Kino

{Buchverfilmung} Tatiana De Rosnay »Sarahs Schlüssel«

17. April 2014

Einen schönen Nachmittag wünsche ich euch,

vor einer halben Stunde habe ich einen Film gesehen, der mich unglaublich berührt hat. Doch lasst mich die Geschichte von Anfang an erzählen.

sarahsschlüssel

Seit letztem Jahr im Sommer bin ich auf der Suche nach einem ganz bestimmten Buch. Es geht um Tatiana de Rosnays Roman »Sarahs Schlüssel«, welcher erstmals 2008 bei Bloomsbury Berlin erschien. Doch nicht irgendeine Ausgabe, nein. Ja, die Hardcoverliebe schlug wieder einmal zu. Einziger Haken: das Buch ist als Taschenbuch noch jederzeit neu kaufbar, aber die wunderschön gestaltete Hardcoverausgabe ist schon länger vergriffen. Die Veröffentlichung liegt nun 6 Jahre zurück. Anfang der Woche entdeckte ich das Buch zufällig auf dem Gebrauchtmarkt und zog sofort die Augenbrauen hoch. Leinengebundene Hardcoverausgabe? Leinen? Awwww das Leserherz schlug höher. Als ich den Preis von 4,50€ sah, konnte ich es kaum glauben. Wie oft schon hatte ich de Rosnays Roman schon für 40€ und mehr gesehen? 4,50€? Ganz sicher? Nicht, dass das ein Tippfehler war und der Verkäufer meinte eigentlich 45.-€. Das Buch wäre diesen Preis bestimmt wert, aber mein Portemonnaie freut sich, dass ich es für weniger erstehen konnte. Es war also kein Tippfehler und gestern durfte das Schmuckstück bei mir einziehen. Was für eine Freude!

Als ich das Foto bei Instagram postete, entdeckte ich kurz darauf Marcels Kommentar, der sich lobend über die Verfilmung mit Kristin Scott Thomas aussprach. Ohhh, diese Schauspielerin mag ich doch sowieso so gerne, das lockte natürlich umso mehr. Ihre Rollen in »Der englische Patient«, »Der Pferdeflüsterer« oder »Mission Impossible« gefielen mir sehr, sie hat Charisma.

Nun, eigentlich sehe ich mir Buchverfilmungen lieber nach dem Lesen des Buches an. Eigentlich. Vorhin sah ich den Trailer und ich konnte nicht mehr widerstehen. Ich war mir der Traurigkeit des Themas bewusst, der Folgen für mein derzeit wirklich sehr sensibles Herz auch, aber ich wollte den Film nun sofort sehen. Gesagt getan…

98 Minuten, die tief ins Herz gingen

Eine jüdische Familie wird 1942, mitten in der Nacht, gemeinsam mit 20.000 jüdischen Frauen, Männern und Kindern aus ihren Wohnungen in einem Pariser Wohnviertel geholt. Die kleine Sarah und ihr Bruder spielten bis eben noch auf ihrem Bett, als die furchtbaren Ereignisse ihren Lauf nehmen. Sarah ist verzweifelt und versteckt ihren Bruder in einem Wandschrank, bittet ihn dort zu warten, schließt ab und nimmt den Schlüssel an sich. Paris, 60 Jahre später: Julia Jarmond (gespielt von Kristin Scott Thomas), amerikanische Journalistin und Mutter einer bezaubernden Tochter, hat gemeinsam mit ihrem Mann Bretrand gerade eine Wohnung besichtigt, in welche sie nach ihrer Hochzeit einziehen wollen. Julia recherchiert über die gnadenlose Razzia der Nationalsozialisten in Paris für ihre Zeitung und erfährt immer mehr über das Schicksal der jüdischen Familie, die vor der Familie ihres Verlobten in ihrer zukünftigen Wohnung lebte. Sie macht eine Reise in die Vergangenheit, gräbt immer tiefer, immer weiter nach Spuren und entdeckt dabei auch sich selbst…

Filmszene aus Sarahs Schlüssel

Filmszene aus »Sarahs Schlüssel« – © Camino Filmverleih

Ich wusste um das ernste Thema, doch wie nahe es mir ging, damit habe ich dann doch nicht gerechnet. Was ich sah, hat mich schockiert, berührt, zum Weinen gebracht, Hoffnung geschenkt und beten lassen, dass der Film ein ehrliches Ende nehmen wird. »Sarahs Schlüssel« überraschte immer wieder mit kleinen Wendungen, über die ich nun natürlich nichts verraten möchte aber eines kann ich euch sagen: Seht euch diesen Film an! Das ist nicht einfach nur ein weiteres Zeitzeugendokument, wobei die Fakten natürlich sehr gut recherchiert ihren Platz finden. Die fiktive Geschichte, die um die furchtbaren Taten der Nationalsozialisten während des zweiten Weltkriegs mitten in einer der schönsten Städte Frankreichs gewoben wird, ist in sich stimmig, gefühlvoll, ergreifend, bittere Wahrheit und mit klarem Blick für das Wesentliche mitten in Frankreichs Hauptstadt Paris eingebettet. Zeitsprünge zwischen der Gegenwart und den Kriegsjahren geben sowohl einen intensiven Eindruck der furchtbaren Ereignisse als auch von der Gefühlswelt der Journalistin und Mutter, die sich mit diesen Geschehnissen zum einen journalistisch noch einmal auseinandersetzt und zum anderen damit auf ihrem eigenen Lebensweg in Kontakt kommt. Wirklich hervorragend, wie Regisseur Gilles Paquet-Brenner das Thema in so intensiven Bildern, ohne aufgesetzt zu wirken, umgesetzt hat. Leider kann ich im Moment keinen Vergleich zum Buch ziehen, doch dies kann ich nachreichen, sobald ich es gelesen habe. Petzi und ich haben uns das schon vorgenommen.

Sarahs Schlüssel Filmszene

Filmszene aus »Sarahs Schlüssel« © Camino Filmverleih

Dieser Film zeichnet den Weg von Menschen, die helfen wollten und sich dabei selbst in ungeheure Gefahr begaben. Ich sah Bilder von jüdischen Familien, entzwei gerissen durch die Grausamkeit der SS-Schergen. Kinder wurden von ihren Eltern getrennt, Ehefrauen von ihren Männern. Millionen kamen um, sahen nie wieder das Tageslicht, durften niemals ihre Enkel kennen lernen. Gleichzeitig spendet »Sarahs Schlüssel« Hoffnung und Dankbarkeit für diejenigen, die dem Hass trotzten und ihr Leben riskierten, um Menschen vor dem sicheren Tod zu retten. Doch um welchen Preis überlebte so manches Kind seine Eltern? Die Erinnerung nagt im tiefen Inneren, manchmal zerstört sie. Manchmal gibt sie aber auch Kraft, weiterzuleben, ein neues Leben zu beginnen und neues Leben zu schenken.


Sarahs Schlüssel| Original: Elle s’appelait Sarah
Regie: Gilles Paquet-Brenner | Kristin Scott Thomas, Mélusine Mayance, Niels Arestrup…
ab 12 Jahren | 111min | 2010
Film auf imdb


Fazit: All dies und noch viel mehr macht für mich dieser Film aus. Ein trauriger, sehr emotionaler Film, der noch lange nachwirken wird. Das Buch werde ich ganz in Ruhe lesen, wenn die Zeit dafür gekommen ist. Ich bin sehr gespannt darauf, bin mir aber auch bewusst, dass ich Taschentücher bereit legen muss. Nun werde ich den Film erst einmal ein wenig sacken lassen und den Tag ausklingen lassen.

Wertung: 🎬🎬🎬🎬🎬 5 von 5 Filmklappen

Immer noch in Gedanken versunken

Eure

sandra_signed

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6 Comments

  • Reply ClauDia 19. April 2014 at 07:09

    Liebe Sandra,
    als allererstes eine dicke fette Umärmelung ♥ ich hoffe, ihr habt entspannte und fröhliche Ostertage.
    Mich hat das Buch auch so berührt, dass ich es in Etappen lesen musste, ich musste zwischendurch einfach aufhören, Den Film kann ich nicht ansehen, ich habe Angst vor einigen bestimmten Szenen, z.B. dem Schrank, mehr möchte ich aber nicht sagen um nichts zu verraten…
    Falls es dich interessiert, ich habs auch rezensiert… und wenn ich deine Beiträge lese… dann kommt alles wieder und ich werde traurig und wütend. Wie konnten die nur! Unfassbar.
    http://claudiasbuchstabenhimmel.blogspot.de/2014/02/sarahs-schlussel.html
    Liebste Grüße
    Claudia

    • Reply Sandra 19. April 2014 at 14:25

      Liebe Claudia ♥

      *dicke Umarmung zurück* das hoffen wir auch. Wir sind bei Schwiegereltern und werden auch bisschen rausfahren. Mal sehen, ob das den Kopf frei pustet. Bis wieder Montag ist und garantiert wieder irgendeine Hiobsbotschaft eintrudelt. Da fällt positiv denken wirklich schwer…

      Das Buch muss eine wahre Flut von Emotionen sein, ich hatte deine Rezension schon gelesen. Der Punkt mit den Polizisten, die damals dabei waren, ist ein gutes Stichwort. Vielleicht war es der Autorin einfach wichtiger, die Geschichte Sarahs und Julias zu fokussieren. Psst, nichts weiter verraten. Wenn ich es lese, sage ich dir Bescheid ja? :-)

      Liebe Ostergrüße
      Sandra

  • Reply Martinas Buchwelten 17. April 2014 at 22:05

    Den Film wollte ich schon lange einmal sehen. Gut, dass du mich daran erinnerst! Der kommt samt Buch gleich auf die Wunchliste!
    Liebe Grüße
    Martina

    • Reply Sandra 17. April 2014 at 22:34

      Gerne doch, liebe Martina :)

      Ich hoffe, ich komme bald dazu, das Buch dazu zu lesen. ♥

      Liebe Ostergrüße
      Sandra

  • Reply Bianca81 17. April 2014 at 19:43

    Danke für den Tipp!
    Ich habe neulich „Die Bücherdiebin“ gesehen (Das Buch kenne ich noch nicht.), ich fand das auch herzzerreißend. Schlimm, was damals passiert ist. :-(

    • Reply Sandra 17. April 2014 at 23:02

      Die Bücherdiebin möchte ich auch noch sehen, warte schon sehnsüchtig auf die DVD. Für’s Kino hat es leider nicht gereicht, zuviel Trubel derzeit.

      Gerngeschehen :-)

      Liebe Grüße
      Sandra

    Ich freue mich auf euer Feedback :-)

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