Autoren hautnah

{Autoren hautnah} Wer zeichnete eigentlich…?

18. August 2015

… die kleine Hummel Bommel, Carl Mops & Co?

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Foto © Johannes Heinke

Illustratoren – was machen diese kreativen Köpfe eigentlich? Ihren Namen findet man manchmal (jedoch nicht immer und eigentlich viel zu selten) auf den Covern eines Buches. Wer sind diese Menschen, die u.a. den farbenfrohen Titel entwerfen, mit zarten Bleistiftstrichen das Innere eines Buches verschönern und mit gekonnten Pinselschwüngen farbenfrohe Bilderbuchwelten auf das Papier zaubern?

Mit meiner neuen Beitragsreihe ‚Wer zeichnete eigentlich…‚ möchte ich gemeinsam mit euch in diese kreative Welt eintauchen, Illustratoren über die Schulter blicken und Einblicke in kreative Studios geben.

Heute starten wir die Reihe mit der talentierten Illustratorin Joëlle Tourlonias. Der Name dürfte spätestens mit dem Erfolg der kleinen Hummel Bommel, die im ArsEdition Verlag zuhause ist, selbst Menschen geläufig sein, die nur selten zu Bilderbüchern greifen. Dieses Bilderbuch ist ein zauberhaftes Mutmachbuch rund um eine kleine Hummel, das eine einfache, wie wirkungsvolle Botschaft mit sich trägt: „Sei du selbst, glaub an dich und du kannst alles schaffen.“


…eine Auswahl von Bilderbüchern mit Joëlles Illustrationen

Besuch bei Oma Die Geschichte von Carl Mops Das Gespenst von Canterville

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Elefantastische Abenteuer | Louis, Lotte und das Licht | Prima Monster

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10 Fragen an Illustratorin Joëlle Tourlonias

1. Wie bist du zum Zeichnen gekommen?

Meine Eltern behaupten, ich hätte schon immer viel gezeichnet, deswegen haben sie mich früh in einen Kindermalkurs (in dem auch der supertolle Illustrator Markus Lefrancois war!) gesteckt.

2. Mal ganz grundsätzlich: Was macht man als Illustrator eigentlich?

Hauptsächlich zeichnen :) und Mails schreiben, Verträge lesen, verhandeln, Papierkram machen… und natürlich Manuskripte lesen!

3. Was inspiriert dich, hast du Vorbilder?

Ich bewundere einen Haufen Illustratoren/Künstler (Herakut, Michael Sowa, Jutta Bauer, Felix Scheinberger, Torben Kuhlmann, Janosch, Egon Schiele, Peter de Sève, Oliver Jeffers, die alten Disneyzeichner Milt Kahl, Les Clark etc. – die Liste geht endlos weiter), versuche aber natürlich, meinen eigenen Strich zu finden. Und Inspiration finde ich nahezu überall, aber am Ende bekomme ich ja Manuskripte, an denen ich mich entlanghangele. Man liest diese schönen Geschichten und dazu entstehen unweigerlich Bilder im Kopf…  Soo viel Inspiration von außen brauche ich also eigentlich gar nicht.

4. Jeder Illustrator hat ja seinen ganz eigenen Stil. Wenn du deine frühen Arbeiten ansiehst, was hat sich seit deinem Studium verändert? Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Mein Strich und meine Figuren sind auf jeden Fall sicherer, souveräner geworden. Ich brauche nicht mehr so viele Anläufe, um die gewünschte Pose oder den bestimmten Ausdruck hinzubekommen. Wäre aber auch schlimm, wenn das nicht so wäre, schließlich mache ich das seit fünf Jahren täglich! Den Stil in Worten zu beschreiben fällt mir schwer. Irgendwas Süßes mit Knopfaugen!

5. Zeichnest du lieber digital oder analog? Welches sind deine Lieblingsmedien bzw. -programme?

Die Mischung macht’s. Ich zeichne immer mit dem Bleistift und koloriere dann mit Photoshop – beide Phasen machen Spaß. Der Bleistift ist unschlagbar, und beim Ausmalen kann ich wunderbar Hörbücher hören. Ganz selten komme ich zum Ölmalen, das ist ein ganz anderes Arbeiten, superlangsam und sehr.. hm. Man taucht richtig ein. Ich liebe es.

6. Du hast schon mit vielen Verlagen zusammengearbeitet. Jacoby & Stuart, arsEdition, Bastei Lübbe, um nur einige zu nennen. Hast du ein Lieblingsprojekt?

Nein, das würde ich so nicht sagen; es gibt nicht das eine Lieblingsprojekt. Ganz besonders viel Spaß hatte ich mit meinen beiden 3D Büchern, vor allem mit Kokowääh, weil ich da an Til Schweiges Filmset zeichnen durfte. Das Hummelbuch ist superspannend, vor allem durch Maites musikalische Zusatzebene und die mediale Aufmerksamkeit, die dieses Buch bekommt. Und Carl Mops und Elefantastisch und die Paula und Lou-Reihe… ich liebe sie eigentlich alle.

