Rezensionen

Buchtipp: Thomas Thiemeyer – Das verbotene Eden: David und Juna {Buchrezension}

12. Mai 2016

Liebe Jugendbuchfans,

vor ein paar Wochen habe ich den ersten Band einer Trilogie beendet, die lange – viel zu lange – ungelesen in meinem Bücherregal stand. Die Rede ist vom ersten Band der Eden-Trilogie aus der Feder von Thomas Thiemeyer, das 2011 im Pan Verlag erschien. Leider existiert dieses Imprint der Droemer Knaur Gruppe nicht mehr und so freue ich mich, eines der Bücher aus dem Verlagsprogramm sogar signiert mein eigen nennen zu können. Wie gut mir der Auftakt in diese dystopische Jugendbuchreihe gefallen hat, möchte ich euch nun in meiner Besprechung berichten.

Männer und Frauen. Feuer und Wasser. David und Juna.

Das verbotene Eden 1 - Erwachen, Thomas Thiemeyer, KnaurDie Tage der Menschheit sind gezählt. Vor über 60 Jahren brachte ein Virus Männer und Frauen weltweit dazu, sich gegenseitig zu bekämpfen und dabei fast vollständig zu vernichten. Nur mit Mühe und Not konnte der Rest der Zivilisation erhalten werden. Während die Männer in einer alten, von der Vegetation überwucherten Ruinenstadt hausen, leben die Frauen in der Nähe eines Vulkans mitten in der Natur niedergelassen. Das Friedensabkommen, das Männer und Frauen untereinander geschlossen haben, steht auf sehr wackligen Beinen. Ein Funke genügt, um das Pulverfass zum Explodieren zu bringen. Inmitten all dieser Feindschaft begegnen sich zwei junge Menschen: Juna, 17 Jahre alt und eine feurige Kriegerin. David, ein junger Mönch, der sich am liebsten den ganzen Tag mit Büchern beschäftigen würde – auch solchen, die mittlerweile verboten sind…

Thomas Thiemeyer ist für mich kein unbekannter Autor. Ich bin begeisterter Leser seiner erfolgreichen Jugendbuchreihe »Die Chroniken der Weltensucher« und muss ehrlich gestehen, dass ich mich selbst darüber wundere, warum seine dystopische Trilogie so lange ungelesen im Regal stand. Ich muss gestehen, dass ich es liebe, einfach vor dem Bücherregal zu stehen und aus meinem reichhaltigen Buchfundus ein Buch auszusuchen.

Nachdem ich den ersten Band der Reihe also vor ein paar Wochen spontan zur Hand nahm und über das grüne Cover strich, fielen mir bei näherem Hinsehen überhaupt erst einmal die zahlreichen Details auf dem Cover auf.Im Hintergrund der beiden jungen Menschen sieht man eine Karte. die sich auch auf dem Buchschnitt wiederfindet. Kleinigkeiten, wie das Tattoo auf der Schulter der hübschen jungen Frau oder die Ketten an den Handgelenken des jungen Mannes wird man später im Buch wieder erkennen. Zwar bin ich kein Fan von Covern mit Fotomotiven, doch dieses hier gefällt mir recht gut, zumal sich diese Art Motiv auch auf den fortsetzenden Bänden wiederfindet und gut miteinander harmoniert.

„Was für eine absurde Vorstellung! Männer und Frauen. Das wäre wie Öl und Wasser. Schlimmer noch, wie Feuer und Benzin. Leicht entzündlich und hoch brennbar.“ – Seite 44

David und Juna. Logan und Gwen. Magda und Ben. Ich habe mir die Buchtitel schon einmal näher angesehen, denn der zweite Band wartet jetzt gerade nach Beenden des ersten Buches darauf, direkt im Anschluss von mir verschlungen zu werden.

Sehr gelungener Auftakt

Bäm! Welch für ein fabulöser Auftakt in die Trilogie. Das Worldsetting, die Charakterzeichnung, die Entwicklung der Geschichte an sich, die Grundidee dahinter – ich bin immer noch überwältigt von all den Eindrücken, die sich mir während des Lesens boten. Thiemeyer hat eine unglaublich farbige, lebendige Schreibe. Das fiel mir schon positiv auf, als ich die Fortsetzung seiner Mysterythrillerreihe »Valhalla« las – hier erschien übrigens gerade das neue Buch der Hannah-Peters-Reihe namens »Babylon«.

