Rezensionen

Holly Black & Cassandra Clare – Magisterium: Der Weg ins Labyrinth {Kinderbuch-Rezension}

12. April 2016

Kindernische, März 2016

Guten Morgen magische Buchfreunde,

Magische Fähigkeiten wie das Beherrschen der Elemente oder Fliegen – das sind Kräfte, die uns normal Sterblichen verwehrt bleiben. Daher lieben wir es auch so sehr, in fantasievolle Buchwelten abzutauchen und über verzauberte Kreaturen, atemberaubende Welten und heldenhafte Abenteuer zu lesen. Seit J. K. Rowling Harry Potter schrieb, begeistern sich immer mehr Kinder weltweit für blubbernde Zaubertränke, wallende Umhänge und aus verschiedenen Hölzern erschaffene Zauberstäbe. Holly Black und Cassandra Clares neue Kinderbuchserie steigt auf den magischen Literaturzug auf,  und hat mich nun ganze 24 Stunden beschäftigt. Ich habe das Buch im Laufe des Sonntagnachmittags begonnen und am Montag morgen, mit einem leckeren Kaffee  in der Hand, beendet. Wie mir der Reihenauftakt »Magisterium – Der Weg ins Labyrinth« gefallen hat, berichte ich euch nun.

Eine magische unterirdische Schule

Magisterium Band 1, Holly Black & Cassandra Clare, OneCallum Hunt ist ein unscheinbarer 12jähriger Junge, der keinen leichten Start im Leben hatte. Sein verkrüppeltes Bein macht ihm zu schaffen, Freunde hat er leider auch nicht viele und das mag nicht zuletzt vielleicht auch an seiner großen Klappe und schrägen Art liegen. Der clevere junge Mann soll nun, sehr zum Missfallen seines Vaters, Magierlehrling am Magisterium werden und lernen, seine magischen Fähigkeiten zu beherrschen. Ausgerechnet Master Rufus, einer der anerkanntesten Lehrer der Schule, hat ihn als Lehrling erwählt und Call muss erkennen, dass das erste Schuljahr, das sogenannte Eisenjahr, mit Sicherheit kein Zuckerschlecken wird – denn nicht nur außerhalb der Mauern dieser unterirdischen Anlage lauern Gefahren…

Cassandra Clare ist vielen wohl für ihre Chroniken der Unterwelt bekannt, die mich ehrlich gesagt bisher nicht angesprochen haben. Es mag daran liegen, dass ich kein großer Fan von Literatur rund um Blutsauger, Werwölfe und Dämonen bin, oder einfach dem Fakt geschuldet sein, dass mir diese Buchreihe nicht zuletzt mit der Verfilmung doch sehr gehypt vorkam. Das schreckt mich meistens ein wenig ab. Wer weiß, vielleicht gebe ich der Reihe eines Tages doch mal eine Chance. Doch zurück zum Thema.

Das Buch ist mit seinem kupferfarbenem Buchschnitt ein ziemlicher Hingucker und dies war schließlich auch mit einer der Gründe, warum ich überhaupt auf die Reihe aufmerksam wurde. Der Klappentext klang vielversprechend, der glänzende Look tat sein Übrigens – ich liebe Kupfer – und so bekam ich richtig Lust auf diese magische Geschichte. Allerdings habe ich eine Frage, liebe Gestalter: Was wollt ihr mir mit der Spiegelung auf dem Cover sagen? Welchen Bezug haben die Schlüssel, die doch ein wenig fehl am Platz wirken, zum Plot?

Wie dem auch sei. Gestern Nachmittag schlug ich das Buch schließlich das erste Mal auf und klappte es einen Tag später mit einem „Da habt ihr mich aber schön an der Nase herumgeführt“-Ausruf wieder zu. Was mit der Charaktereinführung und einer Rückblende relativ gemächlich und doch etwas zäh begann, punktete nach etwa der Hälfte der Handlung mit einem merklich ansteigenden Spannungsbogen. Dabei trug mich eine einfache, schörkellose und angenehm zu lesende Schreibe durch die Seiten – passend zur Tatsache, dass wir hier ein Kinderbuch in den Händen halten.

