(Blog)aktionen

{Schreibnacht} Let’s write: Über die Freude am Schreiben #2

18. April 2015

Hey ihr Lieben,

ich hoffe, es geht euch gut und ihr seid nun gut ins Wochenende gestartet. Mir ist heute ein wenig nach Plaudern, über dies & das, jenes & anderes. Ich trinke nebenbei einen leckeren Kaffee und versuche die Geräuschkulisse im Hintergrund zu ignorieren. Man munkelt, die Ursache des hohen Geräuschpegels ist in einer direkt neben meinem Schreibtisch aus Decken aufgebauten Höhle samt den darunter befindlichen, sich kabbelnden Kindern zu finden. ;)

Schreibnacht. Ob ich das mal ausprobiere?

Rückblick auf gestern Abend, Freitag, 20:00 Uhr. Die Schreibnacht ist gerade gestartet und ich bin dieses Mal dabei. Wie es dazu kam? Nun, wie so viele andere bin auch ich abends gern auf Twitter unterwegs, klicke mich durch den Newsfeed in Facebook und surfe ein bisschen durch’s Netz. Mitten im Gezwitscher entdeckte ich heute wieder einmal das Stichwort #Schreibnacht. Ehrlich gesagt hatte ich bisher vermutet, die Plattform wäre mehr für angehende Autoren gedacht. Erst heute Abend habe ich dann etwas genauer recherchiert und festgestellt, dass das Thema ‚gemeinsam schreiben & austauschen‘ natürlich auch mich als Bloggerin anspricht. „Warum also nicht einfach mal testen?“, dachte ich mir. Gründerin der Community für Federschwinger und Wortakrobaten ist Jennifer Jäger, selbst Autorin und aktuell Volontärin bei neobooks. Mittlerweile hat sie ein großes Team an hilfreichen Händen um sich versammelt, die gemeinsam Schreibnächte organisieren. Der Erfolg gibt ihnen recht, gestern landete der Hashtag sogar in den Top 5 der deutschen Twittertrends – ein schönes Lob für die aktive Community.

Mein ersten Momente im Forum

SchreibnachtforumIch schreibe bisher „nur“ hier auf dem Blog, doch als ich Hennis Tweet heute sah, der genau wie Sky im Schreibnacht-Forum angemeldet ist, dachte ich mir, ich probiere das nun ganz spontan aus und sehe mich dort einmal um. Die Registrierung klappte innerhalb weniger Minuten und schon war mitten drin. Flugs hatte ich mein Profil aktualisiert, mein Foto war erfreulicher- und erstaunlicherweise schon up to date, noch eben die Signatur ausfüllen (natürlich mit einem meiner liebsten Lindgrenzitate, siehe Blogheader) und hinein ins Getümmel. Das Forum ist sehr übersichtlich und clean gestaltet.

Schreibnacht - Stargast

Fragerunde mit Gästen im Forum

Meine bisherigen Erfahrungen mit Foren waren, zumindest optisch betrachtet, relativ ernüchternd. Natürlich sagt der Look einer Seite nicht unbedingt etwas über Qualität des Inhalts und die Forengemeinschaft an sich aus; das Schreibnachtforum ist jedoch ein sehr gutes Beispiel, wie man ein auch für die Augen sehr angenehmes Forenerlebnis erschaffen kann. Rasche Aktualisierung sorgt dafür, dass dir per akustischem Signal nicht entgeht, wenn jemand in von dir verfolgte Themen postet. Und wenn du mit jemandem im privateren Rahmen schreiben möchtest, kannst du das im foreninternen Chat tun.

Ein paar Minuten später hatte ich mich kurz vorgestellt und wurde herzlich von Teammitgliedern, bekannten wie neuen Gesichtern im Thread begrüßt. Die Stimmung war freundlich, fröhlich, sympathisch, das Eis schnell gebrochen. Das versprach eine schöne erste Schreibnacht zu werden – übrigens bereits die 20. Veranstaltung des Schreiberlingforums, was natürlich gebührend mit einer Überraschungsaktion gefeiert werden muss. Schaut mal vorbei, ihr könnt sogar mitmachen!

Schattentraum - Mona KastenAls um kurz nach 21 Uhr dank hoher Zugriffszahlen der Server abschmierte, nahm es das Team gelassen, erhöhte kurzerhand die Kapazitäten und war nach kurzer Zeit wieder online. Interviewgast des Abends war Mona Kasten, im Netz als Peachgalore bekannt. Letztes Jahr veröffentlichte sie ihr Buch »Schattentraum: Hinter der Finsternis« als Selfpublishingprojekt. Ihre Erfahrungen teilte sie mit der Community und beantwortete über eine Stunde lang geduldig alle Fragen.

Stündlich stellte das Team eine neue Frage rund um das aktuelle Projekt, zudem konnte man angeben, wie viele Worte man innerhalb der nächsten Stunde schreiben wollte. Etappenziele sind um einiges einfacher zu bewältigen, denn sie reduzieren dieses „vor einem riesigen Berg von Worten stehen“-Gefühl ein wenig und helfen, den Überblick zu bewahren. Mit dem Ansporn der Mitschreiberlinge im Rücken klappt das gleich noch ein bisschen besser. Das muss auch ich feststellen, es fluppt, selbst als ich nebenbei noch getwittert oder andere… ganz besonders… wichtige (!) Dinge erledigt habe. Prokrastination? Moi? Non. *hust*

Um kurz vor halb 2 war ich dann endgültig zu müde, um noch weiter zu schreiben. Die erste Nacht mit anderen Schreibwütigen gemeinsam zu verbringen war eine sehr schöne und vor allem anspornende Erfahrung, sorgte für neu geknüpfte Kontakte und wird sicher nicht meine letzte Teilnahme gewesen sein.