Der studierte Geologe, Illustrator und erfolgreiche, vielseitige Autor schöpft das volle Potential seiner Fantasie aus und verpackte dies mit sorgfältiger Recherche versehen in ein rundherum stimmiges Gesamtpaket. Thiemeyer geht mit Worten so farbenfroh um, als ob er mit Worten malen würde – als wäre er gerade im Begriff, eine seiner detailreichen, farbenfrohen Illustrationen zu zeichnen. Die Geschichte fühlte sich wie ein Film an, der in immer bunteren Farben vor meinem inneren Auge ablief. Stunde um Stunde verstrich, ich blätterte Seite um Seite um, die Augen wurden schwerer. Noch ein Kapitel. 1:00 nachts. Nur noch dieses eine Kapitel. Nur noch dieses eine, dann ist Schluss. Warum nur habe ich dieses Buch drei Jahre im Regal stehenlassen? Sechs Tage später, nachdem ich die letzte Seite umgeblättert hatte, holte ich sogleich den Folgeband aus dem Regal, noch Original verpackt. Nachdem ich die Folie entfernt und über den Bucheinband gestrichen habe, beschloss ich trotz aller Neugier auf die Fortsetzung euch erst einmal von meiner Begeisterung über »Das verbotene Eden: David und Juna« zu berichten.

„Vertrauen entsteht erst mit der Zeit, man kann es nicht einfordern.“ – Seite 332

Dabei fiel mir der Einstieg zunächst gar nicht so leicht, wie es vielleicht den Anschein hat. Ich benötigte ein paar Kapitel Zeit, um mich an dieses Szenario zu gewöhnen, denn ich hatte aus irgendeinem Grund – womöglich auf Grund des Coverdesigns – ein modernes Setting à la Will Smiths ‚I am Legend‚ oder Cillian Murphys ‚28 days later‚ erwartet. Doch schon 50 Seiten später hatte mich der spannend gestrickte Plot und seine charmanten, intelligenten Protagonisten endgültig am Haken und ich war schließlich froh, entgegen meiner Erwartungen eben keine typische Dystopie in den Händen zu halten. Vertraut mir. Es lohnt sich, sich voll und ganz auf diese Geschichte einzulassen.

dasverboteneeden01

Zurück in die Steinzeit der Zivilisation

Was mit dem unheilvollen Tagebucheintrag eines Virenforschers aus dem Jahr 2015 begann, entpuppte sich im Laufe der folgenden Seiten als postapokalyptisches Szenario, das über 60 Jahre später in der Zukunft spielte. Die Menschheit ist beinahe ausgestorben und, das merkte man schon nach wenigen Seiten, zurück in die Steinzeit katapultiert worden. Nun ja, nicht ganz, sagen wir ins Mittelalter. Elektrizität, CDs, Computer, ja sogar Bücher sind nur noch ferne Relikte aus einer ehemals florierenden, modernen Vergangenheit. Staubige Relikte, um die sich allerhöchstens noch Mönche wie David kümmern, die zu der offenbar selteneren Sorte Mensch gehören, die die Kunst des Lesens und Schreibens noch beherrschen und in von Kerzenlicht erhellten Räumen beinahe zu Staub zerfallende Bücher restaurieren.

