Rezensionen

Elizabeth Miles – Im Herzen die Rache ({Buchrezension}

19. Januar 2013

Liebe Leser,

Elizabeth Miles Auftakt zur Fury-Trilogie mit dem klangvollen deutschen Titel »Im Herzen die Rache« zog letzte Woche zu meiner großen Freude und Überraschung in meine Bücherregal ein. Als das Buch einen Tag nach der Bekanntgabe schon eintrudelte, habe ich es mit großer Begeisterung ausgepackt und über das wirklich sehr ansprechende Cover gestreichelt. Ich konnte es kaum erwarten, mich in diesen Schmöker zu stürzen und habe es an einem Nachmittag durchgelesen. Leider konnte mich der Inhalt zwischen den wohlgestalteten Buchdeckeln nicht so ganz überzeugen.

Reue ist manchmal nicht genug…

Im Herzen die Rache von Elizabeth Miles © Loewe VerlagEmily Waters wohnt in der beschaulichen Kleinstadt Ascension mitten im amerikanischen Maine. Weihnachten steht vor der Türe, es ist bitterkalt und die Straßen sind dunkel, als eine schlimme Nachricht die Partystimmung der Schulparty dämpft. Danach ist nichts mehr so, wie es war. Merkwürdige Dinge gehen vor sich, als drei geheimnisvolle Mädchen in der Stadt auftauchen. Etwas Dunkles kriecht durch die Straßen, Furcht greift um sich…

Als die Buchvorschauen für das Jahr 2013 veröffentlicht wurden, stand dieses Buch schon sehr früh auf meiner Wunschliste der Lektüren, die ich unbedingt lesen wollte. Das Cover ist ein wahrer Hingucker, da ich ohnehin ein kleiner Vintagefan bin. Das elegante Mädchen aus offenbar gutbürgerlichem Hause, mit einer Teetasse in der Hand, onduliertes Haar und die texturierte Tapete in Kombination mit einer gelungenen Fontauswahl und Spotlack-Akzentuierung ist ein Augenschmaus und faszinierte mich von ersten Moment an. Auch unter dem Schutzumschlag setzt sich die Textur fort, ein rundherum gelungenes Styling„.

Große Erwartungen

Elizabeth Miles hatte eine wirklich gute Idee, nicht neu, aber gut. Angelehnt an die griechische Mythologie toben sich drei grazile Furien in der Kleinstadt aus und sinnen auf Rache. Die Protagonistin. die junge Emily – genannt Em – hat alles, wovon viele ihrer Klassenkameraden träumen: Freunde, einen guten Ruf in der Schule, ein gutes Elternhaus, eine tolle, beste Freundin. Sie führt ein typisches Highschool-Leben.

Wie ein plötzlicher Schauderer
greifst du mein Herz
Vielleicht darf es nicht sein
doch von nun an bin ich
ganz
dein – Seite 135

Doch Geld und teure Klamotten alleine machen nicht glücklich, das merkt auch Emily, denn der Mann ihrer Träume ist außer Reichweite. Die Charakterzeichnung der Hauptfigur als auch die der Nebencharaktere ist stimmig, typisch amerikanischer Teenager eben. Und da knüpft auch gleich das erste Problem an.

Coolness!

Elizabeth Miles - Fury I

Das Cover der Originalausgabe gefällt mir nicht annähernd so gut wie das der deutschen Ausgabe…

Die Wortwahl ist mir zu amerikanisch „cool„, zu sehr gewollt auf jung getrimmt, zu breiig – es wirkt teilweise schon beinahe albern. Ich hatte schon öfter Bücher von amerikanischen Jugendautoren in der Hand, auch mit einem ähnlichen Slang; aber Elizabeth Miles trug meiner Ansicht nach in dieser Beziehung ein wenig zu dick auf. Nicht nur Dialoge – das wäre ja nicht weiter schlimm gewesen – sondern auch der normale Kontext wirken zu gezwungen „jung-geschrieben“. Mir fehlt einfach ein wenig die Reife im Plot, auch oder gerade weil es ein Jugendbuch ist. Warum muss man solche Bezeichnungen wie „Piss-Brücke“ für einen Ort verwenden, an welchem sich Jugendliche nach nächtlichem Partygelage erleichtern? Hätte man da nicht auch einen anderen Begriff finden können? Klar, das ist die Übersetzung, ich kenne den englischen Begriff, der in diesem Kontext verwendet wurde nicht, aber ich denke das wird schon ein ähnlicher Ausdruck gewesen sein, sonst hätte die Übersetzerin das nicht so ins Deutsche übertragen.

