Rezensionen

Gerd Ruebenstrunk – Der letzte Zauberlehrling {Kinderbuchbuchrezension}

9. Januar 2013

Kindernische, März 2016

Magische, zauberhafte und sehr spannende Lektüre zog im letzten Monat des Jahres 2012 in die Büchernische ein. Ich hatte das große Glück, bei Blogg dein Buch als einer der Blogger ausgesucht zu werden, die Gerd Ruebenstrunks Fantasyroman »Der letzte Zauberlehrling« aus dem arsEdition Verlag lesen und rezensieren dürfen – vielen, lieben Dank dafür! Das Buch hat mich im wahrsten Sinne des Wortes verzaubert. Es kommt nicht häufig vor, dass ich ein Buch mit mehr als 400 Seiten in knapp 2 Tagen lese. Gerd Ruebenstrunk verstand es, mich sehr zu begeistern und kürzere Nächte zu bereiten, da ich den letzten Zauberlehrling nicht aus der Hand legen konnte.

Du bist der letzte…

Humpert eigentlich ganz zufrieden mit seinem Leben: er macht eine Lehre bei Zaubermeister Gordius, inmitten der ländlichen Idylle Frankreichs. Er ist ein Zauberlehrling, das ist nun nichts Ungewöhnliches, denn in Frankreich leben sehr viele Zauberer. Sein Meister ist jedoch davon überzeugt, Humpert nicht mehr als all das, was er nun über die Zauberei wusste, lehren zu können und schickt ihn in die Großstadt, ins ferne Paris, auf dass er dort einen neuen Meister finden sollte. Doch die Zeiten haben sich geändert, die Uhren in der großen Stadt ticken schneller als auf dem Lande, denn dort kauft Unternehmer Pompignac die Zauberkräfte der Zauberzunft auf. Weit und breit sei nirgends mehr ein Zauberer zu finden, der einen Lehrling unter seine Fittiche nehmen würde. Was plant dieser Halunke Pompignac? Humpert hat das Gefühl, er führt nichts Gutes im Schilde…

Zauberhafte Momente

Gerd Ruebenstrunks Jugendbuch ist aus meiner Sicht kein neuer Harry Potter, oh nein. Das Buch beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Zauberei, Magie und allem, was dazu gehört und doch ist es mehr als das. Der Autor von »Der letzte Zauberlehrling« beschäftigte sich bereits in seiner Kindheit intensiv mit Büchern, arbeitete in vielfältigen, unterschiedlichen Berufen und interessiert sich für unter anderem für naturwissenschaftliche Thematik, u.a. die Quantenphysik. Das Wissen, welches er jahrzehntelang in sich aufsog, schlägt sich deutlich in seinen Büchern wider. Er schreibt sehr eloquent und bindet viel Hintergrundwissen, physikalische Phänomene und weitere interessante Aspekte der naturwissenschaftlichen Forschung in den Plot ein. Das war sehr spannend zu lesen und wird auch für das junge Publikum der 12 bis 15jährigen Leser äußerst wertvoll sein, denn sie haben somit nicht nur eine abwechslungsreiche, fantasievolle Geschichte vor sich liegen, sondern lernen nebenbei noch etwas über Sonnenstürme, Magnetfelder und weitere wichtige Bestandteile der Physik, die elementar wichtig für das Leben unseres Planeten sind. Trocken ist diese Lektüre deswegen keineswegs, im Gegenteil. Der Autor legt einen gewissen Humor an den Tag, der dem Buch viel Witz und das gewisse Etwas verleiht. Für die Namensgebung seiner Charaktere bediente sich der Autor unter anderem bei der griechischen Sage, so nannte er einen etwas ruppigen, doch keineswegs auf den Kopf gefallenen Zauberer erster Klasse nach dem Freund und Lehrmeister der Menschen, Prometheus. Auch lateinische Begriffe fanden Einzug ins Buch, unter anderem stiftete eine Figur namens Ignatius Unfriede, während während eine lammfromm wirkende Agnetha – vom griechischen agnos = rein, geheiligt – zarte Liebesbande knüpfte.