Liebe, was wusste sie [Anm. d. Red.: Juna] eigentlich davon? Bisher hatte sie immer geglaubt, dass das, was sie und Gwen verband, Liebe sei. Gemeinsame Interessen, Tisch und Bett miteinander teilen, abends zusammen einschlafen, morgens miteinander aufwachen. […] Dass Liebe ein seelisches Bedürfnis war, das einen die Sekunden zählen ließ, bis der geliebte Partner zurückkehrte, das Herzklopfen und Schweißausbrüche verursachte und einen wünschen ließ, mit jeder Faser seiner Existenz dem anderen nah zu sein – davon war nie die Rede gewesen. – Seite 260

Tiefgründiges, hervorragend ausgearbeitetes Thema

Einschübe wie eben jenen Tagebucheintrag wird man später noch ein paar Mal vorfinden. Wie Schatten aus einer längst vergangenen Zeit bezeugen sie, welches Chaos zum jetzigen Zustand der Zivilisation geführt hat, als Frau und Mann sich aufgrund eines vom Menschen selbst erschaffenen, mutierten  Virus gegenseitig nach dem Leben trachteten. Ihr ahnt vielleicht schon, dass Thomas Thiemeyers Zukunftsvision nicht so fremd erscheint, wie man es gern hoffen möchte. Pharmakonzerne, die mit Viren experimentieren oder gar neue Mutationen erschaffen, um ihr Medikament xyz möglichst erfolgreich auf dem Markt zu platzieren? Das kennen wir doch leider nur zu gut aus unserer Gegenwart. Wohin das führen könnte, hat der Autor in seinem Auftakt sehr gelungen weiter gesponnen. Auf den ersten Blick mag diese degenerative Entwicklung etwas zu schnell vonstatten gegangen zu sein, immerhin ist gerade einmal etwa ein halbes Jahrhundert vergangen, seit sich Mann und Frau gegenseitig an die Kehle gingen und die Menschheit einen großen Schritt rückwärts stolpern ließen. Doch wenn ich genauer darüber nachdenke, wird mir klar, dass eine derart gefährliche Krankheit sehr wohl der Tropfen sein kann, der das Fass zum Überlaufen bringt. Ein Virus, das imstande ist, das komplette Erbgut eines Menschen durcheinander zu bringen und einen vernünftigen Menschen zum rasenden Killer mutieren lässt, hört sich leider verdammt nach Weltuntergang an. Schaurig und vor allen Dingen leider durchaus vorstellbar.

Der Kampf ums Überleben

Zur eindrucksvoll gestalteten Hintergrundkulisse gesellen sich schließlich zwei Protagonisten, die mir von Anfang an ans Herz gewachsen sind. Vor allem die junge Kriegerin Juna ist ein sehr farbig ausgearbeiteter Charakter – jung und dynamisch, dabei jedoch keine übertrieben gezeichnete Superheldin. Zu David hatte ich eher weniger Bezugspunkte, er kam doch etwas blass rüber. Ich hoffe, dass er in den Folgebänden seiner doch sehr bedeutsamen Rolle noch gerecht werden wird. Die beiden jungen Menschen wachsen in zwei völlig verschiedenen Welten auf und haben doch eine Gemeinsamkeit: Sie wollen überleben, weiterleben und in eine bessere Zukunft blicken können. Doch der Weg dahin ist steinig. Ihre Verbindung zu Familie, Freunden und der vermeintlichen Sicherheit innerhalb ihrer Gemeinschaften wird auf eine harte Probe gestellt, wenn es letzten Endes um das große Ganze geht: Dem Überleben der Menschheit selbst. Die zwischen den beiden Charakteren wechselnde Perspektive sorgte für einen intensiven Einblick in die Gedankenwelt der beiden Figuren, so dass es mir wahrlich schwer fiel, David & Juna am Ende des Buches los zu lassen. Zum Glück währt der Abschied nicht allzu lange, denn: Band 2, ich komme!

Informationen zur Reihe:

#1 Das verbotene Eden I – Erwachen | HC-Titel: Das verbotene Eden: David und Juna
#2 Das verbotene Eden II – Erkenntnis | HC-Titel: Das verbotene Eden: Logan und Gwen
#3 Das verbotene Eden III – Entscheidung | HC-Titel: Das verbotene Eden: Magda und Ben


Thomas Thiemeyer | Das verbotene Eden – David und Juna | Reihe: Eden-Trilogie, Band 1
Pan Verlag | August 2011 | ab 14 Jahren
Hardcover, 464 Seiten | 978-3426283608
vergriffen, nur noch gebraucht erhältlich
zur Taschenbuchausgabe bei Droemer Knaur