[…] es gibt Dinge, die man nicht ungeschehen machen kann, egal wie sehr man es sich auch wünscht. Ist die Lawine erst einmal in Bewegung, gerät sie schnell außer Kontrolle. Unaufhaltsam. – Seite 274

Ich habe nichts dagegen, wenn in einem Dialog auch mal mit flapsigem Jargon gesprochen wird; das Buch zielt jedoch auf die Altersgruppe der 13- bis 16jährigen und ich bin der Meinung, man sollte gerade für diese Altersgruppe eine andere Wortwahl finden. Jedenfalls war ich nach dem gefühlten zehnten Lesen des Wortes „Piss-Brücke“ ziemlich gereizt. Junge Leser weiß der lockere, flapsige Duktus sicherlich zu begeistern. Auch die Einteilung des Trilogieauftakts in drei Akte sowie die Perspektivenwechsel zwischen den verschiedenen Jugendlichen trug zum leichten, abwechslungsreichen Grundton bei.

Erleuchtung?

Der zweite Kritikpunkt ist die Naivität der jugendlichen Charaktere, die mir zu schaffen machte. Selbst wenn es der Autorin wichtig war, das Gefühlsleben eines verliebten Teenagers mit Wölkchen im Gehirn und Schmetterlingen im Bauch dem Leser näher zu bringen, so hat sie auch in diesem Fall zu tief in die rosarote Wühlkiste gegriffen. Mag sein, dass ein(e) 13jährige(r) Leser(in) das aus einer anderen Perspektive betrachtet, aber für mich als erwachsenem Leser galoppierte die Einfältigkeit ein wenig zu sehr durch das Buch; teilweise saß ich wirklich kopfschüttelnd und laut „Mensch mach die Augen auf, Mädchen!“ rufend in meiner Leseecke und hoffte, dass die baldige Erleuchtung erfolgen möge.

Da ist mehr drin!

Als dritten – und auch letzten negativen – Punkt möchte ich auf die Spannungskurve eingehen. Während der Klappentext großspurig das paranormale Gruseln schlechthin anbot, erwies sich nach dem Lesen das Ganze als recht ernüchternd. Der Plot hatte seine Höhepunkte, keine Frage. Subtile Andeutungen, gruselig-düstere Atmosphäre gepaart mit winterlichem Frostflair hätten aber weitaus besser ausgeschöpft werden können, das Potential hat die Story allemal. Leider tröpfelte die Spannung die meiste Lesezeit über zu leise vor sich hin. Es gab den einen oder anderen Überraschungsmoment, ich dachte „hey, nun kommt mal Fahrt in die Sache!“ doch auf den darauffolgenden Seiten nahm das auch leider wieder ab. Einen dicken Pluspunkt gebe ich allerdings für das Ende, denn das gefiel mir sehr gut und somit läutet das Finale die Wartezeit auf Band II ein.

Klirrendes Winterflair

Was mir ausgesprochen gut gefiel, war die Umschreibung der winterlichen Kleinstadt, die Straßenzüge und auch die Darstellung der düsteren Ecken. Ein eisiger Hauch wehte durch die Seiten. Die zarte Liebesgeschichte die sich im weiteren Handlungsverlauf anbahnte, transportierte die Autorin mit sanftem Feingefühl an mich als Leser. Ich kann mich noch gut an diese Empfindung erinnern, als ich die ersten Schmetterlinge im Bauch flattern spürte und musste unwillkürlich lächeln. Da ich mich sehr für griechische Mythologie interessiere, fand ich es absolut klasse, dass sich Elizabeth Miles dieser auch als Vorbild für ihre Rachegöttinnen bediente. Allerdings schaffte die Autorin es nicht, mich in diese gruselige, finstere Stimmung zu versetzen, die der Plot eigentlich bieten sollte. Es wollte nicht so recht knistern. Schade.