Wie ich zum Schreiben kam

Ich habe früher gerne Kurzgeschichten geschrieben und erinnere mich sogar noch sehr gut an eine meiner ersten ernsthafteren Schreibversuche. Wir bekamen während einer Klassenarbeit eine kleine Karte mit kurzen Ortsbeschreibungen und Zeitrahmen in die Hand gedrückt und sollten in den darauffolgenden 60 Minuten aus dem Kopf eine fantasievolle Geschichte um dieses Gerüst herum schreiben. Das war genau mein Ding. Ich schrieb ungefähr 4 DinA4-Seiten während des Tests und war stolz wie ein König, als meine Geschichte mit einer 1* benotet wurde. Das ist nun schon über ein Vierteljahrhundert her. Damals war ich in der 3. Klasse und besaß weder einen Computer, noch gab es bei uns zuhause Internet. Ich schrieb alles schön per Hand, oldschool und mit Lamyfüller – den habe ich übrigens heute noch und ich liebe ihn heiß und innig.

Handlettering © Buechernische

Handlettering © Buechernische

Heute, 27 Jahre später, belebe ich das Schreiben mit der Hand gerade wieder. Der Füller lag in all den Jahren in einem kleinen Schlampermäppchen aus Leder, das über und über mit allerlei Sprüchen, Worten und Blümchen bekritzelt war, Relikte aus meiner Schulzeit. Nicht jede Schulstunde war so spannend, dass ich gebannt an den Lippen meiner Lehrer hing. Manchmal kam es auch vor, dass ich mit Kugelschreiber meine Lehrer zu zeichnen begann.

Meine Eltern waren gar nicht begeistert; weder von meinen kreativen Kritzeleien auf Ledermäppchen mit Kugelschreiber und Edding, noch von meiner Idee, mein zeichnerisches Talent zwecks Prokrastination während des Unterrichts zu nutzen. Mir war es schnuppe. Heute würde man das als „Mäppchen mit personalisiertem Design“ bei Etsy oder Dawanda einstellen und sehr erfolgreich verkaufen. Handmade ist doch wieder in Mode. Genau wie „schön Schreiben“, das man jetzt ganz modern als „Handlettering“ bezeichnet.

handletteringledger

Schreiben kann man auch mit dem Pinsel

Bis vor einem halben Jahr schrieb ich nur sehr selten Briefe. Dann und wann schickt man mal eine Postkarte aus dem Urlaub, verfasst einen lieben Gruß zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Doch ein richtig schöner Brief, auf gutem Briefpapier, das ist schon etwas Besonderes, das ich mir entweder für einen besonderen Moment aufgehoben habe oder schlicht und ergreifend – das ist die weniger romantische Variante – zu faul war und lieber am PC tippte. Das Internet bietet mittlerweile eine schier unerschöpfliche Fülle von sogenannten „handwritten fonts“. Man erkennt kaum den Unterschied zur handgeschriebenen Schrift, abgesehen davon, dass man natürlich sehen kann, dass der Brief ausgedruckt wurde.

Wenn aus Worten Bilder im Kopf entstehen…

Doch Schreiben bedeutet für mich nicht nur Briefpost oder Blogposts. In meinem stillen Kämmerchen schlummert etwas vor sich hin, das ich eigentlich gerne niederschreiben würde. Doch bisher fehlt mir der Mut, einfach loszulegen. Das mag auch daran liegen, dass es eine sehr persönliche Angelegenheit ist. Umso mehr bewundere ich im Moment meinen lieben Mann, der seit nunmehr fast einem Jahr konsequent an seinem Manuskript schreibt, ändert, Wörter löscht, neue hinzufügt, Adjektive killt, Testleser lesen und sich Feedback geben lässt. Wie unglaublich viel Arbeit wirklich hinter einem Buch steckt, merkt man dann doch erst, wenn man selbst aktiv schreibt oder jemand in unmittelbarer Umgebung beim Schreiben beobachtet. Wenn ihr übrigens zwischendurch mal Zeit habt, drückt die Daumen. Das Exposé liegt mittlerweile bei einer Agentur, Phase 1 hat sozusagen begonnen, Geduld ist von Nöten. Viel Geduld. Hibbelfaktor³!

Wie sieht es bei euch aus, schreibt ihr auch gerne? Habt ihr vielleicht auch ein Projekt in der Schublade liegen und braucht nur noch den kleinen liebevollen Tritt?

Nachdem ich den gestrigen Tag mit Schreiben verbracht habe und immer noch im Flow bin, werde ich heute die Rezensionen zu zwei wunderbaren Bilderbüchern aus dem Knesebeck Verlag schreiben: »Paddington« und »Paddington feiert Weihnachten«, gefolgt vom frisch gekauften »Paddington wird Gärtner«. Den Film habe ich mittlerweile auch. Ich glaube, wir machen mal eine Paddingtonwoche, oder? :)

Danach ist heute Zeichnen und Lesen angesagt. Da der Goldfisch bei mir gerade nicht recht zünden will, lese ich mich jetzt in David Whitehouse‘ Roman »Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek« aus dem Tropen Verlag ein. Und wenn später der Haushalt ruft, lausche ich weiter der unendlichen Geschichte – dieses neu vertonte Hörspiel müsst ihr euch unbedingt anhören, es ist sagenhaft schön! ♥

Schönen Samstag ihr Lieben!

sandra_signed

You Might Also Like

No Comments

Ich freue mich auf euer Feedback :-)

%d Bloggern gefällt das: