Rezensionen

Camilla Läckberg – Der Leuchtturmwärter {Buchrezension, Bd.7}

1. März 2013

Liebe Spannungsfreunde!

Krimizeit in der Büchernische – endlich, nach längerer Zeit hat mich ein Krimi so richtig gepackt, bis zur letzten Seite, bis zum letzten Wort – ja, bis zum letzten Buchstaben! Camilla Läckberg sorgte nicht nur für unglaublich viel Spannung, sondern hielt auch die eine oder andere Überraschung für mich als Fan von Spannungsliteratur bereit und konnte mich mit ihrem siebten Band aus der Fjällbacka-Reihe namens »Der Leuchtturmwärter« restlos begeistern. Danke an den Ullstein Verlag und an Blog dein Buch, welche mich um ein absolutes Krimi-Highlight bereichert haben!

Schwedenkrimi erster Güte!

9783471350805_coverFjällbacka, Gegenwart. Geheimnisvolle Dinge geschehen auf der Geisterinsel vor der Küste, mitten im Schärengarten. Der Legende nach wandeln die Toten über Gråskär, Stimmen sind zu hören, sanfte Berührungen mag manch einer bemerkt haben. Doch das ist Annie gleichgültig, als sie nach langer Zeit in das alte Haus neben dem Leuchtturm auf Gråskär zurückkehrt, um dort gemeinsam mit ihrem Sohn Sam Schutz zu suchen. Als ihre erste große Liebe Mats kurz darauf ermordet in seiner Wohnung aufgefunden wird, nehmen Patrik Hedström und seine Frau Erika, frischgebackene Zwillingsmutter und Schulfreundin Annies, die Ermittlungen auf.

Camilla Läckberg ist eine weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannte Krimiautorin und wird bereits als erfolgreichste Schriftstellerin Schwedens bezeichnet. »Der Leuchtturmwärter« ist das siebente Buch aus ihrer Reihe ‚Ein Falck-Hedström-Krimi‘ rund um Ermittler Patrik Hedström und seine Frau Erika, ihres Zeichens Schriftstellerin. Die beiden ermitteln in der nordischen Kulisse des Fischerdörfchens Fjällbacka an Schwedens Westküste, in welchem die Autorin selbst aufgewachsen ist und welcher unter anderem die Kulisse für Astrid Lindgrens Verfilmung von »Ronja Räubertochter« lieferte. Nachdem ich das Buch vor ein paar Tagen beendet habe, stand sofort fest: Das wird nicht der letzte Läckberg gewesen sein, das sechste Buch der Reihe namens »Meerjungfrau« ist schon quasi auf dem Weg in meine Büchernische.

Spannend bis zum letzten Wort!

Empfangen wurde ich beim ersten Griff zum Buch von einem gelungenen Cover: das Foto eines geöffneten Fensters, auf der Fensterbank steht ein kleines Schaukelpferd (Assoziation: Kind), der Blick schweift über einen Sandstrand, heran rollende Wellen am Ufer, ein wolkenverhangener Himmel und Blutflecken verteilen sich auf der Szene. Dieser gruselige Anblick versetzte mich sofort in die passende Stimmung zum Buch und machte Lust darauf, nun endlich die Nase zwischen die Seiten zu stecken und mich auf einen spannenden Krimi einzulassen.

Camilla Läckberg hat ihre ganz eigene Art zu schreiben und ihren Plot aufzubauen. Das Buch ist in mehrere, recht lange Kapitel gegliedert, welche interessanterweise in verschiedene Abschnitte unterteilt sind. Vom Stil her erinnert mich das stark an plötzliche Szenenwechsel aus einem Film: Szene mit bestimmten Personen. Schnitt. Szenenwechsel. Szene mit anderen Personen. Schnitt. Dies zieht sich durch das komplette Buch und am Anfang, präziser ausgedrückt auf den ersten knapp 40 Seiten musste ich mich erst einmal an diesen Aufbau gewöhnen, denn dieser Wechsel ist wirklich nur durch einen kleinen Absatz gekennzeichnet. Damit rechnet man, zumindest als Erstleser eines Läckberg-Krimis, nicht unbedingt und muss sich dann erstmal auf die neue „Szene“ einlassen. Wenn man das aber erst einmal verinnerlicht hat und auch alle für die Handlung maßgeblichen Personen eingeführt wurden, stellen diese Wechsel kein Problem mehr dar und sorgen zudem für gehörig Spannungsaufbau. Ich gierte geradezu danach, die nächsten Abschnitte zu lesen. Ehrlich gesagt rechnete ich damit, ein wenig Startschwierigkeiten zu haben, da ich ja die Vorgänger nicht gelesen habe und somit auch die Entwicklung der Charaktere innerhalb der vergangenen sechs Bücher nicht verfolgen und nachempfinden konnte. Doch auch für Krimiliebhaber, die zum ersten Mal in die Fjällbacka-Reihe eintauchen, sei gesagt: Ich hatte überhaupt keine Probleme, mich in die Story hineinzuversetzen und hatte ganz schnell den Dreh raus, wie die Personen miteinander in Verbindung zu bringen waren, obwohl doch recht viele Charaktere eingeführt wurden.

Vorsichtig setzte sie sich wieder auf den Boden. Langsam vertrieb das rhythmische Plätschern der Wellen die Unruhe aus ihrem Körper. Sie waren auf Gråskär, sie war nur ein Schatten, und niemand würde sie finden. Sie waren in Sicherheit. – Seite 185

spurensucheWer die anderen sechs Bücher aus der Reihe gelesen hat, wird diesen Stil erstens schon kennen und zweitens auch den einen oder anderen Protagonisten wiedererkennen, denn auch in »Der Leuchtturmwärter« ermittelt wieder Patrik Hedström: Polizist, Familienvater und ein warmherziger, intelligenter Mann, der sich sowohl in seinem Job wohlfühlt als auch ein harmonisches Familienleben vorzuweisen hat und als Mensch viel Identifikationspotential hat. Eine gelungene Charakterzeichnung, nicht übertrieben, mitfühlend aber auch tatkräftig, zielstrebig und taff, wenn es um das Treffen von Entscheidungen geht. Solch ein farbiges Charakterbild erwarte ich einfach in einem guten Krimi und wurde nicht enttäuscht. Auch Hedströms Frau Erika, gerade Mutter von Zwillingen geworden und von Beruf Schriftstellerin, strahlt viel Wärme und Gefühl aus und bildet so einen Ruhepool in der Storykonstruktion.

Dramaturgischer Unterschied zu einem Thriller: es ging nicht allzu blutig zu, der Tod ist bereits Fakt. Natürlich fand sich auch hier die eine oder andere Szene, die den Atem stocken ließ, doch die Geschichte lebte von investigativen Aspekten: der Suche nach dem Mörder und den Verstrickungen zwischen den einzelnen Charakteren. Zudem hat die Autorin es geschafft, die Ermittlungsarbeit Patrik Hedströms realistisch und logisch nachvollziehbar zu zeichnen. Das mystische Element rund um die Legenden der Geisterinsel runden diese spannende Suche ab und setzen dem Ganzen das I-Tüpfelchen auf.

Langsam, immer tiefer wird man zwischen die Seiten gezogen. Ich war wirklich so gefesselt, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte zu lesen und immer weiter und weiter blätterte, weil ich endlich wissen wollte, wer der Mörder ist, warum Mats überhaupt zum Opfer wurde und was die tragenden Personen des Krimis damit zu tun haben. Man rätselt natürlich mit, einen Verdächtigen hat man schnell gefunden, doch Camilla Läckberg versteht es, den Leser an der Nase herumzuführen und sorgt für die unterschiedlichsten Gefühlsregungen meinerseits. Oft war ich sehr betroffen, gerade auf den ersten 100 Seiten des Krimis (nein, ich verrate nichts, das müsst ihr selbst lesen), öfter musste ich doch schlucken, manchmal schmunzeln und richtige Überraschungsmomente bot das Buch zur Genüge, frei nach dem Motto: „Mensch, damit habe ich jetzt aber wirklich nicht gerechnet, uff!“ Ich versuchte selbst das Geflecht der Handlungsstränge zu entwirren und richtig miteinander zu verknüpfen, nur um am Ende zu erkennen, dass ich mich in die Irre führen ließ. Geschickt eingefädelt, Frau Läckberg!

Ein Krimi mit topaktueller Thematik

Tragendes Hauptthema des Krimis ist Gewalt in der Ehe, ausufernd und mit allen Konsequenzen wie Flucht in ein Frauenhaus, Verschwinden unter dem Deckmantel geänderter Identität und der ständigen Angst, gefunden zu werden und damit vielleicht sogar zu sterben. Die Sorge einer Mutter um ihr Kind treibt damit zu Taten, zu denen man sonst nicht fähig wäre. Die Verzweiflung und Angst lässt den Menschen schwach werden und öffnet Tür und Tor zu schwerwiegenden Fehlern. Über Spannungsverlust brauchte ich mich auf keiner Seite zu beklagen, der rote Faden zog sich bis zum letzten Wort und war bis zum Zerreißen gespannt. Da liegt man abends gemütlich bei Tee und Kerzenlicht in der Leseecke, liest und liest und vergisst ganz, auf die Uhr zu sehen.

Gunnar drehte den Schlüssel erneut um und hörte das Schloss klicken. Mit Händen, die nun unkontrolliert zitterten, drückte er die Klinke hinunter. Kaum hatte er einen Blick in den Flur geworfen, begriff er, dass Signe immer recht gehabt hatte. – Seite 57

Ein Hauch Mystik…

...in einem Fischerdorf an Schwedens Westküste...Ein dunkler Schleier legte sich immer wieder über die Seiten, denn die Autorin sorgte mit interessanten in Kursivdruck abgesetzten Zwischensequenzen für Abwechslung im Handlungsverlauf: Wir sprangen zurück ins Jahr 1870 und lernen im Verlauf von fünf Jahren die junge, sympathische Emily kennen und erfahren in Rückblenden, geschickt im dichten Spannungsgeflecht des Krimis plaziert, etwas über ihr Leben, ihr Schicksal und warum Gråskär ihre Heimat wurde, als Frau eines Leuchtturmwärters. Ich habe mich wirklich sehr lange gefragt, wie diese etwas naiv und unbeholfen wirkende Frau ins Gesamtgefüge passte, wie sie einzuordnen war, welche Rolle sie spielte. War sie vielleicht eine Verwandte von in der Gegenwart lebenden Personen? Raum für Spekulationen ließ die Autorin wirklich bis zum Schluss, löste jedoch die Knoten aller Handlungsfäden in den letzten Seiten und lässt so den Leser nicht mit einem Cliffhanger zurück. Gerade dieser mystische Hauch Vergangenheit setzte dem Buch das Sahnehäubchen auf und entführte den Leser in eine Welt, als der Schiffsverkehr noch nicht mit Computern und digitalen Displays in den sicheren Hafen geleitet wurde. Nein, dieser obligatorische Leuchtturm, mitten auf dieser Insel im Schärengarten – eine für skandinavische Gefilde typische Inselform – mit einer Schlafgelegenheit für den Leuchtturmwärter und dem dazugehörigen Häuschen samt Rosenstock und Kräutergarten ließ ein lebendiges Bild vor meinem inneren Auge entstehen und ein ums andere Mal lief mir ein Schauer über den Rücken, als ich Textstellen wie diese las:

Die Toten schenkten ihr Geborgenheit, sie waren die einzigen auf der Insel, die ihr Gesellschaft leisteten, und ihre Trauer war im Einklang mit der ihren. Auch das Leben der Toten hatte sich nicht so entwickelt, wie sie erwartet hatten. Emelie und sie konnten einander verstehen, obwohl ihre Schicksale durch die dickste Mauer von allen getrennt war. Den Tod. – Seite 146

...zur Webseite der AutorinDas Leben im 19. Jahrhundert in einem schwedischen Dorf, welches vor allem vom Fischfang lebt, sowie das dunkle Geheimnis rund um diese kleine Insel stellte ein schönes Kontrastprogramm zur Gegenwart rund um die spannende Suche nach dem Mörder dar. Das Schicksal dieser jungen Frau berührte mich und machte mich auch nach dem Lesen noch neugieriger auf die Geschichte von Fjällbacka, alten Leuchttürmen und damit verbundenen Legenden zu recherchieren. Gerade der Fakt, dass Camilla Läckberg ihren eigenen Geburtsort als Handlungsort ihrer Bücher wählte, macht das Buch so authentisch und lebendig. Ich habe mir nun schon viele Fotos von Fjällbacka angesehen und bin in Gedanken an den Kaimauern entlang geschlendert und konnte den Duft des Salzwassers förmlich riechen. Die düstere Stimmung im Ort brachte Frau Läckberg sehr bildgewaltig und überzeugend rüber, als ob ich selbst mich mitten in diesem kleinen Dorf aufhalten würde und über Kopfsteinpflaster laufe, vorbei an typisch schwedischer Architektur. Da bekommt man Lust auf Urlaub in Schweden!

Nach 480 Seiten habe ich den Krimi zugeklappt und mir liefen immer noch Schauer über den Rücken. »Der Leuchtturmwärter« hatte eine gesunde Länge, überzeugte mit authentischen und sympatischen Protagonisten, begeisterte mich mit intelligenter Wortwahl und lebendiger Kulisse, kurz gesagt: Das Buch macht wirklich Lust auf weitere Fälle gemeinsam mit Patrik Hedström, inmitten dieses malerischen Fischerdörfchens an der Westküste Schwedens. Gerne hätte ich über den einen oder anderen Nebenhandlungs-Strang etwas mehr erfahren wollen, aber dies bietet natürlich noch Stoff für eigene Ideen und Gedankengänge, wie sich die Story an dieser Stelle entwickeln könnte.  Chapeau, Frau Läckberg, Ihr Buch konnte mich wirklich überzeugen!


Camilla Läckberg | Der Leuchtturmwärter
Ullstein Verlag (List) | Reihe: ‚Ein Falck-Hedström-Krimi‘, Buch #7 | 4. Januar 2013
Hardcover, 480 Seiten | 9783471350805 | 19,99€
zum Buch beim Verlag


Mein Fazit: Ein rundherum gelungener siebter Band der Fjällbacka-Reihe, mein erste Läckberg und defintiv nicht mein letzter! Spannende Story, gelungenes Geflecht aus Mystik, Mord und Leitthema mit vielen überraschenden Momenten. Pageturner für alle Fans schwedischer Krimis und solche, die es werden wollen! Es sei empfohlen, die Reihenfolge der Fjällbacka-Bücher einzuhalten, dies ist aber nicht zwingend zum Verständnis der Story notwendig.

Meine Wertung5of5

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2 Comments

  • Reply Martinas Buchwelten 2. März 2013 at 10:05

    Wow! was für eine tolle und enthusiastische Rezi!! =) Wenn ich das Buch nicht shcon gelesen hätte…und ich habe es leider nur mit 3 1/2 Sternen bewerten können, würde ich es mir sofort zulegen!! =) Nein, du hast wirklich toll erzählt und ich bin begeistert! Das Buch hat mich leider nicht so begeistert. Ich habe ziemlich schnell gewusst wer der Mörder ist…vielleicht, weil ich ein richtiger Thriller- und Krimileser bin, und fand auch die Geschichte nicht so spannend, aber teilweise interessant. Besonders gut gefiel mir die in kursiver Schrift gehaltenen Kapitel über Emilie im 19. Jahrhundert.
    Liebe Grüße
    Martina

    • Reply Buechernische 2. März 2013 at 21:19

      Huhu liebe Martina,

      Enthusiastisch trifft es! Ich kann deine 3,5 Sterne Rezension durchaus nachvollziehen, ich denke einfach, dass man gewisse Maßstäbe setzt, wenn man den Autor schon kennt und weitere Bücher von ihm / ihr gelesen hat. Da dies mein erster Läckberg war und ich im Vergleich noch nicht so viele richtig gute Krimis gelesen habe, schnitt das Buch bei mir sehr gut ab. Ich wusste ehrlich gesagt nicht, wer der Mörder ist. Das kam doch recht überraschend. Die Rückblicke ins 19. Jahrhundert fand ich auch wirklich, wirklich klasse ♥

      Liebe Grüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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