„Ihr werdet Erde, Luft, Wasser und Feuer Gestalt verleihen und sie eurem Willen unterwerfen. Ihr werdet eure Vergangenheit erforschen und zu eurer Zukunft finden. Ihr werdet Entdeckungen machen, die eurem normalen Ich für immer verschlossen wären. Ihr werdet großartige Dinge lernen und noch großartigere Dinge tun. Willkommen im Magisterium.“ – Seite 73

Immer tiefer trug mich die Story in die verzweigten Höhlenkomplexe des Magisteriums, während mich Call, aus dessen Sicht wir die Story betrachteten, an die Hand nahm und stetig mit sich zog. Ein fluoreszierender Fluss bahnte sich seinen Weg durch riesige steinerne Hallen, vorbei an Stalaktikten, biolumineszenten Pilzen und den zahlreichen Stimmen herumwuselnder Magierlehrlinge, gekleidet in die Farben ihres Schuljahres. Es ist ein dunkler, mystischer, aber ganz und gar nicht düsterer Ort. Ein erdiger Geruch waberte durch die Seiten, das sanfte zu- und abnehmende Flüstern von Beschwörungsformeln drang an mein Ohr. In der Ferne vernahm ich das leise Plätschern eines Wasserfalls.

Kurz: Das Kopfkino arbeitet auf Hochtouren, nachdem sich die geschmiedeten Tore zu der unterirdischen Schule hinter den Neuankömmlingen mit einem Scheppern geschlossen hatten. Das Autorenduo hat eine wirklich reizvolle Kulisse erschaffen und dabei auf die kleinsten Details geachtet. Das half letzten Endes auch über den etwas schleppenden Start hinweg, der mir doch ein wenig zu schaffen machte.

„Feuer will brennen,“ […], „Wasser will fließen, Luft will schweben, Erde will sich verbinden, Chaos will verschlingen.“ – Seite 140

Nach und nach wurden Freundschaftsbande geknüpft, man lernte die Charaktere besser kennen und hatte vielleicht auch schon die eine oder andere Ahnung, worauf der Plot hinaus wollte. Doch so sehr ich auch nach der Hälfte der Story zu wissen glaubte, wem welche Rolle zu Teil werden könnte, so abrupt wurde ich in meinen Gedankengängen im letzten Drittel gebremst und von einem interessanten Storytwist überrascht. Die Autorinnen führten mich sehr geschickt auf eine falsche Fährte, um mich schließlich gleich zweimal an der Nase herum zu führen. Well done.

Der Vergleich zu Harry Potter bleibt euch übrigens in dieser Rezension erspart, denn derlei Vergleiche sind zumindest in diesem Fall völlig überflüssig. Wenn man überhaupt Ähnlichkeiten suchen möchte, dann aufgrund der Elementaraspekte allerhöchstens mit klassischen Rollenspielen.


Holly Black & Cassandra Clare | Magisterium: Der Weg ins Labyrinth
One by Lübbe | November 2014 | ab 10 Jahren | Reihe: Band 1
Hardcover mit Lesebändchen, 336 Seiten | 978-3846600047 | 14,99€
zum Buch beim Verlag


Informationen zur Reihe:
→ #1 Magisterium: Der Weg ins Labyrinth
→ #2 Magisterium: Der kupferne Handschuh

Mein FazitMagisterium erfindet das Rad nicht neu, doch es punktet bei mir mit einer wirklich interessanten Kulisse, seinen tiefgründigen, freundschaftlichen wie kameradschaftlichen Aspekten und schlussendlich einem Storytwist, der unbändig neugierig auf den Folgeband macht. Auch der rebellische, teilweise sehr sarkastisch auftretende Protagonist gefiel mir ausgesprochen gut. So freue ich mich nun auf die Fortsetzung in Band 2 und kann euch guten Gewissens empfehlen, dieser Reihe unabhängig von anderen Büchern eine Chance zu geben.

Meine Wertung:
4 Leseherzen

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4 Comments

  • Reply Seitenfetzer 20. April 2016 at 18:13

    Ave,
    bislang ruht das Buch (bzw. die Reihe) nur auf meiner Wunschliste, aber deine Rezension allein hat schon so viel Atmosphäre transportiert, dass das wohl nicht mehr allzu lang so bleiben wird.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Seitenfetzer

    • Reply Sandra 20. April 2016 at 18:19

      Sei gegrüßt :)

      freut mich, dass ich mit meiner Rezension deine Aufmerksamkeit wieder auf diese Reihe lenken konnte. Ich bin gespannt auf Band III und vor allem, wie viele Bücher die Autorinnen noch geplant haben. Bisher finde ich keinen Hinweis auf den geplanten Umfang.

      Liebe Grüße & einen schönen Feierabend!
      Sandra

  • Reply Angela Kirchner 13. April 2016 at 11:48

    Ja, sarkastisch können Sie, die beiden Damen. :D Bin schon gespannt drauf, hab die Serie noch vor mir. Danke für deinen Einblick.

  • Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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