7. Gibt es ein Motiv, das du schon immer mal zeichnen wolltest, aber noch keine Gelegenheit dazu hattest?

Nein, wenn ich etwas zeichnen möchte, dann mach ich das eigentlich gleich. Wenigstens gekritzelt, ums nicht zu vergessen…

8. Könntest du dir vorstellen, ein eigenes Kinderbuch inkl. Text zu entwerfen?

Bei meinen beiden 3D Büchern hab ich das schon versucht, aber es ist mir nicht gerade leicht gefallen, mir eine Geschichte auszudenken, die auf 12 Doppelseiten funktioniert – mir überhaupt eine Geschichte auszudenken! Aber das sollen nicht meine letzten Versuche gewesen sein. Sobald ich wieder etwas mehr Zeit habe…

9. Aktuell ist dein Name neben Autorin Britta Sabbag und Sängerin Maite Kelly in aller Munde, die kleine Hummel Bommel fliegt auf die höchsten Plätze der Bestsellerlisten. Absolut verdient, herzlichen Glückwünsch! Als Illustrator steht man sonst nicht im Rampenlicht, oder?

Danke für die Glückwünsche! Und ja, das mit dem Rampenlicht stimmt – aber das ist auch ganz gut so. Wir Zeichner sitzen gerne im stillen Kämmerlein. Man munkelt, auf den Buchmessen sind die Kloschlangen immer so lang, weil sich Illustratoren immer mal wieder kurz einschließen, um einen kurzen Moment für sich zu sein…

10. Zu guter Letzt: Nenn mir dein persönliches Lieblingsbilderbuch.

Da humpelt der kleine Tiger aus dem Wald, kann nicht mehr gehen und nicht mehr stehen, und fällt einfach um. Sofort ist der kleine Bär zur Stelle und fragt seinen Freund: "Was ist Tiger, bist du krank? "O ja, ich bin so krank". "Halb so schlimm, sagt der kleine Bär, "ich mach dich gesund." Und er trägt den kleinen Tiger nach Hause, verbindet ihn von Kopf bis Fuß, kocht ihm eine Bouillon und sorgt dafür, dass es ihm auch ganz bald besser geht. Doch so wirklich funktionieren, tut das noch nicht. Da muss Doktor Walterfrosch her. Und was fehlt dem kleinen Tiger nun, Herr Doktor? Aha! Ein Streifen verrutscht. Alles halb so schlimm.Mein Evergreen: Ich mach dich gesund, sagte der Bär (Janosch)

Da humpelt der kleine Tiger aus dem Wald, kann nicht mehr gehen und nicht mehr stehen, und fällt einfach um. Sofort ist der kleine Bär zur Stelle und fragt seinen Freund: „Was ist Tiger, bist du krank? „O ja, ich bin so krank“. „Halb so schlimm, sagt der kleine Bär, „ich mach dich gesund.“
Und er trägt den kleinen Tiger nach Hause, verbindet ihn von Kopf bis Fuß, kocht ihm eine Bouillon und sorgt dafür, dass es ihm auch ganz bald besser geht. Doch so wirklich funktionieren, tut das noch nicht. Da muss Doktor Walterfrosch her. Und was fehlt dem kleinen Tiger nun, Herr Doktor? Aha! Ein Streifen verrutscht. Alles halb so schlimm. © Beltz & Gelberg


Bengt Birck, Jojo – Kleiner Hund mit BärenmutAktueller Liebling: Jojo – kleiner Hund mit Bärenmut (Birck/Birck)

Jojo will Schäferhund werden. Wenn er groß ist. Und bis es so weit ist, bewacht er Balints Bauernhof. Dort herrscht heute große Aufregung, denn ein riesiger Bär wurde gesichtet. Also sucht sich jedes Tier ein Versteck. Nur Jojo nicht. Der neugierige Welpe macht sich auf die Suche nach dem Bären. Plötzlich findet er sich ganz allein im dunklen Wald und in einem aufregenden Abenteuer wieder. © Loewe Verlag

Danke liebe Joëlle für dieses interessante Gespräch und die Einblicke in deinen kreativen Alltag. Ich freue mich schon auf viele weitere farbenfrohen Bücher mit deinen Zeichnungen. Viel Erfolg auf deinem weiteren Weg :)

Und er trägt den kleinen Tiger nach Hause, verbindet ihn von Kopf bis Fuß, kocht ihm eine Bouillon und sorgt dafür, dass es ihm auch ganz bald bess

Ich hoffe, ihr hattet Spaß mit diesem Interview. Wenn ihr Lust habt, ab und an einen Einblick in Joëlles kreativen Flow zu erhalten, schaut mal auf ihrem Blog vorbei. Dort postet sie des Öfteren Ausschnitte aus ihrer Arbeit. Ich freue mich auf euer Feedback und hoffe, dass euch diese neue Beitragsreihe gefällt. Meine Frage nun an euch:

Dies soll natürlich nicht das einzige Gespräch mit kreativen Köpfen sein. Wenn ihr euch ein Interview wünschen könntet, wem soll ich dann etwas genauer über die zeichnende Schulter gucken? 

Habt einen schönen Tag

sandra_signed

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  • Ela´s Büchertruhe 17. August 2015 at 18:39

    Danke für dieses tolle Interview!
    Ich finde es sehr interessant da ich auch oft auf die Illustrationen achte und der Meinung bin, das sie vielen Geschichten zusätzliches Leben einhauchen.
    Freue mich auf weitere Beiträge dieser Art!
    LG Ela

    • Sandra 17. August 2015 at 22:38

      Herzlich gern, liebe Ela. Ich mag Joëlles Art zu zeichnen sehr, da lag es nahe ihr einfach mal ein bisschen den Bauch zu löchern :)

      Dir einen schönen Abend ♥
      Sandra

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