Mein Fazit: Ein fabelhafter, mitreißender Start in eine neue Jugendbuch-Trilogie, die mich mit ihrem ungewöhnlichen Worldsetting überraschte und mit großartigen, intelligenten und farbig gezeichneten Charakteren bis zum letzten Wort überzeugen konnte. Wer Lust auf eine außergewöhnliche Zukunftsvision hat, die auf einer der Realität gar nicht so fernen Grundidee basiert – eine, die uns übrigens wirklich zum Verhängnis werden kann – dem sei dringend zum Lesen dieses Auftakts geraten. Volle Punktzahl für David und Juna! Wir sehen uns im zweiten Band wieder – also jetzt!

Meine Wertung:
5of5, 5 Leseherzen

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7 Comments

  • Reply katizeitzulesen 13. Mai 2016 at 16:31

    Servus liebe Sandra,
    oha, ich muss gestehen, dass ich von dieser Dystopie noch gar nicht gehört habe! Aber was Du berichtest, klingt nach einer sehr schön geschriebenen und gut ausgearbeiteten Story – Du hast mich neugierig gemacht. Ich glaube, ich habe generell von Thiemeyer bisher noch nichts gelesen … hehe, aber das lässt sich ja ändern!

    Danke für den aufschlussreichen Einblick!

    LG & ein schönes Wochenende
    Kati

    • Reply Sandra 13. Mai 2016 at 19:30

      Hi liebe Kati,

      sie stand bei mir auch recht lange im Regal, obwohl mir der Autor natürlich ein Begriff ist. Es wurde wirklich Zeit, dass ich die Trilogie von ihrem Schicksal als SuB-Buch erlöse und das hat sich gelohnt. Ich freue mich, dir eine neue Reihe vorstellen zu können; bin gespannt, wie sie dir gefallen wird :)

      Schönes Pfingstwochenende wünsche ich dir ♥

      Liebe Grüße
      Sandra

  • Reply Buchstabenträumerin 13. Mai 2016 at 08:26

    Liebe Sandra,
    auch bei mir steht der erste Band schon seit Monaten unbeachtet im Regal :D Ich war zwischenzeitlich schon unsicher, ob ich es noch lesen soll, aber nun hast du mich absolut überzeugt. Dankeschön :-)
    Liebe Grüße,
    Anna

    • Reply Sandra 13. Mai 2016 at 19:31

      Liebe Anna,

      dann wird es Zeit, dass du ihn befreist :) viel Freude mit der Eden-Trilogie!

      Liebe Grüße & schönes Pfingstwochenende
      Sandra

      • Reply Buchstabenträumerin 13. Mai 2016 at 20:18

        Liebe Sandra,
        das Buch rückte gerade in meinem Regal ein paar Stufen nach vorne :-) Ich freue mich jetzt schon richtig drauf!
        Dir auch ein schönes Pfingstwochenende, liebe Grüße,
        Anna

  • Reply lalapeja 13. Mai 2016 at 07:42

    Guten Morgen Sandra!
    Wow, was für eine ausführliche, gelungene Rezension! :) Ich weiß gar nicht, wie lange diese Buchreihe schon bei mir auf dem SuB verweilt… Es sind schon einige Jahre. Ich werde mich aber mal demnächst an die Geschichte rantrauen, sobald ich meine aktuell angefangenen Bücher zu Ende gelesen habe. Ich bin jetzt richtig heiß auf die Reihe. :) Danke!
    Liebe Grüße
    Kathy

    • Reply Sandra 13. Mai 2016 at 19:33

      N’abend liebe Kathy,

      schön, von dir zu lesen ♥ danke dir! Ich habe sie mir auch gerade nochmal durchgelesen und freue mich, dass sie so gut gelungen ist. Bei mir stand die Reihe eben auch schon mindestens 2 Jahre ungelesen im Regal, die ersten beiden Bände waren mal ein Geschenk. Nun habe ich noch Band III vor mir und freue mich sehr darauf – vielleicht schon dieses Wochenende, zum Lesemarathon.

      Liebe Grüße und ein schönes Pfingstwochenende
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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