»Mein Gott, der Schnee ist einfach wunderbar«, sagte Ty und sah aus dem Fenster. »Er erinnert mich an dieses alte Gedicht. Es ging um den Schnee in der Luft, um Flocken, Flüstern … stille Verzweiflung.« – Seite 56

Ich werde den zweiten Band lesen, weil ich erstens wissen möchte, ob die Autorin das Potential der Geschichte, die ja nun ihre Einleitung gefunden hat, besser ausarbeiten kann und weil ich natürlich dennoch wissen möchte, wie es weitergeht. Wie gesagt, das Finale war klasse, das macht schon Lust auf mehr. Leider hat das aber nicht mehr ausgereicht, um »Im Herzen die Rache« noch mit vier Punkten zu bewerten. Dafür ist der Gesamteindruck des Jugendbuches leider nicht gut genug, somit gebe ich dem Buch die Zwischenwertung von 3,5 Leseherzen.


Elizabeth Miles | Im Herzen die Rache | Trilogie: Fury Trilogie, Band 1 | 3
Loewe Verlag | 16. Janur 2013 | ab 13 Jahren
Hardcover, 389 Seiten | 978-3785573778 | 17,95€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Ein mühsamer Start der Trilogie mit einer Story, die viel Potential hat, welcher aber einfach der gewisse Kick fehlte! Ich hoffe auf Band II und mehr Tiefgang!

Meine Wertung: 3of5

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12 Comments

  • Reply {Welttag des Buches} Büchernische verschenkt Lesefreude! | Büchernische 23. April 2014 at 09:48

    […] Herzen die Rache« aus dem Loewe Verlag: dieses Buch habe ich letztes Jahr gelesen und auch rezensiert. Ich habe es einmal gaaaanz vorsichtig gelesen und den Schutzumschlag zum Lesen abgenommen. Wer […]

  • Reply Gelesen, genossen & zugeklappt – Resumé Dezember 2012 & Januar 2013 – Die Büchernische 2. Februar 2013 at 16:57

    […] einordnen kann, weiß ich selbst nicht so richtig, aber leider konnte mich ihr Trilogieauftakt »Im Herzen die Rache« aus dem Loewe Verlag nicht vollends überzeugen. Die etwas zu gewollt auf jung getrimmte Story […]

  • Reply Charlousie 27. Januar 2013 at 23:09

    Ich finde deine Rezension auch nicht abschreckend. Ich finde sie zeigt sehr gut, dass das Buch evtl. einfach für jüngere LeserInnen ist und du beschreibst richtig gut und nachvollziehbar, was dich störte und was dir gut gefiel.
    Ich hatte beinahe dieselben Kritikpunkte, obwohl ich die englische Version hörte. Die Charaktere haben mir nicht so zugesagt und diese „Rachegöttinnen“ haben in meinen Augen ihre LeserInnen etwas verhöhnt, indem sie durch ihre wenigen Auftritte beinahe genauso gut hätten wegbleiben können. Dann bin ich ja der Meinung, dass die „Untaten“ der Protagonistin nun wirklich nicht soooooooooooooo schlimm sind. Vglw. Mafia, Drogengeschäfte, Pornografie etc. finde ich eher Rachewürdig. Klar, dann ist es kein Jugendbuch mehr, aber ich konnte dass dann einfach nicht mehr Ernst nehmen. Wenn du die RACHEmythen dahinter schon überflüssig findest, die Charaktere dich eher annerven, dann kann es eig. nichts mehr werden! ;-)
    Aber das Ende, ja, das hatte mich auch schon gepackt!!!

    UND die Hörbuchsprecherin hatte es übertrieben drauf, deswegen wurden es bei mir auch noch 3 Sterne!

    Liebe Grüße, deine Rezension ist optisch übrigens auch der Hit und deine Gliederung mit den Überschriften, sowie deine Zitate sind gelungen. Folglich: <3 deine Rezension!
    Charlousie

    PS: Tut mir trotzdem leid, dass es dich nicht so richtig begeistern konnte, nachdem du das Cover so toll gefunden hast, aber vielleicht hast du Glück und Band 2 ist wirklich besser. (Ich glaube da nicht mehr dran und habe die Reihe deswegen auch aufgegeben! :D)

    • Reply Buechernische 30. Januar 2013 at 11:05

      Huhuuu Charlouise,

      danke für diesen tollen Kommentar!! ♥ ich bin froh, dass du das so siehst denn ich habe mich wirklich bemüht, das Buch fair zu rezensieren.

      Ich bin dennoch mal auf den 2. Band gespannt, mal sehen ob er mich mehr packen kann, aber der Schreibstil wird ja derselbe sein, mal abwarten..

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Morgaine (BookLover) 20. Januar 2013 at 23:26

    Und dabei warst Du so „gierig“ auf gute Unterhaltung, die eben optisch auch anzunehmen war.
    Ich lasse mich mal überraschen, ob ich das Buch auch noch vor die Nase bekomme ;)
    Aber ansonsten eine konstruktive und eloquente Rezension, in gewohnter Sandra-Manier.

    PRIMA, auch was die Sternenvergabe angeht.

    LG Morgaine

    • Reply Buechernische 21. Januar 2013 at 00:23

      Danke liebe Morgaine ♥

      ja, ich weiß.. aber das änderte sich bereits nach den ersten 90 Seiten recht schnell. Das Buch und ich, wir haben immer weniger zueinander gefunden, leider… dennoch ist es keine schlechte Lektüre, aber eben nicht so atemberaubend, wie es den ersten Eindruck vermittelte..

      Liebe Knuddelgrüße
      Sandra

  • Reply Filo 20. Januar 2013 at 17:56

    Wieder eine sehr schöne Rezi von dir ;) Allerdings hätte ich von dem Buch auch mehr erwartet… Mal sehen, ob es irgendwann seinen Weg zu mir ins Regal findet, abgeschreckt bin ich nämlich noch nicht, nur meine Erwartungen sind deutlich heruntergeschraubt^^

    Liebe Grüße,
    Filo

    • Reply Buechernische 20. Januar 2013 at 18:03

      Huhu liebe Filo,

      nein abschrecken sollte diese Rezension auch nicht, dann wäre es eine ♥-Wertung geworden. 3,5 ♥ sind für dieses Buch angemesen finde ich, ich bin gespannt wie du das empfinden wirst :-)

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Kora 20. Januar 2013 at 09:21

    Wieder einmal eine sehr analytische und fair betrachtete Rezension von dir, liebe Sandra! Liest sich wundervoll, auch wenn die verhaltene Begeisterung deutlich wird. Aber noch bleiben zwei Bände, um dich abzuholen. Bin jetzt schon gespannt, wie die Entwicklung ihren Lauf nimmt …

    Beste Grüße,
    Kora

    • Reply Buechernische 20. Januar 2013 at 10:10

      Huhu liebe Kora,

      Fair – das ist das Stichwort. Ich wollte und brauchte auch keinen Verriss zu schreiben, ich habe einfach ein paar kritische Punkte angesprochen, die mich während des Lesens störten. Es ist kein schlechtes Buch, aber es wollte mich einfach nicht so recht in Begeisterungsstürme ausbrechen lassen, wie ich es bei Lesestart und nach Trailer & Klappentext erwartet habe. Aber Ascension wird mich wiedersehen, wenn der Frühling kommt.. und der Schnee schmilzt.. und darunter etwas zum Vorschein kommen wird..

      Liebe Lesegrüße
      Sandra ♥

  • Reply Leselurch 19. Januar 2013 at 22:53

    Schade, ich hätte gehofft, dass da mindestens eine 4 zwischen den Buchdeckeln steckt… aber eine 3,5 ist ja knapp dran vorbei!

    • Reply Buechernische 19. Januar 2013 at 23:01

      Huhu Lurchi :)

      ja, knapp vorbei. Eine 3♥-Bewertung wäre aber zu schlecht gewesen, denn es hat ja durchaus gut unterhalten können. Aber eben nicht in dem Maße, wie es ein 4♥-Buch vermag.

      Liebe Lesegrüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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