Das Sein bestimmt das Bewusstsein, hatte ein irdischer Philosoph einst geschrieben. – Seite 346

Interessant und gelungen finde ich auch den inhaltlichen Aufbau des letzten Zauberlehrlings. Zwischen den einzelnen insgesamt 22 Kapiteln finden sich neun sogenannte Monologe, die auch als solche tituliert sind. In diesen Segmenten wechselt die Erzählperspektive des Ich-Erzählers Humpert auf die Ich-Perspektive einer weiteren für die Handlung essentiellen Figur; welche dies ist, möchte ich nicht verraten, da ich euch zu sehr spoilern würde. Soviel sei aber schon gesagt: Diese fließend eingebundenen Perspektivenwechsel finden zeitlich parallel statt und zeigen die Gedanken und die Sichtweise des Geschehens aus der Perspektive eines anderen Buchcharakters, ohne den Lesefluss zu stören. Im Gegenteil, diese Einschübe werten das Lesevergnügen zusätzlich auf und sorgen für abwechslungsreiche Unterhaltung.

Illustration à la arsEdition

Wenn man das Buch in der Hand hält, merkt man gleich welcher Verlag sich um die Gestaltung gekümmert hat. arsEdition ist für seine liebevolle Illustration, Ausarbeitung des Covers und Innengestaltung der Kapitel bekannt und so war ich auch dieses Mal erneut sehr angetan vom Erscheinungsbild des Romans. Trotz des Gewichts des 448 Seiten starken magischen Werkes liegt das Buch gut in der Hand und das farbenfrohe Cover ist mal wieder eine Augenweide. Details wie glänzender Spotlack, angewendet bei Coverelementen und Titel sowie bei der Hauptfigur des Buches, wurden holografische Elemente zur Gestaltung verwendet. Das Gesamtbild, welches Illustrator Helge Vogt geschaffen hat, ist einfach stimmig und gefiel mir auf Anhieb.

Auch die Kapitel wurden wieder, ähnlich wie bei einem anderen Buch aus dem Verlag, mit grafischen Elementen aufgewertet und auch hier fand sich wieder eine kleine, einleitende Überschrift, die kurz den Inhalt des folgenden Textes umriss. Dieses kleine Detail empfand ich als gut gelungen und dennoch nicht vorgreifend, sprich es verrät nicht zuviel über den Inhalt, macht aber dennoch neugierig auf das, was nun folgen wird.

Minimale Kritikpunkte

Die Story an sich konnte mich bis zur letzten Seite begeistern, fesseln und hielt so einige Überraschungen parat, die auch mich als erwachsenen Leser zum Staunen bringen konnten. So hielt sich der Autor bis zur letzten Seite über so manche Figur und deren Bedeutung für die Handlung bedeckt und schuf so einen kontinuierlichen Spannungsablauf, der zu keiner Sekunde nachließ. Ein paar kleine Logikschwächen in der Charakterzeichnung des Protagonisten konnten mich nicht davon abhalten, dem Buch trotzdem die volle Punktzahl zu geben. Die Stärken der Formulierung, die inhaltliche Ausarbeitung der Idee sowie die farbig gezeichneten Charaktere, die sich im Laufe des Buches überzeugend und authentisch entwickelten, überwogen diesen minimalen Kritikpunkt. Es war für mich einfach nicht ganz einleuchtend, warum sich Humpert – eine auf mich sehr clever wirkende Hauptfigur – mitten in die Gefahr begibt, die offensichtlich ist obwohl ihm klar gewesen sein musste, dass er dabei in eine Falle tappt. Ob das nun von Gerd Ruebenstrunk so beabsichtigt war oder einfach nur ein kleiner Fehler im Handlungsaufbau war, welcher ihm nicht aufgefallen war, kann ich nun nicht beantworten. Doch das ist wirklich Bemängeln auf hohem Niveau, denn das Buch war ein magischer, zauberhafter – nein Moment, da muss man, mit einem Augenzwinkern, gut unterscheiden – Genuss.

»Alles nur eine Frage der Erfahrung«, brummte Tucker. »Wenn man jung ist, dann ist alles oft nur schwarz oder weiß. Im Laufe der Jahre lernst du, die Zwischentöne zu sehen, und begreifst, dass die Wirklichkeit aus vielen Graustufen besteht, mal heller, mal dunkler.« – Seite 231

Humpert lebt in Frankreich und wechselt im Laufe der Geschichte vom dörflichen Landleben in die turbulente Großstadt. Hier setzt mein zweiter, kleiner Kritikpunkt an. Ich liebe Bücher, die in Frankreich spielen, besonders in Paris. Mir fehlte da ein wenig das französische Flair, der französische Lebensstil wollte irgendwie nicht so recht zwischen den Zeilen hervorkommen. Auch wurde mir erst recht spät klar, in welchem Zeitrahmen sich das Buch bewegte, es wurde aber angedeutet dass wir uns definitiv nicht in der Gegenwart befinden, denn es gab die wohlbekannte U-Bahn unter den Straßen Paris‘ noch nicht. Doch wo ist der Duft knusprigen Baguettes, ein Hauch Haute Cuisine, das rauschende Pariser Gefühl? Die allseits bekannte Hektik spiegelte sich durchaus wieder, aber „typisch Frankreich“ fehlte einfach ein wenig. Das hätte ich mir für die Geschichte, wenn sie schon in Frankreichs Hauptstadt spielt, gewünscht.

Wiederum sehr gelungen fand ich das Element, welches aus der britischen Magie-Mythologie entstammt. Gerd Ruebenstrunk bediente sich für »Der letzte Zauberlehrling« inspirativ unter anderem an der englischen Zaubererfigur schlechthin: Merlin. Eben jenen ließ er auf geschickte Weise Teil seiner Geschichte werden, auf eine völlig andere Sichtweise, wie ich es nun vermutet hätte. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber die Idee, welche dahinter steckt, ist klasse und für mich nachvollziehbar und spannend. Geheimnisvoll, mystisch, magisch, zauberhaft – mit diesen Begriffen identifiziere ich ab sofort den Autor und diesen Roman. Es war übrigens mein erstes Buch Gerd Ruebenstrunks, doch definitiv nicht mein Letztes.


Gerd Ruebenstrunk | Der letzte Zauberlehrling
arsEdition | 6. Juli 2012 | ab 12 Jahren
Hardcover, 448 Seiten | 978-3760786797 | 16,99€
– nur noch gebraucht erhältlich –


Mein Fazit: Ein rundherum gelungenes magisch-zauberhaftes Abenteuer, intelligent geschrieben und bis zur letzten Seite spannend! Unbedingt empfehlenswert für alle Freude von Zauber & Magie, die schon die Geschichten rund um Merlin spannend fanden und für all jene, die ein richtig gutes, wohldurchdachtes Fantasyabenteuer inmitten Frankreichs erleben wollen! 

Meine Wertung:
lesemonster_5punkte

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3 Comments

  • Reply Kora 14. April 2013 at 20:36

    Ooohhh, da habe ich jetzt wohl wieder ein Muss für mich entdeckt. Ich habe seit jeher eine Vorliebe für Magie, Illusionen und Zauberei.

    Deine warmen, federleicht ausstaffierten und empfehlenden Worte machen es zusätzlich um einiges leichter, dieses Buch auf meine Wunschliste zu setzen. (:

    Zauberhafte Grüße,
    Kora

    • Reply Buechernische 15. April 2013 at 08:22

      Huhu liebe Kora :-)

      jaaa, der letzte Zauberlehrling ist ein absolut schönes Buch ♥ Julia möchte es auch noch unbedingt lesen!

      Liebe Montagsgrüße
      Sandra ♥

  • Reply Gelesen, genossen & zugeklappt – Resumé Dezember 2012 & Januar 2013 – Die Büchernische 2. Februar 2013 at 16:53

    […] Dezember begann magisch, als mir Blogg dein Buch und arsEdition »Der letzte Zauberlehrling« von Gerd Ruebenstrunk zuschickte. Dieses fantastische Buch gehörte zu meinen Buchhighlights im […]

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