?

  • Reply Mara 12. September 2014 at 15:37

    Danke für diesen spannenden Beitrag, den ich mit großem Interesse gelesen habe! Ich habe eine ganze Weile Bücher über den 11. September gelesen, ich denke gerne zurück an die Romane von Foer und Beigebeder, es gab aber auch einige andere, die mich begeistert haben.

    Ich danke dir auf jeden Fall für die spannende Vorstellung von „102 Minuten“, den Titel habe ich mir gleich mal notiert!

    • Reply Sandra 12. September 2014 at 16:36

      Liebe Mara,

      das freut mich wirklich sehr, dass du mich besuchen kommst. Foer gehört zu den Romanen, die ich noch lesen möchte. Das Cover hatte damals meine Aufmerksamkeit geweckt. Die Verfilmung habe ich auch noch hier im Regal, möchte ich gerne zusammen mit meinem Mann ansehen.

      Gern geschehen, es freut mich wenn ich einer Literaturaffinen wie dir einen Tipp geben kann ♥

      Liebe Grüße zum Wochenende
      Sandra

  • Reply Maura 11. September 2014 at 15:56

    Hallo,

    nein, ich habe bisher weder biographische noch fiktive Literatur darüber gelesen, aber ich habe das Buch, das du gerade vorgestellt hast, auf meine Wunschliste gesetzt und werde es dann hoffentlich auch bald lesen…
    Ich selber kann mich an den 11. September 2001 nicht erinnern, damals war ich 3, deswegen will ich auch unbedingt mal etwas darüber lesen.

    Liebe Grüße
    Maura

    • Reply Sandra 11. September 2014 at 16:03

      Da warst du ja wirklich noch zu jung, um etwas mitbekommen zu haben. Ich war damals 21 und war wirklich sehr bestürzt von all dem. Bei Sophie gibt es noch ein paar richtig gute Buchtipps, darunter »Extrem laut und unglaublich nah«, das steht noch hier bei mir und muss gelesen werden :-)

      Liebe Grüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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